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Macron nutzt Le Pen zur Abschreckung: „Gefahr des Extremismus größer als je zuvor“

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Von: Nadja Austel

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Noch kürzlich lag Emmanuel Macron in den Umfragen zur Frankreich-Wahl klar vorne. Nun holt Le Pen auf – und der Präsident muss bangen.

Paris – „Wir haben uns daran gewöhnt, Antisemiten und Rassisten im Fernsehen zu sehen“, sagte Emmanuel Macron bei seiner Wahlkampfveranstaltung in Paris am Samstag (02.04.2022). Eine zweite Amtszeit als Präsident von Frankreich schien ihm bis vor Kurzem sicher. Doch nur wenige Tage vor der ersten Wahlrunde am 10. April 2022 holt seine Hauptkonkurrentin, Marine Le Pen, auf. Nur 5 Prozentpunkte liegen sie in den Umfragewerten der Meinungsforschungsinstitute Ifop und Elabe auseinander.

Ein Grund, mit härteren Bandagen zu kämpfen. Acht Tage vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich 2022 schürte Macron bei der großen Kundgebung in der Arena de Nanterre die Angst vor einem Sieg Le Pens. Er deutete an, dass ein Triumph der Rechtsextremen in ein beunruhigendes Muster „großer globaler Unordnung“ passen würde – geopolitisch, ökologisch, gesundheitlich und wirtschaftlich. „Die Gefahr des Extremismus ist größer als je zuvor“, so Macron. Ein Zusammenbruch des nationalen und internationalen Konsenses wecke „vielleicht das Gespenst eines globalen bewaffneten Konflikts“, sagte er.

Dass die Wahl zugunsten von Le Pen ausgeht, wird allgemein für unwahrscheinlich gehalten. Es deuten weder die aktuellen Umfragewerte darauf hin, noch die Wahrscheinlichkeit, dass die tatsächlichen Werte sich stark genug von den Umfragewerten unterscheiden würden. Macrons Strategie zielt auf den kleinen Rest Unsicherheit, der trotzdem bleibt. Man müsse auf den Brexit und so viele andere Wahlen der jüngsten Vergangenheit sehen: Das, was alle für unwahrscheinlich gehalten hatten, sei eingetreten. „Deshalb sage ich Ihnen heute Abend mit allem Nachdruck: Nichts ist unmöglich“, rief Macron seinem Publikum zu.

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Der Extremismus habe deshalb so stark zugenommen, weil „Hass und alternative Fakten im gesellschaftlichen Diskurs normalisiert wurde“, so Macron weiter. Wir hätten uns daran gewöhnt, Antisemiten und Rassisten auf Plattformen im Fernsehen zu sehen. Womöglich eine wohl platzierte Übertreibung und Panikmache. Doch sein Wahlkampf benötigt aufgrund der sinkenden Werte dringend eine Auffrischung. Eine passive Wählerschaft könnten diese Worte noch rechtzeitig mobilisieren.

Eine Vorhersage für eine Wahl ist ein schwieriges Unterfangen. Obwohl die Werte von Ifop und Elabe einen Aufwärtstrend für Le Pen und sinkende Werte für Macron anzeigen, gibt es ebenso Umfragewerte, die – im großen Ganzen gesehen – Macron weiterhin als klaren Gewinner prognostizieren.

Die Rechtspopulistin und Kandidatin der Front National, Marine Le Pen, und ihr sozialliberaler Gegner Emmanuel Macron bei einer Live-TV-Debatte zur Präsidentenwahl 2017
Bereits bei der Wahl 2017 kam es zu einer Stichwahl zwischen Marine Le Pen und Emmanuel Macron. © Eric Feferberg / Afp POOL / dpa

Cornelius Hirsch, Meinungsforscher beim Nachrichtenportal Politico, weist darauf hin, dass Macrons Vorsprung vor Le Pen in der zweiten Runde seit vielen Monaten im Durchschnitt acht Prozentpunkte beträgt. Da also, wo nur noch zwischen dem amtierenden Präsidenten und der Herausforderin entschieden werden soll, bleibt der Trend stabil.

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Auch die Unterstützung für Macron ist in der ersten Runde sei nicht eingebrochen, im Gegenteil: Acht Monate oder länger habe der Präsident konstant bei 23 bis 24 Prozent gelegen. Nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs sei er in der Politico-Umfrage auf 30 Prozent gestiegen. Macron sei nun zwar auf 27 bis 28 Prozent zurückgefallen, liege damit aber immer noch weit über seinen Werten vor dem Ukraine-Krieg und komfortabel vor Le Pen.

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Eine Verschiebung habe es dagegen innerhalb der extremen Rechten gegeben. Le Pen und Éric Zemmour teilten sich seit acht Monaten 32 Prozent der Stimmen. In den letzten vier Wochen sei Le Pen jedoch auf 20 bis 22 Prozent gestiegen und Zemmour auf 10 Prozent oder darunter gefallen. Es ist zudem damit zu rechnen, dass die Unterstützung seiner Anhänger in der zweiten Wahlrunde größtenteils auf sie übergehen wird.

In der Ipsos-Umfrage gaben 50 Prozent der Befragten an, dass sie niemals für Le Pen stimmen würden. Die entsprechende Zahl für Macron liegt bei 38,5 Prozent. Es dürfte für Le Pen schwierig werden, eine Stichwahl zu gewinnen, wenn die Hälfte der Wähler sich bereits absolut gegen sie ausgesprochen hat. (na)

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