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Die Tür der Schlosskirche Wittenberg mit den 95 Thesen.

Lutherjahr

Franziskus schürt Hoffnungen

Von der Papstreise nach Schweden zum Treffen mit dem Lutherischen Weltbund erwarten Katholiken und Protestanten sich Fortschritte für die Ökumene. Vielleicht sogar für das gemeinsame Abendmahl.

Von Regine Kerner

Wenn Papst Franziskus am Montag in der schwedischen Stadt Lund am Gedenken zum 500-Jahr-Jubiläum der Reformation teilnimmt, dann darf wohl mit Recht das Attribut „historisch“ verwendet werden. Der Mönch Martin Luther war ein erbitterter Gegner der Päpste, die er als Teufelsdiener schmähte. Nachdem der Reformator im Jahr 1517 seine Thesen in Wittenberg anschlug, spaltete sich die Kirche und Katholiken und Protestanten waren sich über Jahrhunderte spinnefeind. Der Prozess der Annäherung setzte erst Anfang des 20. Jahrhunderts ein, der ökumenische Dialog zwischen Katholiken und Lutheranern wird gar erst seit 50 Jahren geführt. Er findet nun mit der historischen Geste des Papstes einen seiner vorläufigen Höhepunkte.

„Vom Konflikt zur Gemeinschaft“ lautet das Motto des Auftakts zum Luther-Jahr 2017. Franziskus wurde vom Lutherischen Weltbund (LWB) und vom Päpstlichen Rat für die Einheit der Kirchen dazu eingeladen. Gemeinsam mit dem Präsidenten und dem Generalsekretär des LWB hält er einen ökumenischen Gottesdienst. Ein starkes Zeichen und einen großen Schritt nennt das der Ökumene-Verantwortliche des Vatikans, der schweizerische Kardinal Kurt Koch. Denn in der Vergangenheit seien solche Gedenkveranstaltungen sehr konfessionell geprägt gewesen, teils „mit großem Triumphalismus und Polemik auf beiden Seiten“.

Das katholische Kirchenoberhaupt selbst erhofft sich von seiner Reise eine weitere Annäherung. Franziskus sagte der schwedischen Jesuiten-Zeitschrift Signum: „Wir müssen lernen über uns hinauszuwachsen, um den anderen zu begegnen“. Der Papst, der die römische Kurie aus ihrer Starre holen will, fügte hinzu, Katholiken könnten von der lutherischen Tradition lernen, dass eine fortwährende innerkirchliche Reform unerlässlich sei. Luther habe zudem einen großen Schritt gemacht, „um das Wort Gottes in die Hände des Volkes zu legen“.

Nicht alle im Vatikan sind erfreut. Strenggenommen hätten die Katholiken keinen Grund, das Reformationsjubiläum zu feiern, weil es zum Auseinanderbrechen der Christenheit geführt habe, ließ etwa der oberste Glaubenshüter, der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller wissen.

„Für Überraschungen gut“

Dagegen führte Kardinal Koch vor wenigen Tagen an, Luther habe keine Spaltung gewollt, er habe die katholische Kirche erneuern wollen. Dass es zur Teilung und in der Folge zu schrecklichen Religionskriegen kam, sei ein Grund zur Reue – und sicher meinte Koch damit beide Seiten. Er verwies darauf, dass auch Vorgänger von Franziskus bereits schöne Worte für Luther gefunden hätten. Benedikt XVI. etwa habe ihn einen „guten Mann mit guten Absichten“ genannt.

Ob von dem Treffen des Papstes mit den Lutheranern auch konkrete Fortschritte für die Ökumene zu erwarten sind, ist unklar. Möglicherweise soll eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht werden. Auf die Frage, ob es einen Schritt hin zum gemeinsamen Abendmahl geben könnte, das die katholische Kirche bisher verbietet und das einer der kritischen Punkte im Verhältnis zu den Lutheranern ist, antwortete Kardinal Koch: „Man weiß nie“. Was Franziskus in Lund sagen und predigen werde, sei nicht bekannt. „Aber wir wissen, dass der Papst gut für Überraschungen ist.“

Lutherische Kirchen laden Katholiken schon lange zum gemeinsamen Abendmahl ein. Doch auf katholischer Seite gibt es dogmatische Bedenken. Noch 2014 hatte sich Franziskus klar dagegen ausgesprochen. Ende vergangenen Jahres dann brachte er die Debatte in Gang, als er sagte, vielleicht müssten nicht alle Unterschiede ausgeräumt sein, bevor das gemeinsame Abendmahl möglich sei.

Dass die Auftaktfeierlichkeiten in Schweden und nicht in Luthers Heimat Deutschland stattfinden, wird damit begründet, dass der Lutherische Weltbund vor 70 Jahren in Lund entstand. „Außerdem ist das ein universelles Thema, kein deutsches“, sagte Koch. LWB-Generalsekretär Martin Junge versicherte: „Wir wollen niemandem etwas stehlen“.

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