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Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ehrt Ende Septemberin Paris posthum einen französischen Soldaten, der im Einsatz in Mali getötet wurde. Foto: Ludovic MARIN / AFP.
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Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ehrt Ende Septemberin Paris posthum einen französischen Soldaten, der im Einsatz in Mali getötet wurde.

Barkhane-Operation

Frankreichs Einsatz in Mali: ein unauflösbares Dilemma

  • Stefan Brändle
    VonStefan Brändle
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Die französische Barkhane-Operation bröckelt, und damit auch Europas Ziel der Migrations- und Terrorbekämpfung. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer stellt „Konsequenzen“ in Aussicht.

Undiplomatisch ausgedrückt: Es ist Feuer im Dach. Der 28. Afrika-Frankreich-Gipfel in Montpellier wäre an sich Gelegenheit, ein paar Unstimmigkeiten über das Mittelmeer hinweg auszuräumen. Die Unstimmigkeiten sind jedoch so groß, dass der französische Präsident Emmanuel Macron erstmals darauf verzichten musste, die frankophonen Staatschefs Afrikas zu empfangen. Damit die Jahrestagung überhaupt stattfinden kann, hat Macron nun ersatzweise Unternehmerinnen, Entwicklungshelfer, Künstler und Sportlerinnen geladen.

Viele in Afrika lehnen das Traditionstreffen wegen seines „postkolonialen“ Beigeschmacks ohnehin ab. Vor allem aber herrscht derzeit offener Streit zwischen Paris und mehreren Sahel- und Sahara-Anrainern.

Einsatz in Mali: der Frust in Frankreich ist ebenso groß

Die malische Staatsführung, im August 2020 durch einen Putsch an die Macht gekommen, hat diese Woche ihren Botschafter in Paris zurückgerufen. Sie protestiert damit unter anderem gegen die Behauptung Macrons, ohne die französische Daueroperation Barkhane gegen die Dschihad-Kommandos „gäbe es gar keine malische Regierung mehr“.

Der Frust in Frankreich ist ebenso groß. Dort hat man das Gefühl, dass sich die 5000 Soldatinnen und Soldaten im Sahelgebiet seit Jahren aufopfern – kürzlich ist der 52. Elitesoldat im Wüstenkampf gefallen.

Immer wieder kommt es in Mali zu Gewalt: Am Donnerstag wurden bei einem mutmaßlich dschihadistischen Angriff im Zentrum Malis nach örtlichen Angaben mehr als ein Dutzend malische Soldaten getötet.

Vor allem Russland etabliert sich zunehmend in Mali

Das fragile Regime in der malischen Hauptstadt Bamako setzt immer offener auf andere Schutzmächte. Vor allem Russland etabliert sich zunehmend in der einst französischen Einflusszone und stellt zum Beispiel die Präsidentengarde der zentralafrikanischen Republik. In Bamako laufen Verhandlungen mit der russischen Söldnertruppe „Wagner“. Präsident Wladimir Putin tut, als ginge ihn das Engagement der Privatarmee nichts an; zugleich hat er aber letzte Woche Helikopter und Waffen nach Mali geliefert.

Putin springt gerne in die Bresche, die Frankreich in Mali zu lassen droht. Macron hatte im Juni nämlich erklärt, er werde den Barkhane-Bestand bis 2023 von 5000 auf bis zu 2500 halbieren. Das könnte Nordmali und wohl auch Bamako den vordringenden Dschihadisten ans Messer liefern. Umso herzlicher begrüßt der malische Putschoberst Assimi Goïta die Russen. Als Verteidigungsminister Sadio Camara die Helikopter aus Moskau in Empfang nahm, bezeichnete er Russland überschwänglich als „Freundesland“ (pays ami).

Zu Frankreich ist die malische Beziehung hingegen völlig zerrüttet. Bei Demonstrationen in Bamako skandieren Malierinnen und Malier „France dehors“ – Frankreich raus. Viele werfen den französischen Truppen vor, sie sicherten nicht zuletzt die Rohstoffvorkommen im Norden: Uran und Gold. Deshalb untersagten sie den malischen Einsatzkräften auch den Zutritt zu malischen Wüstenstädten wie Kidal.

Koloniale Reflexe lasten auch über dem franko-algerischen Verhältnis. In der Sahara selbst gegen Dschihadisten engagiert, ist man in Algerien erbost, dass Frankreich die Visazahl für algerische Studierende kürzlich halbiert hat. Die zweifellos wahlpolitisch motivierte Ankündigung Macrons hat bewirkt, dass Algier seinen Botschafter in Paris zurückgerufen hat. Außerdem untersagte das flächenmäßig größte Land Afrikas französischen Militärflugzeugen kürzlich den Überflug, was die Barkhane-Operation beeinträchtigt.

Macron gießt Öl ins Feuer

Macron gießt mit unbedachten Äußerungen Öl ins Feuer und gibt sich dann wieder versöhnlich. Die frankoafrikanische Webseite Mondafrique wirft dem Präsidenten in Paris eine Mischung aus „Amateurismus und Arroganz“ vor. Die europäischen Partner Frankreichs in Mali, darunter Deutschland, machen sich ernsthaft Sorgen um die Zukunft Malis, den Sahel-Schlüsselstaat in Sachen regionaler Terrorbekämpfung. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer stellt „Konsequenzen“ in Aussicht, falls Bamako russische Söldner anheure. Das kann nur bedeuten, dass die 1200 deutschen Einsatzkräfte – die nicht in der Kampfzone operieren, sondern an Ausbildungs- und UN-Missionen teilnehmen – zurückberufen oder abgebaut würden. Im Wahlkampf bestand diesbezüglich von den Grünen bis zur CDU Konsens.

Umgesetzt ist aber noch nichts. Auch Frankreich hat mit dem Abbau von Barkhane noch nicht begonnen. Denn letztlich steht Europa vor einem unauflösbaren Dilemma: Ziehen sie sich ganz oder teilweise aus Mali zurück, würde die Lage dort wohl vollends außer Kontrolle geraten, was den Terror- sowie Migrationsdruck erhöhen müsste. Die unzimperlichen „Wagner“-Söldner nähmen sich des gebeutelten Landes noch so gerne an.

In der diplomatisch wie militärisch gespannten Lage hängt deshalb vieles vom Putschregime in Bamako ab: Benutzt es das russische Engagement schlussendlich nur, um Druck auf die Westmächte auszuüben? Oder werden nach den russischen Waffen wirklich bald russische Soldaten in Mali für Ordnung sorgen? Letzteres wäre für Frankreich, das seit 2013 die Dschihad-Gefahr von Mali ferngehalten hat, eine bittere Pille. Und auch für die malische Zivilbevölkerung, die schon schwer unter Terrorismus, Klimawandel und Armut leidet. mit afp

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