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Ismaël Emelien ist Mitbegründer von „En Marche!“ und war Sonderberater von Präsident Emmanuel Macron.

Frankreich

Macron verliert seinen Chefberater

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Ismaël Emelien gilt als „Gehirn“ des Präsidenten – nun tritt er unter Vorwänden zurück.

Drei Männer, so heißt es aus gut eingeweihten Kreisen in Paris, regieren Frankreich: Präsident Emmanuel Macron, der Generalsekretär des Élysée-Palastes, Alexis Kohler, sowie Sonderberater Ismaël Emelien. Mit nur 31 Jahren gilt Emelien als einflussreichster Stratege Macrons, manche nennen ihn sogar sein „Gehirn“ – so wortkarg er auftreten mag und so unscheinbar er auch wirkt. Doch seine Meinung bedeutet dem Präsidenten viel.

„Zwischen uns ist es einfach. Ich schlage vor, er entscheidet, ich führe es aus“, sagt der treu Ergebene selbst über das Verhältnis zu seinem Chef. Emelien gehört zum engsten Kreis um Macron, jener jungen, selbstbewussten Elite, die das Land nach ihren Vorstellungen modernisieren will. Schon in Macrons Zeit als Wirtschaftsminister arbeitete er für ihn als Strategie- und Kommunikationsberater und unterstützte ihn beim Aufbau seiner Bewegung „En marche!“ und der siegreichen Wahlkampagne. Ausgerechnet diese Schlüsselfigur im Élysée-Palast hat nun angekündigt, bis Anfang April seinen Posten zu verlassen und folgt damit mehreren wichtigen Beratern, die in den vergangenen Wochen gingen. 

Offiziell begründete Emelien seine Entscheidung mit seiner „persönlichen Ethik“, da demnächst ein Buch über politische Fortschrittlichkeit erscheine, das er gemeinsam mit einem Kollegen verfasst habe, der ebenfalls im Élysée-Palast kündigte. Buchveröffentlichungen seien den dortigen Beratern untersagt, wird erklärt.

Als eigentliche Ursache für Emeliens Abgang gilt allerdings seine Verwicklung in den Skandal um Macrons Ex-Sicherheitsmann Alexandre Benalla, der dem Präsidenten seit Sommer massiv schadet. Zwar wurde Benalla entlassen, nachdem bekannt geworden war, dass er am Rande einer Kundgebung Demonstranten geschlagen hatte. Doch inzwischen ermittelt die Justiz, da er seitdem weiter mit diplomatischen Pässen reiste, von denen er einen mittels eines gefälschten Dokuments erhalten haben soll. Auch knüpfte er Kontakte mit afrikanischen Mittelsmännern, die sich auf diese Weise wohl Einfluss in Paris versprachen, sowie mit russischen Oligarchen. 

Längst ging der Élysée-Palast auf Abstand zu Benalla. Doch Emelien wird verdächtigt, ihm im Sommer Aufnahmen aus der Videoüberwachung von den Schlägerszenen bei der Demonstration zugänglich gemacht haben, die ein Polizist illegalerweise herausgegeben hatte. 

Der Öffentlichkeit in Frankreich war Emelien bislang kaum bekannt. Der Sohn eines Ingenieurs und einer Krankenschwester näherte sich nach dem Besuch der Elitehochschule Sciences Po dem früheren Wirtschaftsprofessor Dominique Strauss-Kahn an, der später Chef des Internationalen Währungsfonds und Hoffnung der französischen Sozialisten wurde, bevor das Bekanntwerden seiner sexuellen Straftaten seine politische Karriere beendete. Dessen politische Position ähnelte jener Macrons: sozialdemokratisch-reformerisch. Fortschrittlich würde Emelien sie wohl nennen – wenn er sich denn öffentlich äußerte.

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