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Laurie Luhn gegen Roger Ailes

Fox News: Anwälte des Senders sollen Opfer sexueller Gewalt einschüchtern

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
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Erneut sind Vorwürfe gegen den konservativen Fernsehsender Fox News laut geworden. Ein Missbrauchs-Opfer berichtet von psychischen Schäden und nächtlichen Besuchen von Anwälten.

  • Laurie Luhn, eine ehemalige Mitarbeiterin von Fox News, berichtet über sexuelle Misshandlung durch ihren ehemaligen Vorgesetzten Roger Ailes.
  • Ein Jahrzehnt nach einem gerichtlichen Vergleich sollen sie die Anwälte von Fox News noch immer einschüchtern und „terrorisieren“.
  • Nach ihrer Tätigkeit bei Fox News leidet Laurie Luhn unter den Folgen.

Los Angeles – Laurie Luhn war bei Fox News dafür zuständig, Gäste in die Sendungen einzuladen und Events zu planen. 2010 verließ sie den Fernsehsender. Roger Ailes – ehemaliger Geschäftsführer, Luhns Vorgesetzter und mittlerweile verstorben – soll sie mehr als 20 Jahre lang sexuell und psychisch misshandelt haben. Der Vorstand des konservativen Senders habe davon gewusst und die Vergehen vertuscht. Im Juni 2011 unterzeichneten Luhn und die Fox-Anwältin Dianne Brandi einen Vergleich. Luhn erhielt 3,15 Millionen Dollar und sollte im Gegenzug schweigen. Die Bedingungen sahen zudem vor, dass sie für den Rest ihres Lebens nicht gegen Fox News vor Gericht ziehen dürfe. Auch Gespräche mit dem FBI oder der Presse sind Luhn sie ein juristisches Risiko.

Etwa zehn Jahre nach ihrem Abgang von Fox News leidet Laurie Luhn noch immer unter den Folgen, psychisch wie körperlich. Am 25. Januar dieses Jahres sagte sie vor Anwälten aus, weil die ehemalige Nachrichtensprecherin Britt McHenry ähnliche Vorwürfe gegen einen Kollegen erhoben hatte. Deshalb soll die 60-Jährige weiterhin von Fox News Anwälten „terrorisiert“ werden.

Fox News: Anwälte sollen ehemalige Mitarbeiterin „terrorisieren“

„In meiner eidesstattlichen Aussage habe ich über die schrecklichen Treffen mit Roger Ailes und seinem engeren Kreis gesprochen, die mir unvorstellbarem Schmerz bereitet haben, unter dem ich jeden Tag leide“, soll Laurie Luhn „The Daily Beast“ in einer E-Mail mitgeteilt haben. „Und sie terrorisieren mich immer noch und greifen mich an. Letzten Dienstag sind sie mitten in der Nacht zu meinem Haus gekommen? Mehr als ungeheuerlich, aber im Einklang mit der Vorgehensweise von Roger Ailes. Ich leide unter einem andauernden Trauma und physischen Schmerzen.“ Viermal hatte Luhn bereits versucht, sich das Leben zu nehmen.

Anwälte von Fox News sollen Opfer sexuellen Missbrauchs einschüchtern und „terrorisieren“.

Laurie Luhn wurden offenbar Gerichtsdokumente zugestellt, in denen es heißt, dass man die Vorladung McHenrys zurückweise. Die Personen sollen mehrmals geklingelt, sich aber nicht als Zusteller der Unterlagen erkennbar gemacht haben. „Sie haben nur gesagt: ‚Ich hab etwas für dich.‘ Ich bin also herausgekommen. Es war kalt und dunkel. Auf dem Bürgersteig parkte ein Pickup-Truck, in dem ein Mann saß und mich angestarrt hat. Es war unheimlich.“ Unter dem Blick des Mannes sollte sie einen dicken Umschlag aufheben, der auf ihrem Tor lag. „Ich hatte keine Ahnung, was das war und ich hatte Angst“, berichtete Luhn. Kurz darauf erkannte sie jedoch, dass die Anwaltskanzlei von Fox News, Jones Day, einen Mann entsendet hat, um ihr die Dokumente persönlich zu bringen, obwohl diese schon ihrem Verteidiger überreicht worden waren.

Fox News: Mitarbeiterin soll sexuell misshandelt und von Anwälten eingeschüchtert worden sein

„Das ist definitiv Einschüchterung, und es könnte unethisch sein“, teilte die Zivilrechts-Anwältin Nancy Erika Smith, die den Fall beobachtet, gegenüber „The Daily Beast“ mit. Man könne nicht mit jemandem „kommunizieren“, wenn man weiß, dass diese Person rechtlich vertreten wird. „Fox News und Rupert Murdoch mobben Laurie Luhn schon seit Jahrzehnten. Sie haben sie völlig zerstört.“

Während der sexuellen Misshandlungen, die Laurie Luhn dem ehemaligen Fox-News-Geschäftsführer vorwirft, soll Roger Ailes sie stets dazu aufgefordert haben, bestimmte Sätze zu wiederholen und Fragen zu bejahen, darunter: „Laurie, du liebst Gruppenvergewaltigung, oder?“ Mit Tonaufnahmen, Bildern und Videos habe Roger Ailes eine „Versicherung“ gehabt, damit ihm Luhn „loyal bleibt“. „Er sagte mir stets, dass ich keine Freunde hätte. Er sagte, dass ich ‚niemandem außer Roger vertrauen‘ sollte.“

Sexueller Missbrauch gegen Mitarbeiterinnen bei Fox News

Nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 sollen die sexuellen Misshandlungen eskaliert sein, berichtet Laurie Luhn. Roger Ailes sei „paranoid wegen Terroristen“ gewesen und habe stets gesagt, dass sie es auf ihn abgesehen hätten. Ailes habe ihr „Leben gefährdet“ und sie und eine weitere Frau in einem Hotel dazu gezwungen, eine „lesbische Show“ aufzuführen, die er dann filmte. „Mindestens fünfmal ist das passiert. Ihn hat es null interessiert, wie es mir geht, wie sich das auf mich oder meinen Ruf auswirkt. Ich habe versuchen, es zu vergessen. Mir wird schlecht, wenn ich daran denke.“

Dem ehemaligen Fox-News-Boss Roger Ailes wird vorgeworfen, mehrere Mitarbeiterinnen sexuell misshandelt zu haben.

Roger Ailes ist im Jahr 2017 gestorben. 20 Jahre lang war er Geschäftsführer von Fox News. Zudem war Ailes als Medienberater von ehemals hochrangigen Politikern wie George W. Bush, Ronald Reagan, Rudy Giuliani und Richard Nixon tätig. 2016 wurden die Vorwürfe gegen Ailes bekannt. Neben Laurie Luhn gingen mit Megyn Kelly und Andrea Tantaros weitere Mitarbeiterinnen, die beim konservativen Fernsehsender sexuellen Missbrauch erlebt haben sollen, an die Öffentlichkeit. (Lukas Rogalla)

Rubriklistenbild: © SPENCER PLATT

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