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Fox News-Starmoderator Tucker Carlson präsentiert sich als Impfskeptiker, während sein Arbeitgeber für die Impfung gegen Corona wirbt.
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Fox News-Starmoderator Tucker Carlson präsentiert sich als Impfskeptiker, während sein Arbeitgeber für die Impfung gegen Corona wirbt.

Rechter US-Nachrichtensender

Fox News wirbt für Corona-Impfung, Moderatoren schießen quer

  • VonMirko Schmid
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Bei Fox News wird um einen einheitlichen Umgang mit der Impfung gegen Corona gerungen. Zumindest offiziell unterstützt der rechte TV-Sender die Impfung.

New York City - Fox News macht Werbung fürs Impfen. Zumindest beteiligt sich der rechtskonservativ ausgerichtete TV-Sender seit einigen Tagen an einer Kampagne der US-Gesundheitsbehörden und verbreitet einen Werbespot, in dem für die Corona-Vorsorge geworben wird. Weithin sorgte dieser Schritt für warme Worte, selbst Kommentatoren des eher liberalen Nachrichtennetzwerks CNN waren voll des Lobes.

Dann allerdings trat Tucker Carlson auf den Plan. Der besonders scharfzüngige Show-Host und Kommentator, einer der Stars im Aufgebot von Fox News, zweifelte zeitgleich zur Impfkampagne öffentlich an der Wirksamkeit der Vakzine und warnte vor vermeintlichen Gesundheitsrisiken infolge einer Impfung. Dass er damit die öffentliche Linie seines Arbeitgebers in dessen Programm konterkarierte, nahm Carlson somit wohl billigend in Kauf.

Mit seiner Ablehnung der Corona-Impfung spielt Tucker Carlson Impfskeptiker:innen in die Hände, welche in den USA Umfragen zufolge vor allem aus Kreisen politisch rechts orientierter Bevölkerungskreise stammen – und zu großen Teilen Fox News schauen. Bereits seit in den USA geimpft wird, machten diverse Kommentator:innen des Nachrichten- und Meinungssenders mobil gegen die Verabreichung der Vakzine und bespielten mithin einen fruchtbaren Boden.

Fox News schließt sich Corona-Impfkampagne an, eine einheitliche Linie fehlt

Umso erstaunlicher war die kürzlich erfolgte Volte des Mediennetzwerks, sich der landesweiten Impfkampagne anzuschließen und im Chor mit rechten Verschwörungstheorien weniger zugeneigten Nachrichtensendern wie CNN und MSNBC für die Corona-Vorsorge zu werben. Nur weniger Tage später muss sich Fox News nun die Frage gefallen lassen, ob die Teilnahme an einer Kampagne ernst gemeint sein kann, gegen die der eigene Starmoderator zu Felde zieht.

Generell scheint die prominente Belegschaft des TV-Senders in der Impffrage gespalten. Während Sean Hannity, ein treuer Anhänger des ehemaligen Präsidenten Donald Trump, bereits in der Vorwoche dazu aufrief, Corona ernst zu nehmen und in Absprache mit einem Arzt Impfangebote zu prüfen, stellte Laura Ingraham die Wirksamkeit der Impfung in einem Kommentar infrage.

Während Steve Doocy im Morgen- und Harris Faulner im Mittagsprogramm den Werbeslogan „Amerika, wir sind gemeinsam dabei“ aufsagen und zum Impfen aufrufen, gibt sich mit Tucker Carlson der Host mit den besten Einschaltquoten am Abend als empörter Impfskeptiker. CNN, so Carlson, solle keine Position zum Impfen einnehmen, schließlich handele es sich um einen Fernsehsender – „und nicht um eine Gesundheitsbehörde“.

Tucker Calson, Starmoderator bei Fox News, gibt den Impfskeptiker

Ob Tucker Carlson zuvor darüber informiert wurde, dass sich neben der ungeliebten Konkurrenz auch das eigene Nachrichtennetzwerk der Impfkampagne angeschlossen hatte, ist nicht überliefert. Die Vermutung liegt jedoch nahe, dass der Moderator zumindest davon gehört haben könnte.

