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Streit über Burkini im Schwimmbad spaltet Frankreich vor der Parlamentswahl

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Von: Karolin Schäfer

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In Frankreich ist vor der Parlamentswahl die Burkini-Debatte erneut entfacht. In der französischen Stadt Grenoble soll es neue Regeln zur Badebekleidung geben.

Grenoble – Burkinis polarisieren aktuell vor allem in der südöstlichen, französischen Großstadt Grenoble. Die Stadt will am Montag (16. Mai) über neue Vorschriften zur Badebekleidung in Schwimmbädern beraten. Dabei steht vor allem der sogenannte Burkini, ein Ganzkörperbadeanzug, im Fokus.

Bürgermeister Éric Piolle (Europe Écologie-Les Verts) hat damit eine seit Jahren diskutierte Debatte in Frankreich wieder aufleben lassen. Er will Frauen selbst entscheiden lassen, was sie im Schwimmbad tragen wollen. „Unser Wunsch ist es, absurde Beschränkungen abzuschaffen“, sagte Piolle gegenüber dem Sender France24. „Dazu gehört, dass nackte Brüste und Badeanzüge, die zusätzliche Bedeckung zum Sonnenschutz oder aus Glaubensgründen bieten, erlaubt sind. Es geht nicht darum, speziell für oder gegen den Burkini Stellung zu beziehen.“

Frankreich: Burkini entzweit das Landt – Bürgermeister für lockere Regeln im Schwimmbad

Wenn der Bürgermeister von Grenoble entscheiden dürfte, wäre im Schwimmbad oben ohne genauso erlaubt, wie die Bedeckung des gesamten Körpers. „Eigentlich ist es uns egal, ob es ein körperbedeckender Badeanzug ist zum Schutz vor der Sonne oder aus religiösen Gründen, das geht uns nichts an“, betonte er gegenüber der Zeitung Le Figaro.

Grenoble
StaatFrankreich
RegionAuvergne-Rhône-Alpes
Zahl der Einwohner:innen158.198 (Stand 2019)

Kritiker:innen des Burkinis sprechen dagegen von einer schleichenden Islamisierung. Sollten die Baderegeln gelockert werden, kündigte Präfekt Laurent Prévost am Sonntagabend (15. Mai) gerichtliche Schritte an. Um eine Aussetzung der entsprechenden Regel zu bewirken, würde er auf Anweisung von Innenminister Gérald Darmanin vor das Verwaltungsgericht ziehen, berichtete die Deutsche Presse-Agentur.

Debatte um Burkini in Frankreich: Lager sind gespalten

Einige Burkini-Gegnerinnen und Gegner unterzeichneten zudem eine Petition, um die Abstimmung über neue Baderegeln im Rathaus in Grenoble zu verhindern. „Eine Änderung der Baderegeln würde Forderungen eines politischen Islams erfüllen, das heißt einer totalitären und radikalen Ideologie“, hieß es.

Frauen am Strand von Tel Aviv. In Frankreich spaltet die Debatte über Burkinis in Schwimmbäder die Lager. (Symbolbild)
Frauen am Strand von Tel Aviv. In Frankreich spaltet die Debatte über Burkinis in Schwimmbäder die Lager. (Symbolfoto) © Abir Sultan/dpa

In der neuen Badeordnung, die der französischen Tageszeitung Le Parisien vorliegt, wird der Burkini überhaupt nicht genannt. Stattdessen soll der Begriff „Badeanzug“ durch „Badekleidung“, ersetzt werden. Zudem entfällt dem Entwurf zufolge die Begrenzung der Badekleidung, die höchstens von den Knien bis zum Nacken reichen darf.

Kleidung, die bereits vor dem Schwimmbad-Besuch getragen wurde und als unhygienisch gilt, soll weiterhin verboten bleiben. Darunter fällt etwa die locker sitzende Badehose für Männer. Vorgesehen ist stattdessen eng anliegende Badekleidung, die aus einem explizit dafür vorgesehenen Stoff hergestellt wurde.

Frankreich: Streit über Burkini seit 2016

Strenge Vorschriften zur Kleiderordnung in Bädern sind in Frankreich nicht unüblich. Bereits im Sommer 2016 gab es dazu heftige Diskussionen. In einigen Regionen wurde das Tragen von Burkinis verboten, etwa an der Côte d‘Azur. Diese erklärte der Staatsrat allerdings für rechtswidrig. Um den Ganzkörperanzug von Stränden und Schwimmbädern dennoch zu verbannen, berufen sich Kommunen seitdem auf das Argument der Hygiene und Sicherheit. Immer wieder demonstrierten muslimische Aktivist:innen für das Tragen des Ganzkörperanzugs.

„Die einzigen Frauen, die von den Stränden ausgeschlossen sind, sind verschleierte Musliminnen“, erklärte Soziologin Hanane Karimi an der Universität Straßburg gegenüber France24. Das sei „eine Trennung aufgrund religiöser Überzeugungen. Sie schafft identitätsstiftende Grenzen und stärkt den rassistischen Diskurs.“ 

Vor Parlamentswahl in Wahl: Bröckelt der Laizismus?

Im Mittelpunkt der Burkini-Debatte steht der Laizismus, der eine strikte Trennung zwischen Staat und Religion impliziert. Der Umgang mit religiösen Symbolen in der Öffentlichkeit sorgt immer wieder für Kontroversen in Frankreich, vor allem im Zusammenhang mit dem Islam. So verbietet der französische Fußballverband Spielerinnen das Tragen eines Hijabs (Bedeckung des Kopfes).

Fest steht, die neuen Badevorschriften sorgen kurz vor der Parlamentswahl am 12. Juni für heikle Diskussionen. Vor dem Gemeinderatsgebäude von Grenoble werden Proteste erwartet, für oder gegen den Burkini. Währenddessen ist sich Bürgermeister Piolle auf Twitter sicher: „In Grenoble werden wir eine Änderung der Schwimmbad-Ordnung vorschlagen, um einen gleichberechtigten Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen und die Freiheit, sich an- und auszuziehen, unter Berücksichtigung von Hygiene und Sicherheit zu gewährleisten.“ (kas/dpa)

Im April gewann Emmanuel Macron die Präsidentschaftswahlen in Frankreich. Sein Strategiewechsel zahlte sich offenbar aus.

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