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Sean Hannity

Chaos bei Fox: Sender widerlegt Verschwörungen von Donald Trump - Moderator wärmt sie trotzdem wieder auf

  • vonMirko Schmid
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  • Daniel Dillmann
    Daniel Dillmann
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Sean Hannity bleibt Donald Trump auch nach der US-Wahl treu. Trotz der Verschwörungstheorien, die der Präsident streut.

  • Seit der US-Wahl 2020 ist das Verhältnis zwischen Donald Trump und Fox News unterkühlt.
  • Während sich das Tagesprogramm von Fox News vom US-Präsidenten emanzipiert, halten ihm einige Meinungsshows weiterhin die Treue - allen voran Sean Hannity.
  • Der Moderator interviewt Donald Trumps Ex-Anwältin Sydney Powell und gibt kurz darauf unumwunden zu, die Informationen seiner Show „nicht zu überprüfen“.

Update von Dienstag, 8.12.2020, 15:47 Uhr: Donald Trump steht zunehmend allein da mit seinen Märchen vom „Wahlbetrug“. Gerade in den US-Medien reicht die Bandbreite inzwischen von Empörung bis Belustigung - Recht geben will Trump selbst Fox News, der langjährige Haussender des abgewählten Präsidenten, nicht mehr. Der Sender widerlegte gerade erst eine der Verschwörungen aus dem Weißen Haus, wonach in einem Wahllokal in Georgia betrogen worden sei und nannte Vorwürfe auf Grundlage eines einschlägigen Videoclips „unbegründet“.

Weiterhin im Team Trump: Sean Hannity und Laura Ingraham von Fox News.

Interner Machtkampf bei Fox News um Verschwörungstheorien von Donald Trump

Doch Fox News hat die Rechnung wohl ohne Sean Hannity gemacht. Der eingefleischte Agitator im Dienste von Donald Trump versuchte am Montag (7.12.2020) im Programm seiner Prime-Time-Sendung auf Fox News die Widerlegung der jeder Beweislage entbehrenden Anschuldigungen durch den eigenen Sender zu widerlegen. Hannity, im Nebenberuf informeller Berater des abgewählten Präsidenten, führt damit den intern tobenden Kamp zwischen der Nachrichtensparte und der rechtspopulistischen Meinungsabteilung des Senders fort.

Während die nachrichtlichen Journalisten des Kabelsenders sich mit den Fakten und somit dem Wahlsieg von Joe Biden abgefunden hat, klammern sich die Kommentatoren um Sean Hannity und Laura Ingraham mehrheitlich noch an die Verschwörungstheorien aus dem Weißen Haus und ventilieren die absurden Lügengeschichten von Donald Trump und Rudy Giuliani.

Fox News Moderator: „Ich überprüfe das nicht“ - Donald Trumps Vertrauter macht entlarvendes Geständnis

Update von Mittwoch, 2.12.2020, 19:48 Uhr: Donald Trump hat zu Beginn des Dezembers bewiesen, dass er noch immer einen feinen Unterschied zwischen den Nachrichtenformaten von Fox News und den Meinungsshows auf dem Sender zieht. Hatte der US-Präsident vor kurzem das Tagesprogramm noch als „nicht mehr schaubar“ tituliert, teilte er am Abend gleich zwei Beiträge von Fox über seinen Twitter-Kanal. Darunter erneut Sean Hannity.

Präsident Donald Trump teilt Sean Hannitys Monolog auf Twitter

Der Fox-Moderator erklärte in dem Eröffnungsmonolog seiner Show, dass er gemeinsam mit den 74 Millionen Wählerinnen und Wählern dem „Medien-Mob“ niemals glauben werde. Sean Hannity untermauerte die Behauptung mit einer Statistik der US-Internetseite „Politico“, also einer der Medien, der er im Satz zuvor noch als unglaubwürdig, politisch motiviert und insgesamt als „Propaganda-Abteilung der Demokratischen Partei“ bezeichnet hatte. Politico hatte ermittelt, dass 79 Prozent aller Wählerinnen und Wähler von Donald Trump glauben, die Wahl sei durch illegale Stimmen und Betrug für Joe Biden entschieden worden.

Auch Tucker Carlson durfte sich über kostenlose Werbung von Donald Trump freuen. Er kritisierte in seinem Beitrag den Umgang der demokratischen Landesregierung und des Bürgermeisters in New York mit der Corona-Pandemie.

Fox News erklärt Joe Biden zum Sieger - Donald Trump wütet in der Wahlnacht im Weißen Haus

Erstmeldung vom 01.12.2020, 18:00 Uhr: Washington - Es war lange Zeit eine innige Liebe zwischen dem US-Präsidenten und seinem Fernsehsender. Fox News hielt Donald Trump die Stange, er rief regelmäßig in den Live-Shows an, war gern gesehener Interviewpartner und teilte Inhalte des Nachrichtensenders mit seinen 88 Millionen Followern auf Twitter.

