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Nach der Hochwasserkatastrophe bestehen viele betroffene Gebiete nur noch aus Trümmern. Eine britische Wissenschaftlerin wirft der Bundesregierung nun ein „monumentales“ Versagen vor.
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Nach der Hochwasserkatastrophe bestehen viele betroffene Gebiete nur noch aus Trümmern. Eine britische Wissenschaftlerin wirft der Bundesregierung nun ein „monumentales“ Versagen vor.

Hochwasser in Deutschland

Flutkatastrophe: Wissenschaftlerin wirft Bundesregierung „monumentales“ Versagen vor

  • Anna Charlotte Groos
    VonAnna Charlotte Groos
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Nach der Hochwasserkatastrophe in Deutschland spricht eine britische Forscherin von „monumentalem“ Systemversagen. Schon vorher soll die Bundesregierung gewarnt worden sein.

Reading/Berlin – Die akute Gefahr in den Hochwassergebieten in Deutschland scheint vorerst gebannt – Der Wetterdienst sagt für die kommenden Tage kaum mehr Regen voraus. Damit scheint auch die Debatte über politische Versäumnisse beim Schutz der Bevölkerung in der Hochwasserkatastrophe an Fahrt zu gewinnen. Eine britische Wissenschaftlerin hat den deutschen Behörden „monumentales“ Systemversagen bezüglich der Hochwasserkatastrophe vorgeworfen.

Klare Hinweise, die im Rahmen des europäischen Frühwarnsystems EFAS bereits vier Tage vor den ersten Überschwemmungen herausgegeben wurden, seien offenbar nicht bei der Bevölkerung angekommen, sagte Hannah Cloke von der Universität Reading, nahe London, der britischen Zeitung Sunday Times.

Flutkatastrophe in Deutschland: Erste Warnungen bereits Tage zuvor

Die Forscherin war am Aufbau von EFAS (European Flood Awareness System) beteiligt, das nach den verheerenden Überschwemmungen an der Elbe und der Donau im Jahr 2002 gegründet wurde. Mithilfe meteorologischer und hydrologischer Daten sowie anhand von Computer-Modellen werden dabei Überschwemmungen und Sturzfluten vorhergesagt. Ziel des Systems ist es, Zeit zu gewinnen, um die Bevölkerung besser zu schützen, so die Deutsche Presse-Agentur.

Dem Klimawandeldienst Copernicus zufolge wurde bereits am 10. Juli eine erste Warnung an die relevanten nationalen Behörden gegeben. Bis zum 14. Juli, an dem zahlreiche Überschwemmungen in Deutschland stattfanden, wurden demnach mehr als 25 weitere Warnungen mit fortlaufend aktualisierten Vorhersagen für spezifische Regionen des Rheins und der Maas herausgegeben, berichtete die Deutsche Presse-Agentur. Die ersten Zeichen der Hochwasserkatastrophe in Deutschland sollen bereits neun Tage zuvor von Satelliten erfasst worden sein, so der Tagesspiegel.

Überschwemmungen in Deutschland: Wissenschaftlerin fordert bessere Aufklärung der Menschen

Obwohl es schwierig gewesen sei, für einzelne Überschwemmungsgebiete eine genaue Vorhersage zu treffen, hätte es „sicherlich Zeit“ geben müssen, um größere Gemeinden mit Warnungen und Evakuierungen vorzubereiten, sagte die Forscherin Hannah Cloke. Die Folgen der Flutkatastrophe zeigten, dass viel schief gegangen sei, so Cloke. Allein in Rheinland-Pfalz wurden bis Montag (19.07.2021) nach Polizei-Angaben 117 Todesfälle aufgrund des Unwetters gezählt. Aus Nordrhein-Westfalen waren zuletzt 46 Tote infolge der Unwetter bekannt, wie die Deutsche Presse-Agentur am Montag berichtete.

