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Präsidentschaftswahl

Frankreich: Wie Rechtsaußen Zemmour Marine LePen noch helfen könnte

  • Stefan Brändle
    VonStefan Brändle
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Frankreichs Rechtsaußen will Präsident werden. Die Linke versucht, den Anschluss zu wahren.

Paris - Noch am Wochenende hatte er einer Passantin in Marseille den Stinkefinger gezeigt. Am Dienstag gab sich Eric Zemmour feierlich und präsidial: In einem antiquierten Dekor, das an Charles de Gaulle erinnerte, verkündete er seine Kandidatur für das höchste Amt im Staat. „Es geht nicht mehr darum, Frankreich zu reformieren, sondern zu retten“, erklärte er dramatisch. Zu einem Video, das Frauen in Kopftüchern und Männer mit dunkler Hautfarbe in überfüllten Metrozügen zeigt, sagte er, die Franzosen seien „Fremde im eigenen Land“ und die Mehrheit werde von den Minderheiten „unterdrückt“. Sein Wahlprogramm wird er erst später formulieren.

Die Ankündigung erfolgte reichlich überhastet, um seine sehr unsouveräne Reaktion auf die – gleichermaßen obszöne – Geste einer Gegnerin vergessen zu machen. Viele Stimmen sprechen dem bissig-aggressiven Journalisten, so eloquent er auch spricht, seither die Fähigkeit ab, die Funktion eines Staatschefs auszuüben. Das schlägt sich in den Umfragen bereits nieder: Nach seinem fulminanten Aufstieg stagniert Zemmour bei 15 Prozent, während die Rechtsradikale Marine Le Pen auf 19 Prozent zulegt und Präsident Emmanuel Macron auf 25.

Präsidentenwahl in Frankreich: Zemmour will ins bürgerliche Lager einbrechen

Zemmours Kandidaturerklärung gleicht daher fast einer Flucht nach vorne. Zugleich bemüht er sich nach Kräften, seinen Gegenspieler:innen vor dem Licht zu stehen. Am Dienstagabend ließ sich der 63-jährige Polemiker vom größten Fernsehsender TF1 in die Haupttagesschau einladen – während die konservativen Republikaner gerade auf dem Nachbarsender France 2 zu ihrem entscheidenden TV-Streitgespräch antraten. Nicht genug damit: Am kommenden Sonntag, wenn die „Républicains“ ihren Spitzenkandidaten oder ihre -kandidatin bestimmen, will Zemmour in Paris sein erstes Wahlmeeting abhalten.

Tritt die Flucht nach vorne an: Präsidentschaftskandidat Eric Zemmour.

Allein mit dieser Terminwahl macht der Tribun klar: Er will nicht nur Rechtsextremisten, Immigrationsgegner:innen und andere „Trumpisten“ für sich gewinnen, sondern auch in das bürgerliche Lager einbrechen. Die fünf Republikaner-Kandidaten haben seinen Antiimmigrationsdiskurs allerdings schon zu großen Teilen übernommen. So nicht nur die Favorit:innen Xavier Bertrand und Valérie Pécresse, sondern auch der Sozialgaullist Michel Barnier: Der ehemalige Brexit-Chefunterhändler schlägt nun ein fünfjähriges „Einwanderungsmoratorium“ vor.

Obschon Zemmour die ganze Präsidentschaftskampagne prägt, scheint derzeit fraglich, ob er im kommenden April in die Stichwahl einziehen dürfte.

Präsidentenwahl in Frankreich: Emmanuel Macron in den Umfragen vorne

Derzeit liegt er klar hinter den Platzhirschen Macron und Le Pen. Momentan stellt sich eher die Frage, ob Zemmours Kandidatur seiner politischen „Nachbarin“ Le Pen schaden wird. Was arithmetisch naheliegt, ist politisch gar nicht so sicher: Wenn es der Rechtspopulistin gelingt, sich als salonfähige „Softversion“ von Zemmours Hasstiraden abzugrenzen, könnte sie sogar profitieren. In den Umfragen für den zweiten Wahlgang werden ihr gegen Macron – hohe – 46 Prozent der Stimmen gutgeschrieben. Das macht einen Sieg zumindest möglich – dank des Sekundanten Zemmour?

Macron führt zwar sämtliche Meinungsumfragen relativ bequem an. Doch der amtierende Präsident bleibt unpopulär. Davon zeugt auch der aktuelle Erfolg des Buchs „Der Verrat und das Nichts“, in dem zwei „Le-Monde“-Journalisten Macron als skrupellos und inhaltsleer hinstellen. Der Präsident dürfte seine Wiederkandidatur erst im Februar bekannt machen. Er sammelt aber schon jetzt seine Truppen. Am Montagabend haben seine Anhänger:innen in Paris eine Union der diversen Zentrums- und Mitteparteien unter Anführung der Macron-Partei „La République en marche“ gebildet. Mit von der Partie ist in diesem „gemeinsamen Haus“ auch der bürgerliche Ex-Premier Édouard Philippe. Der Überläufer aus der Partei der Republikaner soll dem Staatschef namentlich in den nächsten Parlamentswahlen die Stimmen der gemäßigten Rechten zuführen, damit die Macronisten in der Nationalversammlung weiterhin über eine Regierungsmehrheit verfügen.

Präsidentenwahl in Frankreich: Die Linke liegt weit zurück

Während die Wahlkampagne klar nach rechts tendiert, versucht die Linke den Anschluss zu wahren. Selbst ihre Spitzenkandidat:innen liegen in den Umfragen weit zurück. Trotzdem graben sie sich noch gegenseitig das Wasser ab. Aus Verzweiflung über diese Selbstzerfleischung organisiert ein linkes Bürgerkollektiv von sich aus nun eine Volksurabstimmung. Nicht weniger als 200 000 Interessierte haben sich eingeschrieben, um Druck für eine linke Einheitskandidatur zu machen.

In der Nacht auf Mittwoch soll bekannt werden, welcher der zehn Namen sich durchsetzen wird: Der Linke Jean-Luc Mélenchon mit Prognosen von neun Prozent, der Grüne Yannick Jadot mit acht Prozent oder die Sozialistin Anne Hidalgo mit vier Prozent. Dass sich die Verlierer:innen zurückziehen, scheint indes undenkbar. Die Mitorganisatorin Charlotte Marchandise sagte, sie sei sich bewusst, dass die Primärwahl nicht stärker wirken würde als ein „Mückenstich“. Dabei seien die 200.000 „Wähler“ zahlreicher als die Mitglieder aller anvisierten Parteien. (Stefan Brändle)

Rubriklistenbild: © dpa

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