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"Frauen an die Macht"

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"In Afrika hat sich viel bewegt", sagt Mankell.
"In Afrika hat sich viel bewegt", sagt Mankell. © rtr

Herr Mankell, Sie haben gesagt, Afrika sei ein Kontinent mit einer großen Zukunft - wann wird sie beginnen? Sie hat bereits begonnen. Wenn Sie das heutige

Herr Mankell, Sie haben gesagt, Afrika sei ein Kontinent mit einer großen Zukunft - wann wird sie beginnen?Sie hat bereits begonnen. Wenn Sie das heutige Afrika mit dem Zustand von vor fünf oder zehn Jahren vergleichen, werden Sie erkennen, dass sich vieles zum Positiven verändert hat. Immer mehr Länder versuchen demokratische Strukturen einzuführen. Es gibt weniger Diktaturen. Es gibt viel weniger Kriege. Die Ausbildungssituation hat sich enorm verbessert. Es ist ganz offensichtlich, dass sich vieles bewegt hat - aber oft zu langsam.

Warum ist das so?

Weil wir nicht so viel Hilfe geben, wie es nötig wäre. Dennoch bleibe ich optimistisch. Ich werde aber wohl nicht lange genug auf dieser Erde sein, um miterleben zu können, dass sich Afrika in einen blühenden Kontinent verwandelt. Aber wenn ich in 50 Jahren noch einmal zurückkommen könnte, bin ich sicher, dass meine zweite Heimat Mosambik ein Wohlstands-Land sein wird.

Sie haben oft kritisiert, der Westen habe nur eine negative Sicht von Afrika. Welche positiven Entwicklungen sehen Sie konkret?Die Wahl der Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf in Liberia beispielsweise. Ich habe sie getroffen, als ich mit Bundespräsident Köhler in Ghana war. Sie ist eine sehr starke, intelligente Führungspersönlichkeit. Eine der größten Herausforderungen auf dem Kontinent ist, die Gleichberechtigung der Frauen zu unterstützen. In vielen afrikanischen Ländern tragen die Frauen einen Großteil der Verantwortung, haben aber nur wenig Einfluss auf die Gesellschaft. Wenn sich daran nichts ändert, wird Afrika nicht vorankommen. Frauen an die Macht! Aber da passiert schon einiges. Immer mehr junge Frauen haben Zugang zur Bildung. Manchmal wundere ich mich allerdings, wo all ihre feministischen Schwestern in Europa und dem Rest der Welt sind, die sie unterstützen könnten.

Beim G8-Gipfel in Gleneagles versprachen Politiker, die Entwicklungshilfe für Afrika auf 25 Milliarden US-Dollar zu verdoppeln. Viele Länder bleiben hinter ihren Versprechen zurück. Was erwarten Sie von Heiligendamm?

Ich hoffe, dass Präsident Köhler und Kanzlerin Merkel mehr aktives Handeln fordern und in Gang bringen. Wir haben genug Versprechungen gehört.

Sie haben die Politik der Weltbank und des IWF kritisiert, dessen Präsident Köhler lange Zeit war. Jetzt arbeiten Sie mit ihm in einer Initiative zusammen? Wir haben darüber gesprochen. Es ist gut zu sehen, dass sich die Weltbank-Politik gegenüber Afrika langsam ändert. Sie haben inzwischen eingesehen, dass sie vor Jahren die falsche Politik gemacht haben. Nicht nur in Mosambik. Selbst die Weltbank kann sich ändern.

Was kann die "Partnerschaft für Afrika", der Sie und Köhler angehören, erreichen, das nicht andere Afrika-Organisationen schon machen?

Wir kommen nicht mit fertigen Lösungen im Gepäck. Wir kommen, um gemeinsam mit den Afrikanern zu überlegen, die richtigen Fragen zu stellen und auf diesem Weg andere Lösungen zu finden. Das ist für mich eine wahre Partnerschaft. Da geht es nicht um einen, der gibt, und den anderen, der nur nimmt.

Gibt Ihnen Köhler mehr politischen Rückenwind, als Sie bisher hatten?

Es macht mir großen Spaß, mich mit Herrn Köhler auszutauschen. Er versteht, was getan werden muss. Köhler reist nach Afrika, und die afrikanischen Führungspersönlichkeiten kommen - weil sie wissen, er hört zu.

Sie haben mal kritisiert, dass Geld nur dann überwiesen wird, wenn das Land eine gute Regierungsführung nachweisen kann. Das ist doch eigentlich ein vernünftiger Ansatz, damit das Geld nicht in den Taschen korrupter Politiker verschwindet.

Auch ein Land mit schlechter Regierungsführung kann auf Hilfslieferungen angewiesen sein. Dann müssen wir direkte Wege finden, um die Hilfe dorthin zu bringen, wo sie nötig ist - an der korrupten Regierung vorbei, wie zum Beispiel in Simbabwe. Und: Wenn Sie den Menschen Geld geben, stärken sie damit die Bevölkerung - auch gegen die Regierung.

INTERVIEW: MARTIN SCHOLZ

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