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Emmanuel Macron will die Banlieuezonen „für die Republik zurückerobern“.

Imame

Frankreichs Kampf gegen radikale Moscheen

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Präsident Macron will keine ausländischen Imame mehr. Kritiker befürchten nun eine verstärkte Ghettobildung.

In Frankreich etabliert sich ein neuer Begriff: der vom „islamistischen Separatismus“. Er entstammt einem vielbeachteten Buch des Politologen Bernard Rougier namens „Die vom Islamismus eroberten Territorien“. Die umfangreiche Feldstudie berichtet von der Abschottung ganzer Wohnquartiere unter dem Druck salafistischer Prediger. Sie führen eigene Regeln ein – strenge Kleidersitten für Frauen, bekleidetes Duschen für Männer in Vereinen; dazu nur noch Halal-Essen in den Kantinen oder Arbeitszeiten gemäß islamischen Gebetsregeln.

Rougier verhehlt nicht: Frankreich hat die urbanistischen Voraussetzungen selber geschaffen, indem es die Immigranten aus dem Maghreb in den sechziger und siebziger Jahren in neu errichtete Zonen am Stadtrand einquartierte. Und bis heute verschließe die Nation die Augen vor diesen „Enklaven“, schreibt er.

Emmanuel Macron will diese Banlieuezonen nun „für die Republik zurückerobern“. In der elsässischen Stadt Mulhouse, die mehrere Problemviertel kennt, sagte er dem „islamistischen Separatismus“ kürzlich bei einem wohlinszenierten Auftritt den Kampf an. Unter anderem wolle sein Land ab 2024 keine ausländischen Imame mehr zulassen, führte er aus. Nur so ließen sich Hasspredigten verhindern.

Macrons Auftritt war sicher auch auf die Kommunalwahlen im März in Frankreich ausgerichtet. Die gewichtigste Kritik kommt vom neuen Rektor der Großen Moschee in Paris, Chems-Eddine Hafiz. Der gemäßigte Würdenträger leitet seit Januar den wichtigsten, 1926 gegründeten Gebetsort der gut fünf Millionen französischen Muslime. Er empfängt mit Pfefferminztee und orientalischer Gastfreundlichkeit, spricht aber politisch Klartext. Macrons Imamprojekt bezeichnet er als „unüberlegt“. Über das Ziel – die Rückweisung eines „kriegerischen Islam“ – herrsche zwar Einigkeit, meint der 65-jährige Frankoalgerier. Doch die Methode sei kontraproduktiv: „Das Verbot ausländischer Imame fördert nur die Radikalisierung gewisser Moscheen.“

Warum das? „Weil es die Falschen trifft“, meint Hafiz, der früher ein erfolgreicher Anwalt war. In Frankreich gibt es ungefähr 2500 Moscheen und andere Gebetsorte, aber nur 400 eingeschriebene Imame (700 während des Ramadan). Von den 400 stammen nur hundert aus Frankreich. „Sie haben hier keine soziale Anerkennung und keinen Status“, meint der ebenso breitschultrige wie sanftmütige Rektor. „Die jungen Islamstudenten schrecken vor einer Ausbildung zurück, die weder Zukunftsperspektiven noch soziale Sicherheit bietet.“ Daher muss Frankreich die Mehrheit der Imame „importieren“. Der frühere konservative Staatschef Nicolas Sarkozy schloss 2004 eine Übereinkunft mit Algerien – das bereits die Große Moschee von Paris unterhält – , aber auch mit Marokko und der Türkei. Das Parlament in Algier legt zum Beispiel jedes Jahr ein Budget für die Entsendung von 120 Imamen nach Frankreich fest.

„In ihrem Land haben sie einen offiziellen Beamtenstatus“, erklärt Hafiz. „Bevor sie nach Paris, Lyon und Marseille reisen, müssen sie Französisch lernen. Zudem müssen sie die französische Rechtsordnung kennen.“ Dazu gehört etwa das Verbot, eine religiöse Trauung ohne Vorhandensein einer zivilen Ehe zu schließen. Auch in ihren Predigten müssen sie die Gesetze der Republik über die der islamischen Scharia stellen.

Wenn diese staatsloyalen Imame nicht mehr zugelassen seien, könnten kleinere Moscheen und obskure Gebetsräume versucht sein, Prediger ohne amtliche Zulassung anzuheuern, glaubt Hafiz. Unter ihnen sind laut übereinstimmenden Presse- und Polizeierkenntnissen zunehmend radikale Wahabiten aus Saudi-Arabien oder Muslimbrüder aus Ägypten. Die Golfstaaten finanzieren schon heute viele französische Moscheen. Macrons Auftritt in Mulhouse fand nicht weit von dem neuen Islamzentrum Annour statt, das durch die islamistisch verbrämte Organisation „Qatar Charity“ finanziert wird.

Hafiz schätzt, dass der strenge französische Laizismus letztlich schuld an einem religionspolitischen Widerspruch sei: Frankreich wolle keine fremdbestimmten Imame und Moscheen, untersage sich aber selbst deren Finanzierung, da Kirche – oder eben Moschee – und Staat strikt getrennt seien. Schlimmer noch: „Das laizistische Nichteinmischungsprinzip fördert letztlich die Entstehung unkontrollierter salafistischer Gebetsorte.“

Was tun, statt systemkonforme Imame auszuweisen? „Frankreich muss die Grundlagen schaffen, um heimische Imame auszubilden. Zum Beispiel, indem sie ein priesterähnliches Statut erhalten“, fordert der Pariser Rektor. Das Laizismusprinzip müsse intelligent und pragmatisch gehandhabt werden, um auch die Moscheefinanzierung zu ermöglichen – sonst sei jede öffentliche Einflussmöglichkeit illusorisch. „Das setzt aber voraus, dass die Republik all ihre ‚Kinder‘ integrieren will, statt die Muslime zu stigmatisieren“, sagt Hafiz.

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