Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Corona-Homeschooling

Schule und Corona: Kinder und Jugendliche haben im Distanzunterricht so wenig gelernt wie in den Ferien

  • Peter Hanack
    VonPeter Hanack
    schließen

Frankfurter Forschende haben die Folgen der Corona-bedingten Schulschließungen bewertet. Vor allem Jüngere und Kinder aus sozial schwachen Familien haben Probleme.

Frankfurt – Ein Team aus drei Forschern und einer Forscherin der Johann Wolfgang Goethe-Universität hat Studien zu den Folgen der Schulschließungen in Folge der Corona-Pandemie gesichtet und ausgewertet. Die Ergebnisse sind erschreckend: Demnach hat das Homeschooling bei vielen Kindern und Jugendlichen keinen Lernfortschritt gebracht, sondern im Gegenteil die Entwicklung der Kompetenzen stillstehen lassen oder sogar zu einem Rückgang geführt.

Andreas Frey lehrt an der Frankfurter Goethe-Universität Pädagogische Psychologie und hat an der Auswertung mitgearbeitet. Er sagt: „Die durchschnittliche Kompetenzentwicklung während der Schulschließungen im Frühjahr 2020 ist als Stagnation mit Tendenz zu Kompetenzeinbußen zu bezeichnen.“ Damit, so Frey, liege der Effekt „im Bereich von Sommerferien“ – also einer Zeit, in der es überhaupt keinen Unterricht an den Schulen gibt.

Frankfurter Studie: Klarer Beweis für negative Auswirkungen durch Corona-Homeschooling

Im Blick hatten die Wissenschaftler:innen vor allem die Schulschließungen im Frühjahr 2020. Distanzunterricht mittels E-Mail, Telefon oder Videokonferenz sollte damals von jetzt auf gleich die Anwesenheit in der Schule ersetzen – mit einem mehr als mäßigen Erfolg. Laut Metastudie der Goethe-Universität in Frankfurt gibt es einen „klaren Beweis“ für die negativen Auswirkungen der coronabedingten Schulschließungen auf die Lernfortschritte der Schülerinnen und Schüler.

Wer zu Hause wenig Hilfe bekommt, lernt im Homeschooling schlechter als andere.

„Alarmierend“ nennen es die Forschenden, das offenbar vor allem jüngere Kinder unter dem Ausfall des Präsenzunterrichts gelitten hätten. Auch seien Kinder aus sozioökonomisch schwachen Familien stärker von den negativen Folgen betroffen gewesen als Kinder aus wirtschaftlich und sozial stärkeren Familien. Ohnehin schwache Kinder und Jugendliche hätten die größten Einbußen in Mathematik zu verzeichnen, während bei starken Schülern und Schülerinnen vor allem die Lesefähigkeiten gelitten hätten.

Homeschooling in Frankfurt: Corona kann Schere zwischen Arm und Reich weiter öffnen

Insgesamt sei festzustellen, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich während der ersten coronabedingten Schulschließungen noch weiter geöffnet habe, folgert Frey. Die vier Frankfurter Forscher:innen haben ihre Studie gemeinsam mit dem Center für Educational Mesurement der Universität Oslo (Norwegen) erstellt.

Berücksichtigt worden sind dafür laut Frey ausschließlich „forschungsmethodisch hochwertige Publikationen, die eindeutige Rückschlüsse auf die Wirkung coronabedingter Schulschließungen auf den Kompetenzerwerb von Schülerinnen und Schülern erlauben und geeignete Tests zur Leistungs- oder Kompetenzmessung einsetzten“. Es handele sich dabei um die erste systematische Übersicht der weltweiten Studien zu dem Thema.

Herbst besser als Frühjahr: Homeschooling hat sich während Corona verbessert, auch in Frankfurt

Die Schulschließungen im Winter 2020/2021 sind nicht in vollem Umfang in die Auswertung der Studien eingeflossen. Dennoch zeichnen die Forscher:innen mit Blick darauf ein nicht ganz so vernichtendes Bild: Es gebe immerhin erste Anhaltspunkte dafür, „dass die Effekte der späteren Schulschließungen nicht zwangsläufig ebenso drastisch ausfallen müssen“, heißt es in der Studie. Ein Grund dafür sei, dass sich die Online-Lehre und damit auch der Distanzunterricht im Homeschooling zwischenzeitlich vielerorts verbessert habe.

Das von Svenja Hammerstein, Christoph König, Thomas Dreisörner und Andreas Frey an der Goethe-Universität erarbeiteten Auswertungsergebnisse stehen auch online zur Verfügung. Die Studie wurde im Projekt „Coronabedingte Bildungsbenachteiligungen erkennen und verringern“ angefertigt und von der Beisheim Stiftung und dem Goethe Corona-Fonds gefördert. (Peter Hanack)

Rubriklistenbild: © Robert Poorten/imago-images.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare