Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Präsidentschaftswahl 2022

Rechtspopulisten in Frankreich: Die Maskerade der Marine Le Pen

  • VonMirko Schmid
    schließen

Marine Le Pen versucht, sich und ihrer Partei einen gemäßigt-bürgerlichen Anstrich zu geben. Selbst Muslime umwirbt sie öffentlich. Doch ganz kommt sie nicht aus ihrer Haut.

Paris - Marine Le Pen gilt nicht gerade als in der politischen Mitte angesiedelt. Wie ihr Vater, Parteigründer Jean-Marie Le Pen, lässt sie sich seit vielen Jahren kaum eine Gelegenheit entgehen, Stimmung gegen Eingewanderte, Muslime und humanitäre Ideale zu machen. Pünktlich zum Vorwahlkampf um die Präsidentschaft versucht die Partei-Matriarchin in zweiter Generation nun, sich und ihrer von „Front National“ (Nationale Front) in „Rassemblement National“ (Nationale Sammlungsbewegung) umbenannten Partei einen weniger radikalen Anstrich zu geben.

Marine Le Pen: Die Rechtspopulistin gibt sich bürgerlich, ihre Chancen auf die Präsidentschaft steigen.

Ein erstes Mittel zum Zweck ist Le Pens plötzliche Nahbarkeit. War die Politikerin lange als unterkühlte und wenig greifbare Person bekannt, posiert sie nun auf Instagram mit ihren Katzen. Sie nennt das „ihre Rüstung ablegen“. Bisher kommt sie damit gut an in Frankreich, die Umfragewerte zeigen nach oben, ein Kopf an Kopf geführtes Rennen mit Amtsinhaber Emmanuel Macron in rund einem Jahr erscheint möglich.

Marine Le Pen präsentiert sich gemäßigt - die Präsidentschaftschancen der Nationalistin steigen

Doch um Macron, selbst Anführer einer Sammelbewegung außerhalb der zuvor dominanten Sozialisten respektive Republikaner, zu schlagen, ist Marine Le Pen in einer möglichen Stichwahl auf Leihstimmen angewiesen. Diese braucht sie bestenfalls von überall her - von enttäuschten Konservativen und Sozialisten, von desillusionierten Macron-Fans und vor allem aus der gesellschaftlichen Mitte der französischen Gesellschaft.

Und diese Mitte ist traditionell kritisch eingestellt gegenüber radikalen Ansichten. Im Jahr 2002 schloss sich das bürgerliche Frankreich zusammen und gründete die „republikanische Front“. Konkret kam es für viele überraschend zur Stichwahl zwischen dem damaligen konservativen Präsidenten Jacques Chirac und dem Nationalisten Jean-Marie Le Pen, der sozialistische Herausforderer Lionel Jospin war im ersten Wahlgang nur auf dem dritten Platz gelandet.

Um Frankreich nicht den Rechtspopulisten zu überlassen, versammelte sich die Wählerschaft aller im ersten Wahlgang unterlegenen Kandidaten hinter Chirac, der mit 82,21 Prozent einen historischen Wahlsieg einfuhr. Will Marine Le Pen Präsidentin werden, muss sie den traditionellen Schulterschluss der demokratischen Kräfte brechen. In die Karten spielt ihr dabei eine allgemein gewordene Missgunst vieler Menschen in Frankreich. Diese wollen zwar nicht zwingend eine Präsidentin Le Pen, bevor sie Macron ihre Stimme geben, gehen sie aber lieber gar nicht zur Wahl. Diese Nichtwähler:innen könnten das Rennen 2022 durch ihre Abstinenz entscheiden.

Um Präsidentin zu werden, vermeidet Marine Le Pen Angriffsfläche

Marine Le Pen weiß das. Und so versucht sie nun, möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten, um die leise brodelnde Gruppe derjenigen, die sich von der Politik abgewandt haben, nicht doch noch gegen sich aufzubringen und Emmanuel Macron als das deutlich kleinere Übel erscheinen zu lassen. Und so versucht die Rechtspopulistin nun den Spagat. Auf der einen Seite wirbt sie sogar um Muslime - und zwar um jene, die „bereits assimiliert sind“. Gleichzeitig schreibt sie auf Facebook: „Wir müssen zur Vernunft zurückkehren: unsere Polizei unterstützen, Illegale vertreiben, Islamismus ausrotten. Das sind dringende Maßnahmen, die umgesetzt werden müssen!“

NameEmmanuel Jean-Michel Frédéric Macron Marine Le Pen
PositionPräsident FrankreichParteivorsitzende
ParteiLa République en MarcheRassemblement National
Alter43 Jahre (21. Dezember 1977)52 Jahre (5. August 1968)

Auf der einen Seite hat sie ihre Partei nach außen erneuert und ihren Vater Jean-Marie Le Pen abserviert, nachdem der sich zuvor mit geschichtsrevisionistischen Thesen über die Zeit des Zweiten Weltkrieges (der Holocaust nur ein „Detail der Geschichte“) unmöglich gemacht hatte. Auf der anderen Seite lässt sich Le Pen schmerzbefreit von Glatzen in Springerstiefeln bejubeln - öffentlich auf Parteiveranstaltungen ihrer „Sammlungsbewegung“.

Gut ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich scheint Le Pen Erfolg zu haben mit ihrem Doppelspiel. Der Widerstand gegen eine Kandidatin der Ultrarechten war wohl nie so gering in der Geschichte des Landes, das durch Corona und die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie heftig gebeutelt wurde und noch immer wird. Die Frage wird sein, ob es Le Pen auch in der heißen Phase des Wahlkampfes gelingen wird, ihre zu großen Teilen rechtsextrem denkende Stammwählerschaft bei Stange zu halten und gleichzeitig genug Kreide zu schlucken, um jenseits des rechten Randes wählbar zu sein. (Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © Alexis Sciard via www.imago-images.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare