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Rassistischer Vorfall erschüttert Frankreichs Parlament – Präsidentin unterbricht Sitzung

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Von: Moritz Serif

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Der Saal der Französischen Nationalversammlung
Eine Sitzung im Saal der französischen Nationalversammlung. (Symbolfoto) © IMAGO/Julien Mattia / Le Pictorium

Ein rassistischer Zwischenfall sorgt im französischen Parlament für große Empörung. Die Sitzung muss unterbrochen werden.

Paris – Es ist während einer Parlamentssitzung geschehen: Ein Rassismus-Vorfall erschüttert Frankreich. Präsident Emmanuel Macron reagierte bereits schockiert auf eine als rassistisch eingeschätzte Äußerung eines Politikers der rechtspopulistischen Partei Rassemblement National (RN). Die Äußerung fiel gegenüber einem schwarzen Abgeordneten. Der Präsident sei „erschüttert“ über diese sowohl im Plenarsaal als auch außerhalb „inakzeptablen“ Worte, hieß es aus dem Umfeld Macrons.

Der Zwischenfall ereignete sich, als der Abgeordnete Carlos Martens Bilongo von der linkspopulistischen Partei La France Insoumise (LFI) während der Sitzung über das „Drama der illegalen Einwanderung“ sprach. Der RN-Abgeordnete Grégoire de Fournas sagte: „Qu‘il retourne en Afrique“, also in etwa „Soll er doch nach Afrika zurückkehren“.

Frankreich: Rassismus-Vorfall im Parlament – Präsidentin unterbricht Sitzung

Das räumte der Parlamentarier vor der Presse ein. Allerdings gab de Fournas an, mit „er“ das derzeit im Mittelmeer befindliche Rettungsboot einer Hilfsorganisation gemeint zu haben.

Der Vorfall schlug hohe Wellen: Nach einigen Minuten der Verwirrung beendete die Präsidentin der Nationalversammlung die Sitzung „angesichts der Schwere der Ereignisse“. Eine solche Unterbrechung ist äußerst selten. Carlos Martens Bilongo erklärte, die RN-Abgeordneten „verdrehen die Worte, um das durch nichts zu Rechtfertigende zu rechtfertigen“. Er sei „dermaßen traurig“, so auf seine Hautfarbe verwiesen zu werden.

Premierministerin Borne: „Rassismus hat keinen Platz in unserer Demokratie“

Auch Premierministerin Elisabeth Borne äußerte sich erschüttert. „Der Rassismus hat keinen Platz in unserer Demokratie“, erklärte Borne. LFI-Chef Jean-Luc Mélenchon verlangte im Onlinedienst Twitter de Fournas‘ Ausschluss aus dem Parlament.

Dessen Partei stellte sich hinter den Abgeordneten. „Die von unseren politischen Gegnern geschaffene Polemik ist primitiv und wird die Franzosen nicht täuschen“, erklärte RN-Chefin Marine Le Pen auf Twitter. De Fournas selbst schrieb dem betroffenen Abgeordneten, seine Äußerung sei missverstanden worden und er bedauere es, „wenn Sie sich dadurch verletzt gefühlt haben“. (mse/AFP)

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