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Porträt

Die Frau des Herrn Petke

  • Bernhard Honnigfort
    VonBernhard Honnigfort
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Ein mächtiges altes Beil an der Wand, daneben Pfeile und rasiermesserscharfe Schwerter: Der Ort war nicht schlecht gewählt. Im Erlebnisrestaurant "Prinz

Ein mächtiges altes Beil an der Wand, daneben Pfeile und rasiermesserscharfe Schwerter: Der Ort war nicht schlecht gewählt. Im Erlebnisrestaurant "Prinz Eisenherz" in Babelsberg übernahm Katherina Reiche, 34, den Kreisvorsitz der Potsdamer CDU. Sie ist eine Politikerin mit bizarrem Doppelleben. Ihre eine Welt ist der Bundestag, wo sie für die CDU/CSU als Vize-Fraktionschefin und Expertin für Bildung, Familie, Naturschutz und Reaktorsicherheit gern mal frech daherkommt, die SPD kurzerhand als "Partei der Strompreiserhöhung" abkanzelt und für Atomstrom wirbt oder Gentechnikgegner als Bioterroristen beschimpft. Sie ist eine Aufsteigerin Ost, die es beim Bundestagswahlkampf 2002 in Edmund Stoibers Kompetenzteam schaffte.

Aber das sind Kinkerlitzchen verglichen mit der anderen Welt, in der die gelernte Chemikerin und Mutter dreier Kinder lebt: Das ist eine dunkle, vergiftete Sphäre, eine Vereinigung von Menschen, unter denen es "bürgerkriegsähnlich" zugeht, so ein Unionsmann. Es ist die brandenburgische CDU. Dort ist sie nicht mehr nur Katherina Reiche, sondern vor allem "die Frau von Herrn Petke" und gilt als Teil einer parteiinternen Partisanenarmee, die mit CDU-Chef Ulrich Junghanns, der zudem Wirtschaftsminister von Brandenburg ist, eine zerstörerische Dauerfehde austrägt. Und Herr Petke, Vorname Sven, ihr Gemahl, einst CDU-Generalsekretär, dann im Krach entlassen, gilt als der Anführer der Aufrührer.

2007 ließ die brandenburgische CDU beim Parteitag an menschlicher Niedertracht wenig aus. Eigentlich sollte der Vorsitzende Jörg Schönbohm in Ehren entlassen werden. Aber es wurde dann ein sehr hässlicher Samstag. Schönbohms Nachfolger Junghanns, mit Ach und Krach gegen Konkurrent Petke gewählt, erblickte am Ende des Tages eine Menge "Hass" in den Augen vieler im Saal. Danach kühlte der Krieg um die Macht in der CDU ein wenig ab und wurde weiter auf lokaler Ebene ausgefochten. Und da kam die Frau des Herrn Petke ins Spiel: Nachdem in Potsdam der CDU-Kreischef, ein Herr Wieland Niekisch, unschön aus dem Amt gedrückt worden war, kandidierte die smarte Politikerin: "Ich bin eine eigenständige Person und führe keinen Stellvertreterkrieg für meinen Mann." Sie verspürte "eine große Sehnsucht nach Geschlossenheit".

152 Christdemokraten im "Prinz Eisenherz" sahen es ebenso, 129 stimmten vergeblich für einen jungen Mann namens Hans-Wilhelm Dünn, den Referenten des Wirtschaftsministers Junghanns. "Die Frau von Herrn Petke ist nicht ganz neutral", hatte Dünn zuvor bemängelt. Es nutzte ihm nichts. Reiche will nun die Gräben schließen. Sagte sie jedenfalls nach ihrer Wahl. Man hat es schon oft gehört in Brandenburgs CDU.

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