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Annalena Baerbock und Robert Habeck
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Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende der Grünen, kann mit ihrem Kollegen Robert Habeck – sie kann auch ganz gut alleine.

Politik in Deutschland

Deutschlands Männer-Demokratie: Traditionelle Politik grenzt Frauen aus

  • Bascha Mika
    vonBascha Mika
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Frauen in Deutschland wählen eher linke Politik, zeigen Statistiken. Doch von CDU bis Grüne: In Parteien und Parlamenten sind es Männer, die dominieren.

  • Deutschland: Frauen nehmen fast genau so oft wie Männer an Wahlen in der Politik teil, zeigen Statistiken.
  • Egal ob CDU und CSU, Grüne oder AfD: Politiker:innen sind meistens Männer.
  • Nach der Bundestagswahl 2021 wird sich zeigen, ob sich dieser Trend in der deutschen Politik fortsetzt.

Berlin - Teilhabe – ein großes Wort. Wenn in diesem Jahr noch vier Landtage und der Bundestag in Deutschland gewählt werden, geht es immer auch um Geschlechterfragen: Wer wählt wen warum? Wählen Frauen anders als Männer? Geben sie genauso häufig ihre Stimme ab? Und wie steht es generell um ihr Interesse an Politik und ihre Möglichkeiten zur politischen Partizipation, um die Gesellschaft aktiv mitzugestalten? Zusammenfassend gefragt: Wie gleichberechtigt sind Frauen eigentlich an der Demokratie beteiligt?

Wer für Gleichberechtigung eintritt und sich die Wahlbeteiligung anschaut, kann sich entspannt zurücklehnen. Über Jahrzehnte lagen Frauen in Deutschland bei der Stimmabgabe bei politischen Wahlen zurück, doch inzwischen haben sie enorm aufgeholt. Bei der letzten Bundestagswahl bewegten sich die abgegebenen weiblichen und männlichen Stimmen fast gleichauf um die 76 Prozent. Auch bei anderen Wahlen ist der Unterschied inzwischen so gering, dass Forscher:innen hier kein geschlechtsspezifisches Gefälle für die Teilnahme an Entscheidungen in der Politik erkennen können. Im September steht die Bundestagswahl 2021 an, die Bundeskanzlerin Angela Merkel wird ihr Amt abgeben - dann wird sich zeigen, ob sich dieser Trend für die politische Beteiligung fortsetzt.

Statistiken zeigen: Frauen und Männer in Deutschland interessieren sich unterschiedlich stark für Politik

Doch es wäre ein Irrtum, diesen Befund auf das Interesse für Politik zu übertragen. Denn hier gibt es ein erhebliches Gender Gap, das sich auch in jüngerer Zeit nicht nivelliert hat. Untersuchungen aus dem vergangenen Jahr bestätigen alle Vorurteile: Frauen interessieren sich wesentlich weniger für Politik als Männer. Grob gesagt, bekunden fast doppelt so viele Männer wie Frauen großes oder sehr großes Interesse an Politik. Bei den mittelmäßig Interessierten in Deutschland gibt es kaum einen zahlenmäßigen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Aber bei den total Desinteressierten ist der weibliche Anteil wesentlich höher als der männliche.

  • Doppelt so viele Männer als Frauen geben an, großes oder sehr großes Interesse an Politik zu haben.
  • Es gibt kaum Abweichungen zwischen Männern und Frauen, die „mittelmäßiges Interesse an Politik“ angeben.
  • Bedeutend mehr Frauen als Männer geben an, sich überhaupt nicht für Politik zu interessieren.

Das geringere Interesse an Politik von Frauen in Deutschland hängt noch immer mit alten Rollenbildern zusammen, sagt die Partizipationsforschung. Traditionell wurden Frauen von der Politik ferngehalten, das wirkt sich bis heute aus. Doch auch am Feminismus orientierte Frauen fühlen sich im männlich dominierten Politikbetrieb oft nicht heimisch oder ausreichend repräsentiert, so dass sie daran wenig Interesse zeigen.

