Terror

Terror und Attacken in Frankreich: Der ständige Kampf mit der Angst

  • Stefan Brändle
    vonStefan Brändle
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Ein Griechisch-orthodoxer Priester wurde vor einer Kirche lebensgefährlich verletzt.

  • Frankreich erlebt ein schweres Wochenende nach drei Attentaten.
  • Die Umstände der Anschläge sind nach wie vor nicht geklärt.
  • Frankreich Präsident Emmanuel Macron versucht zu beschwichtigen.

Paris - Der Regen war nicht allein schuld, dass Frankreich ein bleiernes Wochenende erlebt hat. Unsicherheit und Angst prägen die Stimmung nach drei Attentaten im Zuge der umstrittenen Mohammed-Cartoons des Satiremagazins „Charlie Hebdo“. Wobei die Unsicherheit vielleicht größer ist als die Angst. Immer wieder werden Gewalttaten gemeldet, doch oft ist unklar, ob sie Teil der jüngsten Terrorserie sind, der ein Geschichtslehrer und am Donnerstag drei Kirchgänger zum Opfer fielen.

Polizei und Militär am Tatort.

Am Samstag wurde in Lyon der griechische Pfarrer einer orthodoxen Kirche durch zwei Schüsse schwer verletzt. Die Regierung schickte sogleich Militär zum Tatort, die Polizei begann derweil, nach einem Unbekannten „mediterranen Typs“ zu fahnden – im Pressemitteilungs-Jargon der Polizei steht das meist für „Muslim“. Nach einer Verhaftung hieß es dann aus Justizkreisen, der Priester sei seit Jahren von einem Angehörigen der griechischen Gemeinde verfolgt worden. War es also kein islamistisches Attentat?

Terror in Frankreich: Viele Fragen bleiben offen

In Frankreich bleiben dieser Tage viele Meldungen ungeklärt im Raum stehen. Eine Stunde nach dem Anschlag auf die Kirche in Nizza streckten Polizisten in Avignon einen Angreifer nieder. Später war die Rede von einem psychiatrischen Fall, von einem rechtsextremen Motiv. Bestätigt ist bis dato nichts.

Am gleichen Morgen wurde in Lyon ein Afghane festgenommen, als er in der Rue Victor Hugo mit einem langen Messer an einer Tramhaltestelle auftauchte. Mittlerweile heißt es, der „leicht verstörte“ Mann habe erklärt, er habe mit seinem Messer nur Lebensmittel portionieren wollen. Vor allem Schokolade.

Terror in Paris: Nervöser Mann mit düsterem Blick

In erklärter Terrorabsicht war am Samstag ein 20-jährige „Radikalisierter“ – so der behördliche Ausdruck für Islamisten – in Paris unterwegs. Er hatte seinen Eltern am Telefon angekündigt, er werde gleich ein Attentat verüben, woraufhin sein Vater die Polizei alarmierte. Sie verhaftete den „nervösen Mann mit düsterem Blick“, wie das Massenblatt „Le Parisien“ meldete und dazu das Bild eines langen Messers, offenbar aus dem Rucksack des Verhafteten, zeigte. Der Bürgermeister des 13. Arrondissements sagte, dank der beherzten Reaktion des Vaters sei „das Schlimmste verhütet“ worden. Die Polizei schwieg.

In Nizza gelangt man langsam zur Einsicht, dass der angebliche Einzeltäter Brahim I. wohl Komplizen hatte. Sonntag saßen schon sechs Personen in Untersuchungshaft. Der Attentäter, ein 21-jähriger, erst am Vorabend eingereister Tunesier, liegt immer noch schwer verletzt im Hospital. Bekannt wurde nun ein Video, in dem der tunesische Salafist Bechir Ben Hassen – der in seinem Land seit Jahren nicht mehr predigen darf – zur Ermordung aller Franzosen aufruft, die den Propheten Mohammed beleidigten.

Nch dem Mord an Samuel Paty: „Wut, Verständnislosigkeit und Trauer“

Die Stadt Nizza gedachte mit Unmengen an Kerzen und Kränzen der drei Mordopfer. Dagegen gab die Regierung den Plan einer Debattierstunde für den enthaupteten Geschichtslehrer Samuel Paty an allen Schulen des Landes auf. Bildungsminister Jean-Michel Blanquer begründete das mit der Coronagefahr; man solle nur noch eine Schweigeminute einhalten. Die Lehrergewerkschaft Snes-FSU äußerte „Wut, Verständnislosigkeit und Trauer“ über den Verzicht der Regierung. Nach den Anschlägen von 2015 gegen „Charlie Hebdo“ war aber schon die damalige Schweigeminute in etlichen Banlieue-Schulen gestört worden. Derweil gehen in muslimischen Ländern wie Pakistan, Bangladesh und Mali die Proteste gegen jüngst von den „Charlie“-Satirikern wiederveröffentlichten Mohammed-Cartoons unvermindert weiter.

Frankreich Präsident Emmanuel Macron versuchte die Wogen am Samstag zu glätten mit einem Interview für das arabische Medienportal „Al-Dschasira“. „Ich verstehe, dass man durch Karikaturen schockiert sein kann“, erklärte er. „Aber ich werde nie akzeptieren, dass man damit die Gewalt rechtfertigt.“

Rubriklistenbild: © AFP

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