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Der Forderungskatalog von Katars Gegnern

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© afp

Zum Iran auf Abstand gehen und Schließung von Al-Dschasira - die wichtigsten Forderungen von Katars Gegnern.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) ist wegen des Konflikts um das Emirat Katar in die Golfregion gereist. Gabriel erklärte am Montag, die Bundesregierung werde „mit Nachdruck“ für einen Abbau der Spannungen am Golf eintreten. Zuvor hatten Saudi-Arabien und mehrere andere arabische Staaten für ein Ende der Blockade 13 Forderungen an Katar gestellt. Doch Katar ließ die zehntägige Frist verstreichen. Am Montag verlängerten Katars Gegner das Ultimatum um 48 Stunden. Ihre Forderungen an Doha erhalten sie aufrecht:

Schließung von Al-Dschasira Katars Gegner Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Ägypten und Bahrain wollen den katarischen Nachrichtensender Al-Dschasira geschlossen sehen. Sie werfen dem Kanal, der zu den größten Medienunternehmen der Welt zählt, politische Beeinflussung und Unruhestiftung vor. Beobachter gehen davon aus, dass Ägypten ein besonderes Interesse an der Schließung Al-Dschasiras hat: Kairo beschuldigt den Sender für die blutigen Konflikte in Ägypten verantwortlich zu sein, nachdem der islamistische Präsident Mohammed Mursi im Juli 2013 vom Militär abgesetzt worden war. Mehrere arabische Staaten haben bereits regionale Redaktionen von Al-Dschasira geschlossen. Die Vereinten Nationen kritisierten die Forderung nach der Schließung des Senders als „einen inakzeptablen Angriff auf die Meinungsfreiheit“.

Verbindungen zur Muslimbruderschaft Saudi-Arabien und seine Verbündeten fordern von Katar, dass es seine Verbindungen zur Muslimbruderschaft aufgibt. Die Gegner Dohas betrachten die Muslimbrüder als terroristische Vereinigung und verlangen von Katar die Überstellung von prominenten Mitgliedern der Gruppe – in Katar fand unter anderem der geistliche Führer der Muslimbrüder, der ägyptische Imam Jusuf al-Karadawi, Zuflucht. Auch der frühere Führer der palästinensischen Hamas, Chaled Maschaal, lebt dort. Der radikalislamischen Hamas werden Verbindungen zur Muslimbruderschaft nachgesagt. Die Vereinten Nationen haben Vorbehalte gegen die Bruderschaft, zählen sie jedoch nicht als Terrororganisation.

Schließung türkischer Militärbasis Die Verfasser des Ultimatums wollen, dass Katar eine türkische Militärbasis auf seinem Territorium schließt. Ankara betrachtet Katar als seinen wichtigsten Verbündeten in der Golfregion, versucht aber auch seine Beziehungen zu Saudi-Arabien auszubauen. Das türkische Parlament hat nur zwei Tage nach Ausbruch der Katar-Krise am 5. Juni einer weiteren Truppenverlegung nach Katar zugestimmt. Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan stellte sich in der Krise unlängst hinter Katar. Er sagte, der Forderungskatalog verstoße „gegen internationales Recht“.

Verbindungen zum Iran zurückfahren Saudi-Arabien und seine Verbündeten fordern von Katar, dass das Emirat seine engen Verbindungen zum Iran zurückfährt – der Iran ist Saudi-Arabiens größter regionaler Rivale. Riad und Teheran unterstützen entgegengesetzte Konfliktparteien im Jemen. Außerdem wirft das sunnitische Saudi-Arabien dem schiitischen Iran immer wieder vor, schiitische Minderheiten im Osten Saudi-Arabiens zum Konflikt anzustacheln. Irans Präsident Hassan Ruhani kündigte an, die Verbindungen zu Katar vielmehr ausbauen zu wollen. Seitdem Saudi-Arabien Anfang Juni die einzige Festlandverbindung nach Katar schloss, wird das kleine Emirat über den Seeweg aus dem Iran versorgt. (afp)

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