Corona-Pandemie

Sommerurlaub und Corona: Frankreich droht zweite Welle - Behörden widersprechen

  • Delia Friess
    vonDelia Friess
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In Spanien und Deutschland wird bereits von einer zweiten Corona-Welle gesprochen. Frankreichs Behörden dementieren das.

  • Sommerurlaub 2020: Auch in Frankreich geht die Angst vor einer zweiten Welle um.
  • Frankreich verzeichnet einen starken Anstieg mit dem Coronavirus - erste Strände wurden gesperrt.
  • Der französische Gesundheitsminister äußerte sich zu einer zweiten Corona-Welle in Frankreich.

Paris - Frankreich war eines der europäischen Länder, das am stärksten von der Corona-Krise betroffen war. Die Lage schien sich langsam zu entspannen. Auf der Website des Auswärtigen Amtes heißt es, dass Frankreich nur noch wenig von COVID-19 betroffen sei. Aber nach alarmierenden Infektionszahlen in Nordspanien geht auch in Frankreich die Angst vor einer zweiten Welle um. Auch wurden Strände bereits geschlossen. Zuletzt wurden über 700 Neuinfektionen an einem Tag registriert, wie das französische Gesundheitsministerium auf seiner Website bekannt gibt. Damit stieg die Zahl auf rund 180.000 bestätigte Corona-Fälle. Trotzdem mehren sich Berichte in französischen Medien von überfüllten Stränden und feiernden Jugendlichen. Wie real ist die Angst vor einer zweiten Corona-Welle in Frankreich?

Corona-Krise in Frankreich: Urlaub 2020 trotz neuer Infektionsherde?

Das französische Gesundheitsministerium veröffentlichte während der Corona-Krise eine Karte, auf der die Départements eingezeichnet sind, und Farben den kritischen bis weniger kritischen Zustand der Départements markieren. Mittlerweile sind alle Départements (außer die Übersee-Departements) mit der Farbe Grün gekennzeichnet, die eine Entspannung signalisiert. Ob aber von Entspannung wirklich die Rede sein kann, ist zu bezweifeln, denn in Frankreich gibt es immer wieder Départements, die die kritische Marke überschreiten.

Besonders die Regionen an der Grenze zu Spanien, Straßburg, Paris, der Nordwesten Frankreichs und die Bretagne, sind von neuen Corona-Infektionen betroffen. Erst vor einer Woche zählte Frankreich 120 Infektionsherde, die untersucht werden, so ein Bericht einer Generaldirektion des Gesundheitsministeriums. Das sind zehn neue Infektionsherde mehr innerhalb der vergangenen 24 Stunden und 23 Infektionsherde mehr innerhalb der vergangenen acht Tage, berichtet die französische Zeitung Le Parisien.

Strand in Frankreich im Juli 2020

Corona in Frankreich: Französischer Gesundheitsminister bestreitet zweite Corona-Welle in Frankreich

Trotz des zuletzt starken Anstiegs von Neuinfektionen, wollen die Behörden in Frankreich nicht von einer zweiten Welle sprechen: „Es gibt keine zweite Welle des Coronavirus“, sagte der französische Gesundheitsminister Olivier Véran am Mittwoch (29.07.2020) im französischen Fernsehen. Es gäbe einige „Alarmsignale“, aber „wir testen sehr viel mehr“, ergänzte der Gesundheitsminister.

Sommerurlaub 2020 in Frankreich: Angst vor Infektionsrisiko in der Bretagne

Zuletzt berichteten französische Medien nicht nur von Infektionsherden, sondern auch von Party machenden jungen Leuten und überfüllten Stränden, wie ein Video von einem überfüllten Strand in Marseille beweisen soll. Insbesondere in Westfrankreich, in der Bretagne, waren vermehrt neue Fälle von COVID-19 aufgetreten. Besonders Quiberon in dem Département Morbihan ist von neuen Corona-Fällen betroffen: Dort haben sich an einem Abend 50 Menschen in einer Diskothek angesteckt. Momentan infizierten sich vor allem junge Menschen und wiesen atypische Symptome auf, sagte der französische Gesundheitsminister Olivier Véran.

Der Präfekt der Hafenstadt, Patrice Faure, will jetzt weitere Infektionen mit dem Coronavirus durch lokale Maßnahmen verhindern: Am Abend dürfen die Strände in Morbihan nicht mehr betreten werden. „Wir werden Vorsichtsmaßnahmen treffen und Sicherheitspersonal und Polizei mobilisieren, um an die Abstandsregeln zu erinnern.“ Es sei extrem unangebracht zu feiern wie im Jahr 2019. „Der Sommer ist nicht der gleiche.“, sagte Faure dem französischen Fernsehsender Europe 1.

LandFrankreich
HauptstadtParis
RegierungssystemPräsidial-parlamentarische Demokratie
StaatsoberhauptEmmanuel Macron
Fläche543.965 Quadratkilometer

In Quiberon wurden bereits Strände geschlossen, auch Parks und Gärten, dürfen nach 21 Uhr nicht mehr betreten werden, berichtet der Deutschlandfunk. Frankreich hat bereits Erfahrungen im Kontrollieren von Stränden. Nach den Terroranschlägen in Frankreich 2015 wurden bereits viele Strände von Sicherheitskräften bewacht.

Sommer in Frankreich: Urlauber in Sorge

Auch im Süden Frankreichs sind die meisten Franzosen diesen Sommer zuhause geblieben und verzichteten auf eine Fernreise, berichtet Le Parisien. Deshalb seien die Innenstädte und Strände dort wieder voll. Bei über 30 Grad zieht es viele Menschen ans Wasser, an die Strände in der Umgebung. Wie Spanien leidet auch Südfrankreich unter dem Wegbleiben der Einnahmen aus der Tourismusbranche. Deshalb startete der Bürgermeister von Cannes eine Offensive: Er setzt auf Freiluft-Events und erlaubte kostenloses Parken bis zum 30. Juni in Cannes. Ob das unbeschwerte Urlauben trotz Sicherheitsmaßnahmen wirklich so unbedenklich ist, bleibt aber weiter fragwürdig.

Corona-Neuinfektionen: Diese Maßnahmen trifft die französische Regierung

Um weitere Infektionen mit dem Coronavirus zu verhindern, werden an Pariser Flughäfen nun verpflichtende Tests eingeführt, die 16 Länder betreffen. Der neue Premierminister Jean Castex riet Franzosen zudem davon ab, nach Katalonien zu reisen. In Nordspanien waren die Infektionsherde in den letzten Wochen wieder stark gestiegen. Auch die Maskenpflicht wurde ab dem 20. Juli 2020 noch einmal verschärft: Masken müssen nun überall in geschlossenen öffentlichen Räumen getragen werden, statt nur zuvor in Bus und Bahn. In La Rochelle muss in der Innenstadt nun zusätzlich ein Mund-Nasen-Schutz auch in der Innenstadt und am Hafen getragen werden. (Delia Friess)

Corona auf Mallorca: Spanien steht vor zweiter Welle - Familie aus Cottbus positiv getestet

Rubriklistenbild: © Daniel / dpa

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