Doch noch am Tag der US-Wahl stürzte die Beziehung zwischen Donald Trump und Fox News in eine tiefe Krise. Ausgerechnet der konservative Nachrichtensender war es, der Joe Biden noch vor der liberalen Konkurrenz von CNN und NBC zum Sieger im Swing State Arizona erklärt hatte. Trump soll wütend durch die Gänge des Weißen Haus gelaufen sein, seinen Schwiegersohn Jared Kushner aufgefordert haben, bei Rupert Murdoch anzurufen, um Druck auf den Fox-Besitzer auszuüben. Es nutzte nichts, Fox News blieb dabei und der Demokrat Biden der Sieger.

Seitdem fällt die Berichterstattung auf Fox News deutlich anders aus. Kritisch begleitet der Sender die Versuche von Donald Trump und seinem Anwaltsteam rund um Rudy Giuliani, die US-Wahl zu diskreditieren. Zumindest im Tagesprogramm. Ab 20:00 Uhr sieht das anders aus. Dann starten die Meinungsshows auf Fox News: erst Tucker Carlson, dann Sean Hannity und schließlich Laura Ingraham versorgen die Zuschauer:innen mit klarer Meinung zu Joe Biden und fast bedingungsloser Loyalität zu Donald Trump.

Fox-Moderator Sean Hannity ist seit Jahren ein enger Verbündeter von Donald Trump

Vor allem Sean Hannity gilt als enger Verbündeter des US-Präsidenten. Der 58 Jahre alte Kampfsport-Fan wurde von Mitarbeitern aus dem Weißen Haus schon als „Schatten-Stabschef“ des Präsidenten bezeichnet. Donald Trump ruft regelmäßig an. Hannity begleitete den damaligen Kandidaten schon 2016 im Wahlkampf gegen Hillary Clinton zu dessen Auftritten.

Weder die Wahlniederlage gegen Joe Biden noch Donald Trumps konsequente Weigerung, diese zu akzeptieren, änderte etwas an der Männerfreundschaft. Sean Hannity blieb dem Präsidenten treu und verbreitete dessen Anschuldigungen in Richtung der Demokraten und zusehends auch in die der eigenen republikanischen Partei - ohne Widerspruch, und ohne sie zu prüfen.

Trump-Fan Sean Hannity schießt gegen Medien mit einem entlarvendem Geständnis

Das zumindest gab Sean Hannity nun in seiner gleichnamigen Show ganz unumwunden zu. „Ich überprüfe die Informationen in diesem Programm nicht“, gab der Moderator ganz unumwunden zu. Hannity wollte damit eigentlich den Unterschied zu dem „Medienmob“ klarmachen, der seiner Meinung nach die USA beherrsche und zu dem er neben CNN die Zeitungen der „Washington Post“ und der „New York Times“ zählt.

Kurz vor seinem Auftritt hatte Sean Hannity noch Sidney Powell interviewt. Donald Trump hatte sich zwar gerade von Powell distanziert und sie aus seinem Anwaltsteam geschmissen, weil die Anwältin an der Seite von Rudy Giuliani Verschwörungstheorien über Dominion, Hugo Chavez und die Chinesen verbreitet, die wohl selbst dem abgewählten Präsidenten zu weit gingen.

Weiterhin im Team Trump: Sean Hannity und Laura Ingraham von Fox News.

Donald Trump feuert Sidney Powell - Sean Hannity interviewt sie

Doch Powell vertritt nach wie vor Trumps ehemaligen Sicherheitsberater, Michael Flynn. Flynn hatte sich 2017 schuldig bekannt, gegenüber dem FBI falsche Angaben gemacht zu haben. Das Urteil gegen ihn hob daraufhin sein ehemaliger Chef wieder auf. Donald Trump begnadigte Flynn auf den letzten Metern seiner Präsidentschaft, und löste damit eine kontroverse Diskussion aus.

Wenig überraschend waren Sean Hannity und Sidney Powell sich einig, ob es für Donald Trump legal und moralisch vertretbar war, Michael Flynn zu begnadigen. „Der Präsident kann jeden begnadigen, den er will. Er hat die Autorität dazu“, sagte Powell. Und Hannity legte nach. „Der Präsident sollte sich selbst und seine ganze Familie begnadigen“, polterte der Fox-Moderator. „Seine Macht hierbei ist absolut.“

Damit unterscheidet sich die Einschätzung beider nicht nur von zahlreichen Rechtsexperten, die unter anderem auf Fox News keine Möglichkeit sehen, wie sich ein US-Präsident selbst begnadigen solle. Sean Hannity und Sidney Powell vergessen auch einen enstcheidenden Punkt. Begnadigt werden kann durch den Präsidenten nur, wer sich zuvor schuldig bekannt hat. Donald Trump müsste also eines oder gleich mehrere der ihm vorgeworfenen Verbrechen zugeben. (Daniel Dillmann, Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © Brian Cahn via www.imago-images.de

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