Politik und Wahlen: Statt CDU - seit den 1980er wählen Frauen mehr linke Parteien

Eine andere Form des Gender Gap zeigt sich beim Wahlverhalten von Frauen: Sie unterstützen deutlich andere Parteien als Männer in Deutschland. Die Wissenschaft spricht von einer „modernen Geschlechterlücke“. Bis in die 1980er Jahre wählten Frauen eher die CDU und insgesamt konservativer als Männer. Doch seit diesem Zeitpunkt haben sie sich verstärkt dem linken Parteienspektrum zugewandt – wenn auch nicht der Partei Die Linken, die seit Februar 2021 auf Bundesebene von zwei Frauen geführt wird. Sowohl die Grünen als auch die SPD profitieren überproportional von weiblichen Stimmen, was die Wahlforschung auf unterschiedliche weibliche und männliche Wertorientierungen zurückführt, vor allem auf postmaterialistische Haltungen bei Frauen.

Auffallend ist die verhältnismäßig geringe Anzahl weiblicher Wählerstimmen für die AfD – obwohl es in Deutschland keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen gibt, wenn es um die Einstellung zu Rechtsextremismus geht. Hat dies etwas mit der engeren Kirchenbindung von Frauen zu tun, mit ihrer Sorge vor sozialer Stigmatisierung oder ihrer Abneigung gegenüber einem Image der Politik, das mit Gewalt einhergeht? Bislang gibt es für dieses Verhalten keine überzeugende Erklärung, räumen Expert:innen ein.

Politik: Statistik aller Parteien zeigt, dass mehr Männer als Frauen ein Amt ausüben - AfD bildet Schlusslicht

Wer in der Politik in Deutschland Verantwortung übernehmen will, ist auf Parteien angewiesen, doch die sind für Frauen nicht attraktiv. Keine einzige Partei im Bundestag kann mit genauso vielen weiblichen wie männlichen Mitgliedern punkten. Die Grünen haben die Nase vorn mit über 40 Prozent Frauen, die wenigsten hat die AfD mit knapp 18 Prozent. Dass Politik oft noch eine Männerbastion ist, zeigte auch eine Statistik-Analyse nach den Kommunalwahlen im März 2021 in Hessen.

Und gerade Parteien mit sehr wenigen weiblichen Mitgliedern – darunter auch CDU und CSU – stellen dann prozentual gesehen noch einmal weniger weibliche Abgeordnete für Deutschland. So hat die CSU einen Frauenanteil von 21 Prozent bei den Mitgliedern, aber unter ihren Abgeordneten sind nur 17 Prozent weiblich. Kein Wunder, dass es im noch amtierenden Bundestag so wenige Frauen gibt wie schon lange nicht mehr, nämlich noch nicht einmal ein Drittel. Das wollen Initiativen wie „Frauen-macht-Politik“ vom Helene Weber Kolleg auf Bundesebene oder eine Aktion des Frauenreferats der Stadt Frankfurt ändern.

Mit 17 Prozent ist der Frauenanteil bei AfD-Mitgliedern am niedrigsten.

Frauen suchen andere Wege als Männer, um die Politik mitzugestalten

Es sind die Strukturen der politischen Arbeit in den Organisationen, die Frauen abschrecken, aber auch bewusst ausgrenzen. Dafür suchen sie sich dann andere, alternative Formen, um sich in die Politik in Deutschland einzumischen. In der Zivilgesellschaft, jenseits von männerdominierten Institutionen der Politik – in Bürgerinitiativen und Beiräten, bei Unterschriftensammlungen und Demonstrationen.

In all diesen nichtinstitutionalisierten Zusammenhängen stehen Frauen den Männern in Deutschland in nichts nach. Unabhängig davon, ob es sich um legale oder illegale Aktionen handelt, ob es gewaltfrei oder mit Gewalt zugeht. Dabei lebt noch immer das Vorurteil, dass Frauen eher für die gute Sache kämpfen, dass menschenfeindliche und ausgrenzende Überzeugungen in der Politik nicht zum weiblichen Wesen passen. Leider ein Irrtum. (Bascha Mika)

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