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Mitt Romney und Frau Ann genießen einen Ausflug auf dem Jetski.

Outsourcing

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Mitt Romney soll gut daran verdient haben, Jobs aus Amerika in andere Länder zu verlagern. Dieser Vorwurf schadet seiner Glaubwürdigkeit, zumal er auch sonst lieber über seine Finanzen schweigt.

Mitt Romney soll gut daran verdient haben, Jobs aus Amerika in andere Länder zu verlagern. Dieser Vorwurf schadet seiner Glaubwürdigkeit, zumal er auch sonst lieber über seine Finanzen schweigt.

Was war das für eine kuriose Geschichte: Der einstige Schatzmeister der CDU Walther Leisler Kiep entdeckte irgendwann 2001 einmal eine Million Mark auf seinem Konto und konnte sich angeblich nicht mehr daran erinnern, wann und woher das Geld gekommen ist. Tja, wenn man reich ist, kann man schon mal den Überblick über seine Konten verlieren. Wem fiele schon auf, ob man eine Million mehr oder weniger besitzt...

Mitt Romney würde das sicher verstehen. Immerhin soll der Multimillionär über 250 Millionen Dollar sein Eigen nennen. Mühsam verdientes Geld aus seiner Zeit bei der Private Equity Firma Bain Capital. Doch: Wie lange hat er dort eigentlich Verantwortung getragen? Romneys Angaben unterscheiden sich deutlich von Unterlagen der Finanzaufsicht SEC, die nun der Boston Globe ausgegraben hat.

Glaubt man dem Millionär, dann hat er seit Anfang 1999 nichts mehr mit dem operativen Geschäft von Bain zu tun und sich stattdessen um die Organisation der Olympischen Spiele in Salt Lake City gekümmert. Glaubt man den Rechercheuren des Boston Globe war er noch bis 2002 alleiniger Eigentümer, Vorstandsvorsitzender und Präsident der Firma.

Ob Romney 2002 oder 1999 aus der Firma ausschied, ist von großer Bedeutung, weil gerade in diesem Zeitraum Bain Capital enorme Gewinne mit dem Outsourcing von Jobs machte. Anders gesagt: Die Firmen wurden auf Kosten der Arbeitnehmer saniert, in dem man die Produktion ins Ausland verlagerte.

Ein äußerst unangenehmer Vorwurf für den Präsidentschaftskandidaten Romney in diesen wirtschaftlich rauen Tagen. Und er wird ihm nicht zum ersten Mal gemacht: Vor wenigen Tagen enthüllte das Magazin Mother Jones, dass Bain unter Romneys Führung Millionen in chinesische Firmen investiert hat, die vom Outsourcing amerikanischer Arbeitsplätze stark profitierten.

Kein Wunder, dass sich Obamas Wahlkampfteam diese Vorwürfe zu eigen macht und Romney als Jobkiller hinstellt, der auf keinen Fall Präsident werden dürfe:

Und ebenso wenig verwunderlich, dass sich die Republikaner mit einem Werbespot kontern, der wiederum Obama als Lügner bezeichnet:

Schaut man sich die SEC-Unterlagen etwas genauer an (wie der Fact Checker der Washington Post), stellt sich die ganze Sache schon etwas differenzierter dar. Denn einerseits geht aus keinem Dokument hervor, dass Romney tatsächlich zwischen 1999 und 2002 noch die operativen Geschäfte von Bain Capital geleitet hat. Die Zahlungen an ihn sind keine Gehaltsüberweisungen oder Ähnliches. Andererseits hat er sich offenkundig nicht vollständig aus der Firma zurückgezogen – und trägt daher durchaus noch Verantwortung für Bains Geschäftspraxis. Zumal sich die Art der Geschäfte ja nicht groß von den Deals zu seiner Zeit unterscheiden.

Auch wenn es Romney gelingen sollte, etliche Vorwürfe im Detail zu entkräften, schadet ihm sein geheimnistuerisches Verhalten. Denn es passt zu anderen ausweichenden Antworten auf seine Kritiker. Warum zum Beispiel veröffentlicht er seine Steuererklärungen der letzten Jahre nicht, so wie es jeder Kandidat bislang getan? Und: Hat er wirklich Millionen Dollar in Steuerparadiesen wie den Cayman Islands angelegt, wie Vanity Fair in seiner neuen Ausgabe als Ergebnis einer gründlichen Recherche behauptet? Patriotisch könnte man das nicht nennen. Doch vielleicht hat Romney ja auch nur wie einst Leisler Kiep nur den Überblick über seine Millionen verloren.

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