Auch sei es wichtig, die Menschen darüber aufzuklären, was sie im Falle eines Hochwassers tun müssten, erklärte Cloke. „Es hat keinen Sinn, mit gigantischen Computer-Modellen vorherzusagen, was geschehen wird, wenn die Leute nicht wissen, wie sie sich bei einer Überschwemmung verhalten müssen.“

Horst Seehofer über Flutkatastrophe: Katastrophenschutz sei gut aufgestellt

Der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Armin Schuster, sagte mit Blick auf Kritik, derzeit sei man in der Phase „Retten, Bergen, Obdachbieten et cetera“, so die Deutsche Presse-Agentur. „Ich habe meinen Mitarbeitern sogar quasi untersagt, Manöverkritik zu machen. Wir helfen jetzt“, sagte Schuster im Deutschlandfunk.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte laut der Deutschen Presse-Agentur, dass der Katastrophenschutz in Deutschland gut aufgestellt sei. Bund, Länder und Kommunen müssten sich aber auch gemeinsam Gedanken machen, welche Lehren aus dem Krisenmanagement zu ziehen seien. Es wäre falsch „in der Arroganz (zu) verharren“, dass man nichts mehr verbessern könne.

Annalena Baerbock fordert mehr Verantwortung für den Bund im Katastrophenschutz

Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin der Grünen, forderte eine Neuaufstellung des Katastrophenschutzes mit mehr Verantwortung für den Bund. „Notsituationen wie diese Flut oder auch Waldbrände häufen sich und brechen oft an vielen Orten zur selben Zeit aus“, sagte sie in einem am Montagmorgen veröffentlichten „Spiegel“-Interview. „Hilfe funktioniert nur, wenn alles ineinander greift. Dafür braucht es eine Instanz, die alle Kräfte bündelt, die schnellstmöglich aus ganz Deutschland oder EU-Nachbarstaaten Hubschrauber oder Spezialgeräte zusammenzieht“, so Baerbock.

Hochwasser-Katastrophe in Deutschland: Die von der Flutwelle fortgerissene Dorfstraße in Mayschoß (Luftaufnahme mit einer Drohne). Zahlreiche Häuser in dem Ort wurden komplett zerstört oder stark beschädigt.

Laut FDP-Bundestagsfraktionsvize Michael Theurer tragen mehrere Instanzen Schuld an den Versäumnissen der Hochwasserkatastrophe: „Die rechtzeitigen Warnungen der Meteorologen sind weder von den Behörden noch vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk hinreichend an die Bürgerinnen und Bürger kommuniziert worden“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Es bietet sich das Bild eines erheblichen Systemversagens.“ Die unmittelbare Verantwortung trage aber Bundesinnenminister Seehofer persönlich, so Theurer.

Aufarbeitung der Hochwasserkatastrophe in Deutschland: FDP beantragt Sondersitzung

Die FDP-Fraktion beantragte eine kurzfristige Sondersitzung des Innenausschusses, um die Informationslage der Bundesregierung zu Flutwarnungen aufzuklären. Seehofer müsse darlegen, was der Bundesregierung wann genau bekannt war und was unternommen wurde, um den Katastrophenschutz zu gewährleisten. Die Linken-Parteivorsitzende Susanne Hennig-Wellsow sprach sogar über eine Rücktrittsforderung Seehofers, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtete. „Seehofer trägt die politische Verantwortung für das desaströse Versagen der Bundesregierung“, sagte sie einer Mitteilung zufolge.

Auch Alice Weidel, Vorsitzende der rechtsextremen AfD-Fraktion im Bundestag, forderte eine Sondersitzung, um die Geschehnisse aufzuarbeiten. „Das ist auch deshalb wichtig, um eine Wiederholung solcher Ereignisse zu vermeiden. Deshalb muss umgehend geprüft werden, ob die erforderliche Mehrheit für eine Sondersitzung des Bundestages zustande kommt, bevor dann die Sommerpause unterbrochen wird“, so Weidel in einer Pressemitteilung der AfD. Die parlamentarische Sommerpause, in der keine Sitzungen im Bundestag stattfinden, dauert in der Regel von Juli bis August. (Anna Charlotte Groos mit dpa)

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