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Frauen in Ägypten, hier auf einer Demonstration in Kairo, sind besonders schlecht gestellt.

Arabische Welt Frauen

Frauenfeindliches Ägypten

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Die Thomson-Reuters-Stiftung hat eine Studie zum Thema Frauenrechte in der arabischen Welt erstellt. In der arabischen Welt sorgt das für heftige Diskussionen. In Ägypten geht es den Frauen der Studie zufolge im Vergleich am schlechtesten.

Was ist schlimmer: Als neunjähriges Mädchen verheiratet zu werden oder bei einer Großdemonstration von einer Masse von Männern vergewaltigt zu werden? Was ist wichtiger: Dass es weibliche Abgeordnete im Parlament gibt oder dass Frauen Auto fahren dürfen? Was schränkt die Freiheit mehr ein: Wenn Bürgerkrieg herrscht und eine Frau mit ihren Kindern auf der Flucht ist oder wenn sie kein Bankkonto eröffnen darf, ohne ihren Vater oder Ehemann um Erlaubnis zu fragen?

In einer neuen Studie zum Thema Frauenrechte in der arabischen Welt hat die Thomson-Reuters-Stiftung nun versucht, diese Frage zu beantworten. Sie legt eine Rangliste der Länder vor und kommt dabei zu einem erstaunlichen Schluss: Auf den Komoren geht es Frauen am besten und in Ägypten am schlechtesten. Die Studie beruht auf der Befragung von Experten, Frauenrechtlerinnen und Sozialarbeitern, die nach ihrer Bewertung der Lage der Frauen in ihren Ländern gefragt wurden. Es geht also weniger um das Nebeneinanderstellen von Fakten als vielmehr die Wahrnehmung von Chancen und auch um die Frage, ob Hoffnung auf Besserung besteht.

In Saudi-Arabien verfügen Frauen nicht über die vollen Bürgerrechte

Die kleine Inselgruppe der Komoren schnitt besonders gut ab, weil Frauen hier Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung haben und die Gerichte harte Strafe gegen Vergewaltiger und Gewalttäter verhängten. Ägypten bekam den letzten Platz, weil hier Frauen immer häufiger Opfer von sexuellen Übergriffen werden, sie im politischen Leben kaum vertreten sind und auch in der Gesetzgebung benachteiligt werden. Zudem nennt der Bericht Zwangsheiraten mit reichen Ausländern und Beschneidung von Geschlechtsorganen als weitere besonders frauenfeindliche Faktoren. Den zweitletzten Platz belegt der Irak. Dort ist es vor allem die allgemeine Unsicherheit und dass Frauen zunehmend Opfer von Entführungen und Gewalttaten werden. Zudem ist es für Frauen hier besonders schwer, Jobs zu finden. Nur knapp 15 Prozent der Frauen arbeiten.

Im Nachbarland Saudi-Arabien, das den nächsten Platz belegt, sehen die Einschränkungen der Freiheit ganz anders aus: Hier haben die Frauen gerade erst das Wahlrecht bekommen und werden 2015 das erste Mal an die Urnen gelassen, auch sonst verfügen sie nicht über volle Bürgerrechte, da sie von einem männlichen Vormund abhängig sind. Andererseits wurde gerade ein Gesetz erlassen, das häusliche Gewalt gegen Frauen unter Strafe stellt. Es folgen Syrien, der Jemen, Sudan, Libanon und die Palästinensergebiet. In jedem Land gibt es spezifische Traditionen und Unterdrückungsmechanismen, die Frauen daran hindern, eine gleichberechtigte Rolle in der Gesellschaft zu spielen.

Katar, Oman und Kuwait vor Tunesien

Tunesien, das früher als fortschrittlichstes Land der Region galt, liegt in der Studie auf Platz sechs. Die Befragten, die allerdings nicht namentlich genannt werden, beschreiben, dass die Revolution 2011 und das Erstarken konservativer islamistischer Kräfte zu einer Einschränkung der Bewegungsfreiheit der Frauen geführt habe. So gebe es zwar keine Religionswächter, die darauf achten, dass Frauen sich ordentlich benehmen so wie in Saudi Arabien, aber immer mehr Frauen fühlten sich auf der Straße unsicher und würden sich deshalb verhüllen.

In den konservativen kleinen Golfstaaten ist schwarzer Mantel und Kopftuch die normale Kleidung der Frauen. Katar, Oman und Kuwait stehen dennoch vor Tunesien auf der Reuters-Rangliste, weil sie hier einen größeren Anteil an den Studierenden an den Universitäten stellen. Natürlich ist diese Bewertung nicht unumstritten und die Reuters-Studie hat eine heftige Diskussion ausgelöst. Damit hat die Studie ihr Ziel erreicht: Ging es doch in erster Linie darum, einmal wieder das Thema Frauenrechte in des Zentrum der Aufmerksamkeit zu stellen.

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