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Chrupalla spricht von Anschlag: Staatsanwaltschaft korrigiert Meldung über Einstichverletzung

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Der AfD-Vorsitzende Tino Chrupalla bekräftigte erneut Opfer eines Anschlags geworden zu sein. Die Staatsanwaltschaft aber zweifelt an der Darstellung.

Update vom 11. Oktober, 16.40 Uhr: Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt hat am Mittwochnachmittag eine Stellungnahme zum Fall Tino Chrupalla herausgegeben. Darin korrigierte sie eine Pressemitteilung von letzter Woche, wonach nur „eine oberflächliche Rötung bzw. Schwellung“ beim AfD-Vorsitzenden festgestellt worden sei. Weiter bestätigte die Staatsanwaltschaft drei Grundaussagen, die Chrupalla bei einem Pressetermin am Mittwochvormittag getätigt hatte: Es hat eine Einstichverletzung gegeben. Diese Verletzung war im Arztbericht Teil der Diagnose, nicht der Anamnese. Und sie hat Blut auf Tino Chrupallas Kleidung hinterlassen.

Die Ermittlungen dauern weiter an. Man identifiziere und vernehme weitere Zeugen und sichte Beweismaterial, um herauszufinden, wie die „Einstichverletzung“ zustande gekommen sei. Chrupalla hatte am Vormittag von dem Vorfall am vergangenen Mittwoch berichtet und die Ergebnisse einer weiteren pathologischen Untersuchung in Dresden präsentiert. Der AfD-Chef kündigte an, diese auch der Staatsanwaltschaft zur Verfügung zu stellen. „Dass der Anschlag auf meine Person aufgeklärt wird, ist wichtig – für mich, für meine Partei und für unsere Demokratie. Politiker müssen in der Öffentlichkeit sicher sein“, teilte Chrupalla am Nachmittag in einer Pressemitteilung mit.

AfD-Chef Chrupalla spricht wieder von „Anschlag“ auf ihn - weiter Zweifel an seiner Darstellung

Erstmeldung: Berlin – AfD-Chef Tino Chrupalla trat am Dienstag erstmals seit dem Vorfall bei einer AfD-Wahlveranstaltung in Ingolstadt am vergangenen Mittwoch vor die Öffentlichkeit. Dabei bekräftigte der 48-Jährige, er sei bei der Veranstaltung Opfer eines Anschlages auf seine Person geworden. Auch diverse andere Vertreter der Partei unterstützen die Darstellung, obwohl die noch andauernden offiziellen Ermittlungen die Sichtweise ausdrücklich nicht bestätigen.

Chrupalla spricht von „Anschlag“ in Ingolstadt – ausdrücklich keine Bestätigung der Staatsanwaltschaft

Es gäbe „sehr wohl eine Einstichstelle“, erklärte Chrupalla auf einem Pressetermin. Das hätte die pathologische Auswertung ergeben, die dem AfD-Chef vorliege. Weiterhin sagte Chrupalla es sei bestätigt, „dass es einen Vorfall gab. Beziehungsweise, dass es einen Anschlag auf meine Person gab“.

Die Staatsanwaltschaft teilt die Darstellung des AfD-Chefs jedoch weiterhin nicht. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung bestätigte Oberstaatsanwältin Veronika Grieser die Darstellung explizit nicht, dass es sich nach aktuellem Ermittlungsstand um einen Angriff gehandelt habe.

Die AfD-Fraktions- und Parteivorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla kommen zur Sitzung der Bundestagsfraktion der AfD im Deutschen Bundestag. In der Sitzung steht die Neuwahl des Fraktions-Vorstandes an.
AfD-Chef Tino Chrupalla – hier mit seiner Co-Vorsitzenden Alice Weidel – sprach am Dienstag erneut von einem „Anschlag“ auf seine Person. © Bernd von Jutrczenka/dpa

Was sich genau am vergangenen Mittwoch ereignet hat, ist jedoch weiterhin unklar. Fest steht nur, dass Chrupalla bei einer Wahlkampfveranstaltung im Vorlauf der Bayern-Wahl über gesundheitliche Beschwerden geklagt hatte und anschließend mit einem Rettungswagen ins Klinikum Ingolstadt gebracht wurde. Dort hatte das Klinik-Personal den AfD-Vorsitzenden eine Nacht lang auf der Intensivstation überwacht. Mehrere Personen sollen Selfies mit Chrupalla bei dem Termin gemacht haben, dabei soll es laut Polizei „zu einem leichten Körperkontakt“ gekommen sein.

Unklarheiten über „Nadelstich“ – Chrupalla äußert sich am Mittwoch zu den Vorfällen

In einem Arztbrief, den die AfD herausgegeben hatte, wird ein Nadelstich am rechten Oberarm erwähnt. Wie die dpa aus Ermittlerkreisen erfuhr, handelte es sich dabei jedoch lediglich um eine Beschreibung Chrupallas und nicht um eine tatsächliche Feststellung eines erfolgten Nadelstichs. Weiter ist in dem Arztbrief von einer „intramuskulären Injektion“ und an anderer Stelle von einer „Infektion mit unklarer Substanz“ die Rede. Bei einer toxikologischen Untersuchung konnten keine giftigen Stoffe im Blut Chrupalllas nachgewiesen werden.

Chrupalla erklärte am Dienstag weiter, er habe bereits am Samstag auch die Staatsanwaltschaft wegen der Veröffentlichung seiner Blutwerte abgemahnt. „Ich finde es schon ein Stück weit abenteuerlich und einen Skandal, dass ich in der Tagesschau erfahre, was in meinem Blut vorhanden ist und was nicht“, sagte Chrupalla weiter. Die AfD hat für Mittwoch eine weitere Pressekonferenz angekündigt, auf der sich der Vorsitzende erneut zu den Vorfällen und Ingolstadt äußern werde. Die Ermittlungen dauern derweil weiter an.

Bereits am Montag sprach unter anderem Katrin Ebner-Steiner, die AfD-Spitzenkandidatin bei der Bayern-Wahl, von einem „feigen Attentat“ auf den Bundesvorsitzenden der AfD.

Chrupalla und Weidel als Fraktionsvorsitzende der AfD wiedergewählt

Die AfD-Fraktion im Bundestag hatte am Dienstag ihre Vorsitzenden im Amt bestätigt. Chrupalla und Alice Weidel werden auch weiterhin der Fraktion vorstehen. Das Duo erhielt 44 Ja-Stimmen. 22 Abgeordnete stimmten gegen die Doppelspitzen, sechs enthielten sich. Gegenkandidaten gab es keine. Weidel zeigte sich nach der Wahl „sehr, sehr zufrieden“. Das sei ein „sehr ordentliches Ergebnis“.

Als Stellvertreter wurden Sebastian Münzenmaier und Beatrix von Storch bestätigt. Neu in die zweite Reihe der Fraktion rückten Stefan Keuter und Jörn König auf. Die bisherigen Vizes Leif-Erik Holm und Norbert Kleinwächter kamen nicht mehr zum Zug. Erster Parlamentarischer Geschäftsführer bleibt Bernd Baumann. Weidel steht der Fraktion seit dem Einzug der AfD in den Bundestag im Jahr 2017 vor. Zunächst in Zusammenarbeit mit Alexander Gauland und seit 2021 mit Tino Chrupalla. Das Duo bildet auch den Vorsitz der Partei. (fd mit dpa)

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