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US-Soldatin auf Patrouille in Musa Qala in der afghanischen Provinz Helmand

US-Armee

Frauen an die Front

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Das US-Militär will Soldatinnen künftig direkt in den Kampf ziehen lassen. Erste Reaktionen werten den Vorstoß als wichtigen Schritt zur Gleichberechtigung.

Das US-Militär will Soldatinnen künftig direkt in den Kampf ziehen lassen. Erste Reaktionen werten den Vorstoß als wichtigen Schritt zur Gleichberechtigung.

Das US-Militär will Frauen nun auch offiziell in Kampfeinsätze schicken. Verteidigungsminister Leon Panetta werde ein Verbot von 1994 formell aufheben, hieß es am Donnerstag aus dem Pentagon in Washington. Das könnte mehr als 200?000 US-Soldatinnen neue Karrieremöglichkeiten in den Streitkräften eröffnen. Bislang waren etwa Frauen nicht den Kampftruppen in der Infanterie und der Artillerie zugeordnet und hatten deswegen nur geringe Chancen, nach Einsätzen in Kriegsgebieten in der Armee aufzusteigen.

Klage von Bürgerrechtlern

Die Ankündigung wurde in den USA überwiegend positiv aufgenommen. Der Vorsitzende des Streitkräfte-Ausschusses im US-Senat, der Demokrat Carl Levin, sagte: „Das spiegelt die Realität militärischer Operationen im 21. Jahrhundert wider.“ Ähnlich äußerte sich die Kongress-Abgeordnete Tammy Duckworth aus Illinois. „Als Kriegsveteranin weiß ich, dass die Aufnahme von Frauen in die Kampftruppe Amerika sicherer machen wird“, sagte Duckworth, die im Jahr 2004 beide Beine verlor, als ihr Helikopter im Irak abgeschossen wurde.

Die Bürgerrechtsorganisation ACLU, die das Verteidigungsministerium im vergangenen November im Namen von vier Soldatinnen wegen des geltenden Kampfverbots verklagt hatte, erklärte, nun würden qualifizierte Frauen dieselben Chancen erhalten wie ihre männlichen Kollegen in der Armee. In der Klageschrift hieß es damals, der Ausschluss von Frauen aus der Kampftruppe verstoße gegen die US-Verfassung und verhindere, dass Frauen sich jene Meriten erwerben können, die Männern in der Armee Beförderungen einbrächten. So brachten es bislang von den 37?000 Offizierinnen lediglich zwei Frauen zum Vier-Sterne-General.

Die Aufnahme von Frauen in die kämpfende Truppe könnte auch die Gefahr verringern, im Einsatz verletzt oder getötet zu werden, sagte eine der Klägerinnen. Sie sei in Afghanistan einer aus Männern bestehenden Patrouille zugeordnet worden, um gegebenenfalls Frauen durchsuchen zu können, berichtete Jennifer Hunter aus dem Bundesstaat Maryland. Dass sie nicht mit ihren männlichen Kollegen für den Einsatz üben durfte, habe letztlich das Risiko erhöht.

Die Öffnung für Frauen in Kampfeinsätzen gilt als ein weiterer Schritt zu einer umfassenden Reform der US-Streitkräfte. 2011 hatte die Regierung von Präsident Barack Obama bereits die sogenannte „Don‘t ask, don‘t tell“-Regel abgeschafft, wonach sich homosexuelle Männer und Frauen in der Armee nicht zu erkennen geben durften.

150 Tote, 1000 Verletzte

Im US-Militär dienen derzeit 1,2 Millionen Männern und 200.000 Soldatinnen. Seit 2001 waren 280.000 Frauen in Afghanistan und im Irak eingesetzt, mehr als 150 wurden getötet, fast 1000 verletzt. In diesen Kriegsgebieten gibt es keine klaren Frontlinien. Das machte nach Einschätzung von Experten die Unterscheidung zwischen Kampf- und Unterstützungstruppe schwierig und dürfte eine Ursache für die Aufhebung des Kampfverbotes für Frauen gewesen sein.

Bis zu einer vollständigen Gleichbehandlung von Frauen und Männern werden allerdings noch Jahre vergehen. Die neue Verordnung sieht vor, dass sich die Teilstreitkräfte bis 2016 Zeit lassen dürfen. Das könnte dazu führen, dass Frauen zumindest vorerst weiter nicht in Truppenteile aufgenommen werden, die als besonders gefährlich gelten.

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