Ähnlich verwirrend verhält es sich mit Carlons Haltung zu Impfpässen. Die Einführung solcher Nachweise nämlich verglich der Fox News-Moderator mit den Gesetzen zur Abschaffung der Sklaverei in den Vereinigten Staaten, welche noch heute in stramm rechten Kreisen häufig auf nicht allzu viel Gegenliebe stoßen. Sein im selben Atemzug gezeichnetes dystopisches Bild von zusammengekauerten Massen, die emotionslosen Bürokraten Barcodes präsentieren müssen, ist schwer vereinbar mit dem Umstand, dass sein Arbeitgeber bereits seit Wochen intern selbst einen Impfpass eingeführt hat.

NameTucker Swanson McNear Carlson
BerufFernsehmoderator und politischer Kommentator
TV-SenderFox News
Alter 52 Jahre (16. Mai 1969)
GeburtsortSan Francisco, Kalifornien, USA

In einer E-Mail an alle Angestellten warb die Fox Corporation laut CNN-Informationen mit einer „sicheren, freiwilligen Möglichkeit für Mitarbeiter, die ihren Impfstatus selbst bestätigen“ wollen. Im gleichen Schreiben ermuntert die Führung des Netzwerks seine Untergebenen dazu, das Datum ihrer Impfung und ihren Impfstatus selbst in den Fox News-Impfpass einzutragen. Und wer bereits einen vollständigen Impfschutz nachweisen kann, kann sich zur Belohnung den „Fox Clear Pass“ abholen. Dieses Dokument gewährt senderintern ein wenig mehr Bewegungsfreiheit, unter anderem ersparen sich Besitzer:innen des „Clear Pass“ die ansonsten obligatorische tägliche Gesundheitsprüfung.

Fox News-Moderator wirbt erst für Impfaufklärung und rudert dann zurück

All das wird in der US-Öffentlichkeit mit einigem Erstaunen aufgenommen. Dass sich ausgerechnet Fox News, ein Nachrichtensender also, der eine regierungskritische und gegenüber öffentlichen Behörden häufig skeptisch eingestellte Zielgruppe anspricht, ins Team der Impfbefürworter eingliedert, hatten zuvor nur wenige Kommentator:innen erwartet. Doch unter einen gewissen Enthusiasmus über die Fox News-Beteiligung an der Impfkampagne mischt sich auch Skepsis.

Jene Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Impfbemühungen des rechten TV-Senders nährte neben Carlson und Ingraham dann auch Trump-Freund Hannity. Hatte dieser tags zuvor noch dazu aufgerufen, sich mit dem eigenen Arzt über das Impfen zu unterhalten, ruderte er anschließend um so deutlicher zurück. Niemals, so Hannity, habe er „jemandem gesagt, er soll sich einen Impfstoff besorgen“. Ein Grund für diese Rolle rückwärts mag sein, dass Hannity in Sozialen Netzwerken wie Twitter eine Welle der Empörung aus dem rechten Lager entgegen schwappte.

Fox News ist auf das Wohlwollen einer rechten und skeptischen Zuschauerschaft angewiesen

Unter anderem wurde der Fox News-Moderator als abgehoben gebrandmarkt, da er ignoriere, dass sich viele Menschen in den USA einen Arztbesuch nicht ohne weiteres leisten können oder wollen – schon gar nicht dann, wenn sie lediglich für eine Beratung zahlen sollen. Und die Meinung der eigenen Anhängerschaft spielt für Fox News und seine öffentlichen Gesichter durchaus eine entscheidende Rolle. In den USA gibt es keine Bezuschussung von Nachrichtensendern aus öffentlicher Hand, von CNN über ABC und MSNBC bis Fox News sind sie alle auf Werbeeinnahmen angewiesen.

Und diese Werbeinnahmen sind de facto untrennbar an die Quoten gekoppelt, welche die TV-Sender erzielen. Verscherzt es sich also einer der prominenten Fox News-Moderatoren mit der rechten Fanbase des Senders, riskiert er einen Liebesentzug der Stammzuschauerschaft, der mit Quoteneinbrüchen und im schlimmsten Fall einer Umbesetzung oder gar der Absetzung der eigenen Show einhergehen kann. Ein wenig attraktives Szenario. Und ein Szenario, dem sich Carlson, Ingraham und Hannity offensichtlich nicht aussetzen wollen. (Mirko Schmid)

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