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Frankreich fliegt Luftangriffe gegen IS

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Rafale-Kampfjets.
Rafale-Kampfjets. © dpa

Frankreich startet erste Luftangriffe gegen die Terrormiliz Islamischer Staat: Jets zerstören im Nordirak ein Versorgungsdepot der Extremisten. Sechs Bundeswehrsoldaten sind auf dem Weg nach Erbil.

Frankreich hat als zweiter Staat nach den USA mit Luftangriffen auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak begonnen. Rafale-Kampfflugzeuge zerstörten am Freitag nach Angaben des Elyséepalastes ein Versorgungsdepot der Dschihadisten im Norden des Landes. Im benachbarten Syrien nahmen die IS-Extremisten an der Grenze zur Türkei zugleich drei weitere vor allem von Kurden bewohnte Dörfer ein.

Mit mehrstündiger Verzögerung wegen des Defektes einer Transportmaschine flogen am Freitag auch die ersten Waffenausbilder der Bundeswehr in den Nordirak. Ein Ersatzflugzeug bringt das Team aus sechs Fallschirmjägern und einem Sanitäter nach Erbil, die Hauptstadt der kurdischen Autonomiegebiete. Die Soldaten sollen Kämpfern der kurdischen Peschmerga-Armee erklären, wie deutsche Pistolen, Maschinengewehre oder Panzerfäuste funktionieren.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) versprach dem Irak weitere Unterstützung im Kampf gegen die Terrormiliz. Deutschland werde mit seinen internationalen Partnern weiterhin «eng an der Seite des Irak» stehen, sagte Merkel nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert in einem Telefonat mit Ministerpräsident Haidar al-Abadi.

Frankreich will in den nächsten Tagen weitere Einsätze gegen IS-Stellungen im Irak fliegen. Das Parlament werde in der kommenden Woche informiert, erklärte der Elyséepalast. Frankreich hat Kampfflugzeuge auf dem Militärstützpunkt Al-Dhafra in den Vereinigten Arabischen Emiraten stationiert.

Tausende flüchten in Richtung Türkei

Präsident François Hollande hatte am Donnerstag angekündigt, sein Land werde die USA bei Luftangriffen auf IS-Stellungen im Irak unterstützen. Bodentruppen und eine Intervention in Syrien schloss der französische Staatschef und oberste Befehlshaber aus.

Bei US-Luftangriffen auf Extremisten nahe der nordirakischen Stadt Mossul kamen am Freitag laut Augenzeugen mindestens 22 IS-Kämpfer ums Leben. Die 400 Kilometer nördlich von Bagdad gelegene Stadt ist eine Hochburg der Terrormiliz. Die USA und Frankreich unterstützen mit ihren Luftangriffen im Nordirak eine Offensive kurdischer Einheiten. Diese konnten in den vergangenen Wochen den strategisch wichtigen Mossul-Staudamm und mehrere Orte zurückerobern.

Die Extremisten beherrschen im Irak und in Syrien rund ein Drittel der Fläche beider Länder. Dort haben sie ein «Islamisches Kalifat» ausgerufen. Die Terrormiliz geht in Gebieten unter ihrer Kontrolle brutal gegen Gegner und Andersgläubige vor. Immer wieder gibt es Berichte über öffentliche Tötungen und Entführungen.

Die drei vom IS im Norden Syriens eroberten Dörfer liegen westlich der Stadt Ain al-Arab (Kurdisch: Kobane) in einer Enklave, die bisher von kurdischen Volksschutzeinheiten kontrolliert wurde. Diese stehen der kurdischen Arbeiterpartei PKK nahe. Bereits am Donnerstag hatte die Terrormiliz 21 Dörfer rund um Ain al-Arab eingenommen.

Aus Angst vor IS-Gräueltaten flüchteten Tausende Menschen in Richtung Türkei. Nach Tumulten an der Grenze erlaubte Ankara zahlreichen Flüchtlingen die Einreise. Frauen, Kinder und Männer passierten zu Fuß mit wenigen Habseligkeiten die Grenze in der Region Suruc. Zuvor war auf Fernsehbildern zu sehen, wie türkische Sicherheitskräfte Tränengas und Wasserwerfer einsetzten.

Um die Terrormiliz auch in Syrien zu vernichten, wollen die USA gemäßigte syrische Rebellen ausrüsten und trainieren. Nach dem Abgeordnetenhaus in Washington gab auch der Senat dafür am Donnerstag grünes Licht. Die Trainingsmission des Militärs wird nach Angaben von Verteidigungsminister Chuck Hagel pro Jahr 500 Millionen Dollar (387 Millionen Euro) kosten. Damit könnten jährlich 5000 oppositionelle Kräfte ausgebildet und bewaffnet werden.

US-Präsident Barack Obama hatte zudem in der vergangenen Woche angekündigt, die US-Luftangriffe auch auf Syrien auszudehnen. Die moderaten Rebellen kämpfen in Syrien zugleich gegen den IS und gegen die Truppen des Regimes von Präsident Baschar al-Assad. (dpa)

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