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Ein päpstliches Schreiben, das sich ausdrücklich an die Gläubigen wendet, ist ein außergewöhnlicher Vorgang.

Reformen

Franziskus schreibt an die Gläubigen

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Der Papst spricht in einem Brief an die deutschen Katholiken den Reformprozess an.

In einem Brief an die deutschen Katholiken hat Papst Franziskus den geplanten „Synodalen Weg“, einen von der Bischofskonferenz im Februar beschlossenen Reformprozess, im Grundsatz freigegeben, aber eine Reihe von Wegweisern errichtet. „Heute stelle ich gemeinsam mit euch schmerzlich die zunehmende Erosion und den Verfall des Glaubens fest mit all dem, was dies nicht nur in geistlicher, sondern auch auf sozialer und kultureller Ebene einschließt“, so der Papst in seinem 19-seitigen Brief, den die Bischofskonferenz am Samstag veröffentlichte. Was der als Reaktion auf diesen Niedergang vorgeschlagene „Synodale Weg“ konkret bedeute und wie er sich entwickle, „wird sicherlich noch tiefer in Betracht gezogen werden müssen“, so der Papst.

Ein päpstliches Schreiben, das sich ausdrücklich an die Gläubigen wendet, ist ein außergewöhnlicher Vorgang. Bezogen auf Deutschland, gibt es dafür aus den vergangenen Jahrzehnten kein Vorbild. Wenn überhaupt, adressierten die Päpste immer nur die Bischöfe.

Einen großen Teil seines Schreibens widmet Franziskus der Warnung, sich in einer – nicht näher bezeichneten – Flickschusterei zu verlieren und zu glauben, „dass die Lösung von derzeitigen und zukünftigen Problemen ausschließlich auf dem Wege der Reform von Strukturen, Organisationen und Verwaltung zu erreichen sei“.

Keine nationalen Alleingänge

Auch mache sich die Sendung der Kirche „nicht an Prognosen, Berechnungen oder Umfragen fest“, schreibt Franziskus und spielt damit auf jüngste Studien an, die eine Halbierung der Katholikenzahl und der Finanzkraft bis zum Jahr 2060 voraussagen. Demgegenüber betont der Papst die Bedeutung einer spirituellen Vertiefung, „pastoralen Bekehrung“ und „gelebten Evangelisierung“. Ausdrücklich bekräftigt der Papst die Wahrung der kirchlichen Einheit und des Zusammenhalts aller Teilkirchen – eine klare Absage an nationale Alleingänge. Das bedeute aber nicht, „nicht zu gehen, nicht voranzuschreiten, nichts zu ändern und vielleicht nicht einmal zu debattieren und zu widersprechen“, fügt Franziskus hinzu.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Langatmiger Brief des Papstes

Die Reaktionen im deutschen Episkopat fielen einhellig positiv aus, jedoch mit unterschiedlichen Akzenten. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz sprach in einer gemeinsamen Erklärung mit dem Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, von einem Zeichen der Wertschätzung für das kirchliche Leben in Deutschland. „Wir danken dem Heiligen Vater für seine orientierenden und ermutigenden Worte und sehen uns als Bischöfe und Laienvertreter eingeladen, den angestoßenen Prozess in diesem Sinn weiter zu gehen.“

Der Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Woelki, erkannte in dem Papstschreiben die Analyse, dass die Krise der Kirche „in erster Linie eine Glaubenskrise“ sei. Mit dem Wort vom „Primat der Evangelisierung“ spreche ihm der Papst „aus dem Herzen“, sagte Woelki. Das Bistum Regensburg, dessen Bischof Rudolf Voderholzer sich bereits als Gegner des „Synodalen Wegs“ positioniert hat, sieht den Papstbrief als Stoppsignal. Der geplante Prozess, der im September formell gestartet werden soll, könne nicht so stattfinden wie geplant, weder dem Inhalt nach noch in der Form, sagte Generalvikar Michael Fuchs.

Auch als Konsequenz aus dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche soll sich der „Synodale Weg“ mit Fragen von Macht, Partizipation und Gewaltenteilung, mit der katholischen Sexualmoral und der priesterlichen Lebensform, dem Zölibat, befassen. Auf Drängen der Laien ist ein vierter Themenkorb zur Rolle der Frau in der katholischen Kirche im Gespräch.

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