Platz 1: Cornelia Otto
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Platz 1: Cornelia Otto

Piratenpartei Berlin

Frauen sollen die Piraten retten

Nach zweitägiger Wahl geht die Berliner Partei mit vier Kandidatinnen auf den ersten Listenplätzen in den Bundestagswahlkampf.

Von Sabine Rennefanz

Nach zweitägiger Wahl geht die Berliner Partei mit vier Kandidatinnen auf den ersten Listenplätzen in den Bundestagswahlkampf.

Wären die Piraten eine halbwegs klassische Partei, wäre wohl Laura Dornheim die Berliner Spitzenkandidatin für den Bundestagswahlkampf geworden.

Die 29-jährige Unternehmensberaterin hat sich bereits einen Namen gemacht, sie hat wirtschaftlichen Sachverstand, ist eloquent und medienerfahren. Um den ersten Listenplatz bewarb sie sich in ihrer Rede bei der Parteiversammlung am Wochenende mit einem Zitat der Band Die Ärzte: „Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist, es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt.“

Doch die Piraten sind keine klassische Partei. Gemäß dem Motto „Themen statt Köpfe“ tendieren sie eher dazu, unbekanntere Gesichter nach vorn so holen. Auch das komplexe Wahlsystem, bei dem in einem Durchgang die Reihenfolge bestimmt wird, um taktische Absprachen zu vermeiden, benachteiligt Polarisierer. Wer sich zu sehr profiliert, zu oft Interviews gibt, der kommt nicht so gut an. Das bestätigte sich auch am Sonntag in der Universal Hall in Moabit: Laura Dornheim wurde auf den wohl aussichtslosen sechsten Platz verbannt.

Zwei Kandidatinnen haben eine Chance

Angeführt werden die Berliner Piraten dafür von der noch unbekannten Politik-Studentin Cornelia Otto. Die 38-Jährige interessiert sich nach eigenen Angaben für alles, was mit „Gerechtigkeit“, „Existenzsicherheit“ und „Bürgerrechten“ zu tun hat. Sie kam 2009 im Zuge der Proteste gegen die Vorratsdatenspeicherung und Internetsperren zur Partei. Nach Bekanntgabe der Ergebnisse bedankte sie sich für die Wahl und versprach einen „großartigen Wahlkampf“. Die Frage sei nicht, ob die Partei den Einzug in den Bundestag schaffe, sondern ob sie es wolle, sagte sie in ihrer Rede. Auf dem zweiten aussichtsreichen Platz wurde Miriam Seyffahrt, Studentin der Islamwissenschaft an der FU Berlin, gewählt. Sie gibt Integration und Familien- und Geschlechterpolitik als Schwerpunkte an. Auf Platz 3 landete Lena Rohrbach, eine Philosophie-Studentin.

Nachdem die Berliner Piraten fürs Abgeordnetenhaus vor zwei Jahren fast nur Männer auswählten, drehten sie jetzt den Spieß um. Acht von vierzehn Kandidaten sind weiblich. Die umstrittene Piratin Mareike Peter, die dadurch bekannt wurde, dass sie Polizeipräsidenten Klaus Kandt auf Twitter als „rassistisches Arschloch“ bezeichnet hat, landete auf Platz 13. Nur die ersten zwei Kandidaten haben eine reale Chance, in den Bundestag zu ziehen – wenn die Partei nicht an der Fünf-Prozent-Hürde scheitert. Zuletzt lagen die Piraten nach Skandalen und Querelen bei nur zwei oder drei Prozent bundesweit. Fraktionschef Christopher Lauer gab sich trotzdem optimistisch: „Wir sind es gewohnt, unter schwierigen Bedingungen Wahlkampf zu machen“, sagt er am Sonntag. Er hofft auf ein Ergebnis um zehn Prozent.

18 Stunden Kennenlernen

Sein Kollege, der Abgeordnete Martin Delius, setzt im Wahlkampf vor allem darauf, eigene Erfolge der Piraten-Fraktion herauszustreichen. „Wir haben dazu beigetragen, dass die Schul-Trojaner nicht kommen und treiben die Aufklärung beim Flughafen-Debakel voran.“ Sollte die Partei nicht in den Bundestag einziehen, wäre das aber auch nicht das Ende der Piraten, fügte er hinzu. Es ging dann eher darum, langfristige Ziele zu setzen.

Das Auswahlverfahren hatte sich über zwei Tage hingezogen. Die anwesenden Mitglieder hatten 18 Stunden Gelegenheit, die Bewerber kennenzulernen und Fragen zu stellen. 46 Piraten stellten sich auf, die Professionalität schwankte enorm. Es gab den Punk mit blau gefärbtem Haar, der „den Bundestag rocken“ will. Der nächste Kandidat sagte: „Ich will eigentlich gar keine inhaltliche Arbeit im Bundestag leisten.“

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