Ausgangssperre aufgehoben

Frankreich: Auch nach dem Corona-Lockdown bleibt die Angst

  • Stefan Brändle
    vonStefan Brändle
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Frankreich hat die zweimonatige Ausgangssperre aufgehoben. Zu dem erwarteten Rush an die Arbeit kam es nicht: Viele Franzosen blieben aus Vorsicht zu Hause.

  • Frankreich hebt Ausgangssperre aufgrund der Corona-Pandemie* auf
  • Statt Andrang herrscht weiterhin Vorsicht
  • Franzosen arbeiten auch nach Ende des Lockdowns von zu Hause

Der Champagner blieb in der Flasche. Auch wenn die Menschen in Frankreich am Montag erstmals seit 55 Tagen wieder ohne Auflagen auf die Straße gehen konnten, hielt sich die Freude in engen Grenzen. Das Ende des Lockdowns, das Präsident Macron schon vor Wochen auf den 11. Mai angesetzt hatte, fiel zum Schluss nur sehr beschränkt aus. Mit rund 26.000 Coronatoten ist Frankreich eines der am stärksten betroffenen Länder.

Die Schulen nehmen den Betrieb wieder auf, doch nur ein Viertel der Klassen kehrt effektiv zurück. Und auch nur, wenn die Eltern einverstanden sind: Erstmals überhaupt ist der Grundschulunterricht in Frankreich freiwillig. Nach der Rückkehr der Lehrer am Montag werden am Dienstag 1,5 Millionen Schüler von vier bis neun Jahre erwartet. 

Corona-Krise in Frankreich: Viele Franzosen arbeiten offenbar weiterhin im Homeoffice

Die französische Bahn und die Pariser Metro nahmen am Montag ebenfalls wieder einen - stark eingeschränkten - Betrieb auf. Die Passagiere waren nicht sehr zahlreich; nur in wenigen Zügen kam es pannenbedingt zu einem Gedränge. Spitzenzeiten sind ausdrücklich für Erwerbstätige reserviert. Auch sind in den Verkehrsbetrieben nun Schutzmasken obligatorisch. Sie verbargen am Montag besorgte, ängstliche Gesichter in der Pariser Metro. Wer konnte, hielt den Sicherheitsabstand ein. Von der anfänglichen Disziplinlosigkeit des Monats März war nichts mehr zu spüren.

Ganz offensichtlich wichen die Arbeitspendler auch nicht ihr Auto oder die neuen, improvisierten Radspuren aus. Die üblichen Verkehrsstaus um Paris blieben aus. Viele Franzosen arbeiten offenbar weiter aus dem Homeoffice.

Zahl der Corona-Toten und Intensivpatienten in Frankreich zurückgegangen 

Auch an ihre Adresse meinte Gesundheitsminister Olivier Véran am Montag: „Wir werden weiter mit dem Virus leben müssen.“ Und er warnte: „Neue Ausgangssperren sind nicht auszuschließen, wenn das Virus seine verrückte Laufbahn fortsetzt.“ Allein am Wochenende bildeten sich in Frankreich drei neue „Cluster“, wie man auch auf Französisch die Gruppenansteckungen nennt.

Die Zahl der Coronatoten und der Intensivpatienten ist zwar landesweit am Zurückgehen. Doch die tastenden Lockerungsmaßnahmen zeugen von der Vorsicht der Behörden. Wer sich weiter als 100 Kilometer um sein Domizil bewegt, braucht weiter einen Passagierschein. Familientreffen sind nur mit weniger als zehn Personen erlaubt. Restaurants und Kinos bleiben zu; nur kleine Museen öffnen ihre Pforten bereits wieder.

Kirchen und Friedhöfe gehen auf, aber nicht für Messen oder größere Beerdigungen. Heiraten bleiben bis auf weiteres aufgeschoben. Strände werden von den Behörden nur „von Fall zu Fall“ geöffnet, und Stadtparks auch nur in den so genannten grünen Zonen. Im „roten“ Gebiet - derzeit Paris und der Nordosten des Landes - gelten noch mehr Restriktionen.

Ärmere Bewohner in Frankreich können sich Maske zum Schutz vor Corona nicht leisten

In der Hauptstadt zeigte sich auch, dass sich ärmere Bewohner nicht einmal den Standardpreis von 0.95 Euro für eine einfache Schutzmaske leisten können: Als ein westafrikanischer Stoffhändler am Wochenende 600 Gratismasken verteilen wollte, kam es zu einem so starken Auflauf, dass die Polizei die Operation mit dem Gewehr im Anschlag stoppen musste.

Läden, Einzelgeschäfte und kleinere Einkaufszentren konnten am Montag in Frankreich hingegen wieder die Arbeit aufnehmen. Wie ungeduldig sie auf diesen Tag gewartet hatten, bewiesen einzelne Coiffeure: Sie öffneten ihr Geschäft am Montag schon um 00.01 Uhr und arbeiteten dann die ganze Nacht durch.

Von Stefan Brändle

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