Frankreich

Paris mahnt Regierung in Washington zu Umsicht

sha PARIS, 12. September. Die französische Regierung hat den USA erneut ihre Solidarität wegen der Anschläge in New York und Washington zugesichert. Gleichzeitig mahnte Paris Zurückhaltung an. Verteidigungsminister Alain Richard sagte am Mittwoch im Rundfunk, sein Land rechne mit einem Vergeltungsschlag der USA. Frankreich gehe aber davon aus, dass die Entscheidung mit Umsicht getroffen werde: "Jeder, der ein solches Amt auszufüllen hat, muss daran denken, was nach einem solchen Schlag kommt." Vergeltung habe nur dann einen Sinn, wenn sie abschreckend wirke. Noch sei nicht geklärt, wer hinter den Anschlägen stecke, betonte Richard.

Staatspräsident Jacques Chirac erklärte laut Elysée-Palast nach einer Sitzung des Ministerrates: "Im Namen des Rates übermittelt der Präsident der Republik dem amerikanischen Volk sein Beileid und seine Solidarität in diesem dramatischen Unglück." Ministerpräsident Lionel Jospin sprach dem "so schwer getroffenen amerikanischen Volk" ebenfalls sein Mitgefühl aus, wie Regierungssprecher Jean-Jack Queyranne Agenturen zufolge mitteilte. Alle Schritte zur inneren Sicherheit würden in enger Abstimmung mit den europäischen Partnern Frankreichs getroffen, sagte Jospin demnach. Er habe, ebenso wie Chirac, bereits tags zuvor mit Bundeskanzler Gerhard Schröder und dem britischen Premier Tony Blair telefoniert.

Der sozialistische Regierungschef hatte noch am Dienstag den so genannten Plan Vigipirate in Kraft gesetzt, der die öffentlichen Einrichtungen in Frankreich schützen soll. Verstärkt von Fallschirmjägern, bewachen seit Mittwoch etwa 6000 Sicherheitskräfte den Großraum Paris, wie das Innenministerium mitteilte. Dazu zählen neben Polizisten 600 Soldaten und 1300 Gendarmen, die ebenfalls dem Verteidigungsministerium unterstehen. Sie beobachten die Flughäfen, die Bahnhöfe für den überregionalen Zugverkehr sowie Stationen der Vorortbahn RER. Jeweils in Dreiergruppen patrouillieren die Sicherheitskräfte auch in der Metro. Bis zum Abend sollten alle Papierkörbe aus den Bahnhöfen und Metro-Stationen entfernt werden. Touristen, die den Eiffelturm besteigen wollen, müssen ihre Taschen vorzeigen. Auch das Terminal des Eurotunnels sowie strategisch wichtige Punkte wie Atomkraftwerke werden überwacht.

Die französische Luftwaffe wurde in Alarmbereitschaft versetzt. Laut Verteidigungsministerium sind zehn Jagdbomber vom Typ Mirage 2000 bereit, innerhalb von zwei Minuten aufzusteigen, sollten im französischen Luftraum verdächtige Bewegungen registriert werden.

FR vom 13.09.01

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