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Frankreich: Rechtsradikaler Kandidat nennt Stadt „Afghanistan zwei Stunden von Paris“

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Vor den Präsidentschaftswahlen in Frankreich bringen sich die Rechten in Stellung und überschlagen sich mit rechter Rhetorik.

Paris - Am 10. und 24. April wird in Frankreich der nächste Präsident oder die nächste Präsidentin gewählt. Auch in Frankreich als rechts bzw. rechtsextrem geltende Politiker machen sich für den Wahlkampf warm: Marine Le Pen und ihr Konkurrent Eric Zemmour haben sich gut zwei Monate vor den französischen Präsidentschaftswahlen ein Fernduell geliefert.

Die beiden Anwärter:innen auf das Amt des Staatschefs traten am Wochenende im Norden von Frankreich jeweils vor Tausenden Anhängern auf. Dabei schworen sie sich mit radikalen Aussagen auf die entscheidende Phase des Wahlkampfs in Frankreich ein. Die kurz aufeinander folgenden Reden wurden in französischen Medien als erstes mehr oder weniger direktes Kräftemessen der beiden Kandidat:innen gewertet. Lange Zeit war Le Pen, die Vorsitzende des Rassemblement National (RN), das bekannte Gesicht des rechten Lagers gewesen und galt als dessen einzige ernstzunehmende Anwärterin auf das höchste Staatsamt. In Frankreich droht der Streit im rechten Lager vor der Präsidentschaftswahl weiter offen auszubrechen – der Auslöser ist eine Überläuferin aus der Le-Pen-Dynastie: Die 32-jährige Nichte von Marine Le Pen „überlegt“ sich nach eigenen Worten, sich Zemmour anzuschließen und damit ihrer Familie den Rücken zu kehren.

Der wegen Rassismus und Volksverhetzung verurteilte Kandidat für die Präsidentschaftswahl in Frankreich: Eric Zemmour.
Der wegen Rassismus und Volksverhetzung verurteilte Kandidat für die Präsidentschaftswahl in Frankreich: Eric Zemmour. © JULIEN DE ROSA/afp

Frankreich droht Rechtsruck: Le Pen und Zemmour bringen sich Präsidentschaftswahl in Stellung

Seit Verkündung seiner Kandidatur im November bringt der mehrfach wegen rassistischer Äußerungen verurteilte Publizist Zemmour Le Pen in Bedrängnis. Er spricht mit noch radikalerer Rhetorik ähnliche Themen an und buhlt um dieselben Wählerschichten. Zudem warb er schon mehrere Köpfe ihrer Partei Rassemblement National ab und lag in einer Umfrage zuletzt gleichauf mit Le Pen. In seiner Rede am Samstag wetterte Zemmour in Lille gegen den angeblich von Frankreich finanzierten „großen Bevölkerungsaustausch“ mit einer massiven Islamisierung des Landes. Als Beispiel nannte Zemmour die nordfranzösische Stadt Roubaix, die er als ein „Afghanistan zwei Stunden entfernt von Paris“ bezeichnete.

Frankreichla République française
HauptstadtParis
PräsidentEmmanuel Macron
Einwohner67,39 Millionen (2020)

Minutiös rechnete er vor, wie viel öffentliches Geld für Ausländer fließe, das dann wiederum für dringend benötigte neue Gefängnisplätze fehle. Als Präsident werde er Sozialleistungen für Ausländer abschaffen, nur noch wenigen Dutzend Menschen pro Jahr Asyl gewähren und die Abgabenlast für Franzosen senken. In Lille protestierten nach Angaben der Präfektur rund 1100 Menschen gegen den Auftritt Zemmours.

Wegen Rassismus verurteilter Zemmour nennt nordfranzösische Stadt „Afghanistan zwei Stunden von Paris“

Le Pen, die bereits zum dritten Mal für das Präsidentenamt kandidiert, schlug in ihrer Rede ähnliche Töne an. Sie wolle die Franzosen vor einer „Einwanderungs-Überflutung“ beschützen. Präsident Emmanuel Macron habe das Land finanziell heruntergewirtschaftet, zur Spaltung der Gesellschaft beigetragen und sei arrogant und deprimierend. Zemmour erwähnte sie nicht. Am Sonntag ging das Treffen im Reims nicht-öffentlich weiter.

Eine Umfrage sah Zemmour am Samstag für den ersten Wahlgang gleichauf mit Le Pen bei 14 Prozent der Stimmen, knapp hinter der Konservativen Valérie Pécresse (16,5 Prozent) und weit hinter Amtsinhaber Macron (24 Prozent), dessen Kandidatur als sicher gilt, auch wenn er sie noch nicht offiziell verkündet hat. Erreicht im ersten Wahlgang wie üblich keiner der Präsidentschaftsanwärter die nötige absolute Mehrheit der Stimmen, ziehen die beiden erfolgreichsten Kandidaten zwei Wochen später in eine Stichwahl ein. (dpa, afp, df)

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