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Club der Kerle: das Bundesinnenministerium.

Gleichberechtigung

Frauen in der zweiten Reihe

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In den Ministerien sind Staatssekretärinnen noch immer Ausnahmen. Der Eklat um Horst Seehofers exklusive Männerriege macht das aufs peinlichste wieder deutlich.

Immer wieder diskutiert die Politik über die Frauenquote. Dabei macht sie sich um viele Branchen Gedanken, nur ganz offenbar nicht um die eigene. Zwar wird Deutschland von einer Frau regiert, doch das Gros der Minister ist männlich: Von den insgesamt 15 Ministerien werden neun von Männern geführt. Auch bei den Staatssekretären sieht es nicht anders aus. Gerade einmal 19 Frauen bekleiden ein solches Amt. Männer finden sich in dieser Position hingegen doppelt so viele. Allerdings gibt es auch Behörden, in denen die Anzahl der Staatsministerinnen überwiegt, beispielsweise im Kanzleramt und im Familienministerium.

Im Kontrast dazu veröffentlichte das Bundesinnenministerium am Mittwoch im Netz ein Foto von Horst Seehofer (CSU) mit seiner Mannschaft. „Mannschaft“ muss wörtlich verstanden werden: Die führenden Kräfte sind allesamt männlich.

Entsprechend fiel die Empörung im Netz aus. Zahlreiche Nutzer kommentierten das Bild, vor allem die bayerische SPD nutzte die Gelegenheit für bissige Kommentare. Die Genossin Verena Schmidt-Völlmecke fragte auf Twitter: „Oh wow, Heimat ganz ohne Frauen? Wollte keine oder hat die ‚Führungsriege‘ keinen Platz für eine Frau? Traurige Truppe.“ Verbraucher-Staatssekretärin Rita Hagl-Kehl (SPD) schrieb auf Facebook: „Der Beweis – Frauen haben in der CSU scheinbar nichts zu melden!“

Das Ministerium reagierte prompt auf die Kritik und löschte das Bild – später war es dann wieder da, inklusive einer nur von wenigen ernstgenommenen Erklärung, man habe den entsprechenden Personalerörterungen für die Sekretärsposten nicht vorgreifen wollen. Zwischendrin versuchte das Ministerium offenbar zu zeigen, dass es sich auch um weibliche Themen kümmern kann und twitterte: „Für noch mehr Frauen-Power im Katastrophenschutz: Das THW lebt von seinen Ehrenamtlichen – jeder kann mitmachen. Von den rund 80.000 Aktiven sind inzwischen mehr als 14 Prozent weiblich und die Zahl steigt weiter.“

Das Bundesinnenministerium ist nicht das einzige Ministerium, das ohne weibliche Staatssekretäre auskommt. Auch das Ministerium für Wirtschaft und Energie unter Peter Altmaier (CDU), das Verkehrsministerium von Andreas Scheuer (CSU) sowie das Landwirtschaftsministerium haben keine Frau als Staatssekretärin benannt. Immerhin steht letzterem mit Julia Klöckner (CDU) eine Bundesministerin vor.

Auswärtiges Amt: Michelle Müntefering (SPD) ist Staatsministerin für internationale Kulturpolitik. Ihre vier männlichen Kollegen, zwei Staatsminister und zwei Staatssekretäre, kümmern sich dagegen um außenpolitische Themen wie Europa und die Beziehungen zu den USA und Russland.

Justizministerium: Unter Ministerin Katarina Barley (SPD) ist das Verhältnis zwischen den Geschlechtern ausgeglichen. Zu ihrem Team gehören Christiane Wirtz (parteilos) und Rita Hagl-Kehl (SPD) sowie zwei männliche Staatssekretäre.

Finanzministerium: Geschlechtergerechte Postenverteilung auch im Hause von Vizekanzler Olaf Scholz (SPD): Neben Bettina Hagedorn (SPD) und Christine Lambrecht (SPD) sind noch zwei weitere männliche Staatssekretäre in seinem Ministerium zu finden.

Umweltministerium: Zwei Männer dienen dort als Staatssekretäre – aber auch Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD).

Gesundheitsministerium: Unter Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist Sabine Weiss (CDU) eine von drei Staatssekretären – und die einzige weibliche.

Bundesbildungsministerium: Cornelia Quennet-Thielen (parteilos) muss sich als einzige Staatssekretärin gegen drei Männer in dem von Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) geführten Ressort durchsetzen.

Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Mit Maria Flachsbarth (CDU) gibt es auch dort nur eine weibliche Staatssekretärin. Neben ihr bekleiden noch zwei Männer entsprechende Ämter.

Familienministerium: Umgekehrt sieht es im von Franziska Giffey (SPD) geführten Familienministerium aus. Dort sind mit Caren Marks (SPD) und Juliane Seifert (SPD) zwei Staatssekretärinnen tätig. Sie haben nur einen männlichen Kollegen.

Arbeitsministerium: Ähnlich ist auch das Verhältnis in dem von Hubertus Heil (SPD) geführten Ministerium. Mit Anette Kramme (SPD), Kerstin Griese (SPD) und Leonie Gebers (SPD) sind gleich drei Frauen als Staatssekretärinnen tätig. Männer in dieser Position gibt es nur zwei.

Verteidigungsministerium: Das Ressort kommt künftig ohne weibliche Staatssekretäre aus. Die Unternehmensberaterin Katrin Suder, die für die Reform der Rüstungsbeschaffung zuständig war, geht auf eigenen Wunsch. Sie wird von einem Mann aus dem Haus ersetzt: Generalleutnant Benedikt Zimmer. Außerdem gibt es noch drei weitere Staatssekretäre, alle männlich.

Kanzleramt: Im Hause von Angela Merkel (CDU) haben wenigstens doch drei Frauen Leitungsfunktionen. Dorothee Bär (CSU, oben) kümmert sich um die Digitalisierung, Annette Widmann-Mauz (CDU) um Migration, Flüchtlinge sowie Integration, und Monika Grütters (CDU) ist weiterhin für Kultur und Medien zuständig. Hendrik Hoppenstedt (CDU), der einzige männliche Staatsminister im Kanzleramt, hat seinen Schwerpunkt im Bürokratieabbau und den Beziehungen zwischen Bund und Ländern.

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