Corona-Pandemie in Frankreich

Bars und Restaurants müssen schließen: Landesweiter Lockdown in Frankreich

  • vonMirko Schmid
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In Frankreich werden mehr als 21.600 mit dem Coronavirus Infizierte in Krankenhäusern behandelt. Jetzt gilt wieder ein landesweiter Lockdown.

  • In Frankreich steigt die Zahl der Corona-Patienten, die auf der Intensivstation behandelt werden müssen, deutlich an.
  • Frankreich zählt inzwischen mehr als 36.000 Todesfälle nach Infektionen mit dem Coronavirus.
  • Nun ist ein landesweiter Lockdown in Kraft getreten.

Update von Freitag, 30.10.2020, 07.15 Uhr: In Frankreich hat sich die Zahl der Corona-Toten nach offiziellen Angaben auf mehr als 36.000 erhöht. 250 weitere Menschen seien in den vergangenen 24 Stunden an den Folgen der Viruserkrankung Covid-19 gestorben, teilten die Gesundheitsbehörden in Paris mit. Die Zahl der Corona-Patienten, die auf der Intensivstation behandelt werden müssen, stieg den Angaben zufolge auf 3147 - ein Plus von 395 im Vergleich zum Vortag. Insgesamt werden derzeit mehr als 21.600 mit dem Coronavirus Infizierte in französischen Krankenhäusern behandelt.

In der Nacht zum Freitag trat in Frankreich erneut ein landesweiter Lockdown in Kraft. Die Maßnahme gilt seit Mitternacht; bis zum 1. Dezember müssen Restaurants, Bars und alle nicht unentbehrlichen Geschäfte schließen. Die Franzosen dürfen ihre Häuser nur noch aus zwingenden Gründen verlassen, etwa um zur Arbeit oder zum Arzt zu gehen. Private Treffen sollen auf die Kernfamilie beschränkt blieben.

Gesundheitsminister Olivier Véran sagte im Sender France-Info, die Regierung in Frankreich habe mit „allen Mitteln“ versucht, einen erneuten Lockdown zu vermeiden. Doch sei ihr angesichts der derzeitigen „europäischen Welle“ nichts anderes mehr übrig geblieben.

Um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen, gelten in Frankreich wieder weitreichende Ausgangsbeschränkungen.

Update von Mittwoch, 28.10.2020, 20.52 Uhr: Emmanuel Macron macht Ernst. Ab Freitag macht Frankreich dicht, der zweite Lockdown kommt. In seiner mit Spannung erwarteten Fernsehansprache kündigte Frankreichs Präsident jetzt tiefe Einschnitte in das öffentliche Leben der Französinnen und Franzosen aufgrund von Corona an. Zwar seien die Maßnahmen „weniger streng“ als im Frühjahr - so bleiben unter anderem Schulen geöffnet - dennoch soll die Bevölkerung des größten Flächenlandes Europas „so weit wie möglich zu Hause bleiben“, sagte Macron.

Und Macrons Worten folgen sichtbare Konsequenzen - und ein Lockdown. Bars und Restaurants in Frankreich müssen bis zunächst zum 1. Dezember komplett dicht machen. Grund dafür sei, dass Frankreich „von der Beschleunigung der Corona-Pandemie überrollt“ werde. Der Präsident der „Grande Nation“ ließ keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Lage und schwor seine Bevölkerung darauf ein, dass nur Zusammenhalt und Disziplin dafür sorgen könnten, dass die Lage nicht außer Kontrolle gerate. Zuvor hatten die Krankenhäuser bereits Alarm geschlagen und angekündigt, dass die Belastungsgrenzen in schon zwei Wochen erreicht sein könnten.

Erstmeldung von Mittwoch, 28.10.2020, 17.55 Uhr: Paris/Frankreich - Präsident Emmanuel Macron plant nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP einen neuerlichen landesweiten Lockdown in Frankreich. Zu schnell sei die Zahl an Neuinfektionen mit Corona gestiegen, zu wenig kontrollierbar ohne harte Einschnitte ins öffentliche Leben der „Grande Nation“.

Präsident Emmanuel Marcon plant neuen landesweiten Lockdown für Frankreich

Steigende Neuinfektionen mit Corona: Präsident Macron will neuen Lockdown für Frankreich verkünden

Am Mittwochabend (28.10.2020) will Staatspräsident Macron im Fernsehen verkünden, worauf sich die Einwohner im größten Flächenland Europas einstellen müssen, um die Verbreitung des Coronavirus in den Griff zu bekommen. Als wahrscheinlich gilt nach zweitägigen Beratungen des Krisenstabs in Frankreich zunächst ein vierwöchiger Lockdown. Französische Medien berichten unter Berufung auf Regierungskreise, dass es jedoch mehr Ausnahmen geben solle, als im Rahmen des ersten Lockdowns, der im Frühjahr nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie in Frankreich verhängt worden war.

Wichtige Wirtschaftszweige, der öffentliche Dienst und Schulen bis zur Mittelstufe sollen wohl trotz des nahenden Lockdowns geöffnet bleiben. Die französische Börse reagierte umgehend und gab zeitweise um mehr als drei Prozent nach. Vor der Ankündigung des neuerlichen Lockdowns zur Eindämmung der Corona-Pandemie war in Frankreich bereits von einer Rezession von zehn Prozent und Steuereinbußen von rund 70 Milliarden Euro ausgegangen worden.

Der neue Lockdown in Frankreich ist nötig, weil die Krankenhäuser mit neuen Corona-Fällen überlastet sind

In den letzten Tagen bereits getroffene Corona-Maßnahmen wie eine Ausgangsbeschränkung zwischen 21 und 6 Uhr, die vor zehn Tagen in Frankreich in Kraft getreten war, zeigten nicht die erwünschte Wirkung. Die Maßnahmen hatten 46 Millionen Franzosen und Französinnen betroffen - mehr als zwei Drittel der französischen Bevölkerung.

Der neue Lockdown in Frankreich wird in aller erster Linie damit begründet, dass die Krankenhäuser an die Grenzen ihrer Belastbarkeit kommen. Ohne weitere Maßnahmen seien die Intensivstationen in zwei Wochen überlastet, heißt es aus Kreisen eines Krisentreffes von Premierminister Jean Castex mit den Sozialpartnern in Frankreich. Frédéric Valletoux, Chef des Verbandes französischer Krankenhäuser, warnte vor „verheerenden“ Folgen, sollte die zweite Corona-Welle nicht gestoppt werden. Der wissenschaftliche Corona-Beirat der französischen Regierung rechnet damit, dass die zweite Corona-Welle deutlich heftiger ausfallen wird als die erste Welle im Frühjahr.

Bereits im Frühjahr wurde ein Lockdown wegen Corona in Frankreich nötig

Bereits zwischen dem 17. März und dem 11. Mai galt für knapp acht Wochen eine strikte Ausgangssperre in Frankreich. Die anschließenden Lockerungen seien jedoch zu schnell erfolgt und waren zu umfassen, kritisieren Experten. So gilt beispielsweise erst seit Ende Juli eine Maskenpflicht für geschlossene Räume.in Frankreich. Zudem missachteten viele Menschen während der Sommerferien die gebotenen Abstandsregeln, sodass die Infektionszahlen mit dem Coronavirus bereits im August wieder deutlich anstiegen. (Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © dpa/Lewis Joly

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