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Papst Franziskus pflanzt einen Baum.

Amazonas-Synode

Franziskus und die „Öko-Theologie“

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Die Amazonas-Synode diskutiert Umweltschutz und Öffnung der Kirche. Von konservativen Kirchenmännern kommt Kritik - sie fürchten das Ende des Zölibats.

Als Papst Franziskus vor zwei Jahren beschloss, dass Bischöfe, Kardinäle und Vertreter indigener Völker in Rom über die Ökologie im Amazonasgebiet beraten sollen, konnte er kaum ahnen, wie aktuell das Thema noch werden würde. Nun beginnt am Sonntag im Vatikan die Sondersynode inmitten internationaler Spannungen wegen der verheerenden Brände am Amazonas und kurz nach den weltweiten Klimaprotesten. Brisant und umstritten ist aber vor allem ein kirchliches Thema: Es soll auch darum gehen, ob wegen des Priestermangels im riesigen und schwer zugänglichen Regenwald des Amazonas dort erstmals verheiratete Männer die Priesterweihe und Frauen neue Ämter erhalten dürfen.

Unter dem Motto „Amazonien: neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie“ beschäftigen sich die knapp 200 Teilnehmer der Synode drei Wochen lang mit den Umweltschäden und deren sozialen Folgen. Das 7,5 Millionen Quadratkilometer große Gebiet, das Länder wie Brasilien, Peru, Bolivien, Venezuela, Kolumbien umfasst, gilt als die „grüne Lunge“ des Planeten. Doch die Wälder stehen in Flammen. Allein in Brasilien wurden dieses Jahr 140 000 Brände registriert, ein Anstieg um 53 Prozent zum Vorjahr. Der rechtspopulistische Präsident Jair Bolsonaro treibt Brandrodungen voran; der Wald wird dem Bergbau, der Landwirtschaft und der Energiegewinnung geopfert. Mehrere EU-Länder drohen deshalb, das umstrittene Freihandelsabkommen mit dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur nicht zu unterzeichnen.

Schon aus dem Vorbereitungsdokument der Synode geht hervor, dass die katholische Kirche der ökologischen Ausbeutung radikal den Kampf ansagen will. Grundlage ist Franziskus’ Enzyklika „Laudato Si“, in der er die herrschende „Wegwerfkultur“ anprangerte, die Umwelt und Menschen zerstört.

Das Amazonas-Gebiet versorge die Welt mit einem Großteil des Sauerstoffs, hatte er vor wenigen Wochen in einem Interview betont. Amazonien zu entwalden, das hieße die Menschheit zu töten, warnte der Papst. Ein Schwerpunkt der Synode sollen die Auswirkungen der Zerstörung auf die rund 390 indigenen Völker des Amazonasgebiets sein. Sie seien in ihren Territorien so bedroht wie nie zuvor, beklagte der Papst. Er hat aber auch betont, dass die Synode keine „Ökologie-Konferenz“ sei. Es gehe vor allem darum, Menschen die christliche Botschaft besser zu vermitteln.

Die innerkirchlichen Franziskus-Gegner haben Front gegen die Synode gemacht. Der ehemalige Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller sprach von Öko-Theologie und Sozialromantik.

Kardinal Walter Brandmüller kritisierte die „übergriffige Einmischung in rein weltliche Angelegenheiten“ von Staaten wie Brasilien. Zudem warnte er, das Arbeitspapier der Synode sei ein Angriff auf den Glauben. Der erzkonservative US-Kardinal Raymond Burke rief gar zu einem Kreuzzug des Gebets und Fastens auf, um „Irrtum und Häresie“ bei dem Treffen in Rom zu verhindern.

Die Konservativen fürchten vor allem eines: dass die Synode das Priesteramt für verheiratete Männer öffnen könnte und damit der erste Schritt zur Abschaffung des Zölibats vollzogen wird. Denn im Arbeitspapier heißt es, es solle geprüft werden, ob in abgelegenen Urwald-Gegenden ältere, respektierte indigene Familienväter die Priesterweihe erhalten könnten. Die Zulassung von „viri probati“ – erprobten Männern – wird in der Kirche schon länger diskutiert, auch der Papst hatte sich offen dafür gezeigt. Dass die Pflicht zur Ehelosigkeit für katholische Priester ganz aufgehoben werden könnte, hat er allerdings ausgeschlossen.

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