Bild des Grauens: Künstler Nath Vann gehört zu den wenigen Überlebenden des Folterknasts.
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Bild des Grauens: Künstler Nath Vann gehört zu den wenigen Überlebenden des Folterknasts.

Kambodscha

Foltern im Schichtbetrieb

Gegen den Gefängnischef der Roten Khmer wurde die Mord-Anklage verlesen. Mit einem Urteil wird im Herbst gerechnet.

Phnom Penh. Erregung zeigt der Mann nicht, der mutmaßlich 12 380 Menschen auf dem Gewissen hat. Kaing Guek Eav alias Duch war unter der Herrschaft der Roten Khmer in Kambodscha fast vier Jahre für die "Vernichtung der Feinde der Revolution" zuständig.

Methodisch, konsequent und mit System: "Gefoltert wurde von sieben Uhr morgens bis elf, von zwei bis fünf und von sieben bis elf Uhr abends", zitiert das Völkermord-Tribunal in seiner Anklageschrift aus den Anweisungen des heute 66-jährigen Duch. Der frühere Mathematiklehrer leitete das Folterzentrum Toul Sleng, genannt S21. Er sitzt an diesem Montag kerzengerade auf der Anklagebank, lehnt sich nicht an, verfolgt aufmerksam den Text, macht sich Notizen. Gefühle zeigt er nicht.

Duch ist der Erste, der 30 Jahre nach dem Ende der Schreckensherrschaft zur Rechenschaft gezogen wird. Der Fall gegen ihn ist ziemlich klar. Obwohl nur eine Handvoll Gefangener die Folter- und Hinrichtungsmaschinerie von S21 überlebt hat, gibt es genügend Aussagen einstiger Wachen, die den grauhaarigen Mann schwer belasten. "Zeuge Y hat gesehen, wie Duch die Folter persönlich überwachte", lässt das Gericht aus der Anklageschrift vorlesen. "Duch hat eingeräumt, dass es Autopsien an Lebenden gab, Ausbluten von Gefangenen und Medikamententests", heißt es an anderer Stelle.

Duch hat seine Schuld längst eingestanden. Er hat sich mit einer lebenslangen Haftstrafe abgefunden. Dennoch bestehen vor allem die Opfer darauf, in dem Prozess auch zu Wort zu kommen. "Unser Hauptziel ist eine möglichst umfassende Darstellung der Einzelschicksale", sagt die Berliner Anwältin Silke Studzinsky, die 18 Opfer vertritt. "Wir wollen, dass alle Facetten dessen, was unter Duchs Befehlsgewalt passiert ist, auch bekanntgemacht werden." Auf dem Völkermord-Tribunal lasten viele Erwartungen. Neben der juristischen Aufarbeitung der Grausamkeiten erhoffen sich viele Beobachter auch einen Auftakt für die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Die hat bislang nicht stattgefunden. Entsprechend wissen die jüngeren Generationen wenig über die Vergangenheit. Gleichzeitig leben in vielen Dörfern Opfer und Täter heute wieder Tür an Tür.

Einen Eindruck aus dem Elendsalltag in S21 gab es am Montag. Über endlose Verhöre berichtet das Gericht von Gefangenen, die bis kurz vor dem Ersticken Plastiktüten über den Kopf gezogen bekamen. Über die Todestransporte zu den Hinrichtungsstätten vor der Stadt. "Sie wurden mit Eisenstangen auf den Hinterkopf geschlagen, in eine Grube gestoßen, dann schlitzte ihnen einer den Hals oder den Bauch auf", lasen die Ankläger vor. "Kinder wurden aus dem 3. Stock geworfen, um ihnen das Genick zu brechen."

Mit Spannung wird die erste Stellungnahme Duchs vor Gericht erwartet, die er in dieser Sitzungswoche abgeben soll. Der Prozess dürfte noch rund sechs Monate dauern. Duch will zudem gegen die anderen vier Angeklagten aussagen, die jede Schuld an den Mordtaten abstreiten. dpa

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