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Präsidentschaftswahlen

Frankreich: Anne Hidalgo begehrt gegen Macron auf

  • Stefan Brändle
    VonStefan Brändle
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Frankreichs Politik ist Männersache – die Präsidentschaftswahl 2022 könnte damit aufräumen.

Paris - „La France“ ist wie auch Nationalfigur Marianne weiblich – geführt wird Frankreich hingegen von Männern. So war es unter Königen und Kaisern, und auch die Fünfte Republik seit 1958 ist eine Abfolge von Landesvätern – von Charles de Gaulle bis Emmanuel Macron. Nur zwei Frauen drangen jemals in die präsidiale Stichwahl vor, die Sozialistin Ségolène Royal 2007 und die Rechtspopulistin Marine Le Pen 2017. Beide scheiterten klar.

2022 könnte aber „das“ Präsidentschaftswahljahr der Frauen werden. Am Sonntag (12.09.2021) hat die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo ihre Kandidatur erklärt. Die 62-jährige Sozialistin ist ein politisches Schwergewicht und tritt mit dem Anspruch an, die Linke hinter sich zu vereinen – das ist auch deren einzige Chance auf einen Sieg. In den Umfragen kommt Hidalgo erst auf acht Prozent, doch das rührt auch daher, dass sie bisher kaum über Paris hinaus gewirkt hat.

Anne Hidalgo: Hartnäckige Verfechterin rot-grüner Verkehrs- und Migrationspolitik

Deshalb kündigte sie ihre Kandidatur bewusst fern der Hauptstadt an, im normannischen Rouen. Die gebürtige Spanierin, die als Dreijährige mit ihren republikanisch gesinnten Eltern vor Franco aus Andalusien nach Paris flüchtete, ist eine hartnäckige Verfechterin rot-grüner Verkehrs- und Migrationspolitik. Ihre jüngste – unangefochtene – Wahl ins Hôtel de Ville 2020 lief denn auch unter dem Motto „Paris, feministische Hauptstadt“.

Frankreichs Sozialistische Partei marschiert wieder – Anne Hidalgo (M.) vorneweg.

Hidalgos Widersacher wie der Sozialist Arnaud Montebourg und der Kommunist Fabien Roussel werden sich kaum halten können, falls ihre Kandidatur landesweit Anklang findet. Nur der Linksaußen Jean-Luc Mélenchon hat bereits klargemacht, dass er nicht weichen wird.

Präsidentschaftswahl 2022 in Frankreich: Auch Le Pen bezeichnet sich als „Feministin“

Die Grünen halten derzeit eine Urwahl ab. Die Lage dort ähnelt der bei der deutschen Schwesterpartei: Am populärsten ist ein Mann, Yannick Jadot, doch die in den internen Umfragen Zweitplatzierte, die Ökonomin Sandrine Rousseau, könnte letztlich das Rennen machen. Sie thematisiert Gewalt gegen Frauen, nachdem sie sich im Zuge von MeToo# selber als Opfer des Grünen-Abgeordneten Denis Baupin outete. Sie gibt sich deutlich radikaler als Hidalgo und findet es gibt zu viele rationale Ingenieure und zu wenige Hexen.

Auch Le Pen – die am Sonntag die Leitung ihres „Rassemblement National“ an Vize Jordan Bardella abtrat, um sich auf die Wahlkampagne konzentrieren zu können – bezeichnet sich ausdrücklich als „Feministin“. Das brachte ihr von der konservativen Präsidentschaftskandidatin Valérie Pécresse die giftige Bemerkung ein: „Wenn Marine Le Pen nicht Chef-Tochter gewesen wäre, wäre sie nie Parteichefin geworden. Das ist nicht Feminismus, sondern Nepotismus.“

Präsidentschaftskandidatin Valérie Pécresse: Einige „gläserne Decken“ gesprengt

Pécresse steht der Großregion Paris vor und gilt als liberal – so scheut sie sich nicht, der Sozialistin Royal Komplimente zu machen, weil diese 2007 die „gläserne Decke“ ihrer Partei gesprengt habe. Pécresse müsste das in ihrer eigenen Bewegung „Les Républicains“ erst noch beweisen. Mit Xavier Bertrand und Michel Barnier hat sie ambitionierte interne Kontrahenten. Und in der Wahl selbst müsste sie sich gegen die telegenen Platzhirsche Macron und Mélenchon schlagen.

Nach jetzigem Umfragestand würden Macron und Le Pen wie vor fünf Jahren mit jeweils gut 20 Prozent in die Stichwahl gehen, die der Amtsinhaber für sich behaupten dürfte. Hidalgo, Rousseau und Pécresse können das nur verhindern, wenn sie baldmöglichst ins Rampenlicht drängen. Möglich wäre das, denn laut einer Umfrage hat Frankreich keine Lust auf die Wiederholung der Konstellation von 2017.

Also könnte 2017 dann vielleicht doch die letzte „Männerwahl“ Frankreichs gewesen sein. Dafür stehen nicht nur die Kandidatinnen ein – auch Konservative wie Bertrand wahren Geschlechterparität und haben sich „Frauenpolitik“ auf die Fahnen geschrieben. So hat Macron gerade Verhütungsmittel für Frauen bis 25 unentgeltlich gemacht. Weitere Lockangebote speziell an die französischen Wählerinnen dürften bald schon folgen. (Stefan Brändle)

Rubriklistenbild: © Thomas Samson/AFP

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