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Anwohner vor dem Merowe-Damm im Sudan.
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Anwohner vor dem Merowe-Damm im Sudan.

Staudamm im Sudan

Flut zum Morgengebet

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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Die hessische Firma Lahmeyer International steht schon auf der "Schwarzen Liste" der Weltbank. Jetzt soll sie beim Bau eines Damms im Sudan ohne Vorwarnung ganze Dörfer geflutet haben. Von Johannes Dieterich

Die hessische Ingenieurfirma Lahmeyer International ist erneut ins Gerede gekommen. Nachdem das in Bad Vilbel ansässige Unternehmen bereits 2005 im Zusammenhang mit dem Bau von Staudämmen im südafrikanischen Bergstaat Lesotho wegen Korruption verurteilt und anschließend auf die schwarze Liste der Weltbank gesetzt wurde, droht der Firma nun ein Verfahren im Zusammenhang mit einem Staudammprojekt im Sudan.

Am Nil lebende Bevölkerungsgruppen werfen den Ingenieuren vor, während des Baus des rund 350 Kilometer nördlich der Hauptstadt Khartum gelegenen Merowe-Damms erheblichen Schaden an ihrem Eigentum verursacht zu haben, weil sie bei zwei Schließungen der Stauwehre in den Jahren 2006 und 2008 die Bevölkerung nicht unterrichtet hätten. Damals seien ganze, noch bewohnte Dörfer überschwemmt und das Vieh der Bevölkerung getötet worden, hieß es.

Wegen der Vorwürfe hat das Berliner "Europäische Zentrum für Verfassungs- und Menschenrechte" (ECCHR) jetzt bei der Staatsanwaltschaft in Frankfurt am Main Anzeige erstattet. Es ist das erste Mal, dass ein deutsches Unternehmen vor hiesigen Gerichten wegen Vergehen gegen Menschenrechte im Ausland zur Verantwortung gezogen werden soll. Noch steht nicht fest, ob die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Herbeiführung einer Überschwemmung, so der Straftatbestand, erheben wird: Dazu müsse zuerst ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werden, erklärte die Staatsanwaltschaft.

"Plötzlich stieg das Wasser"

In der Anzeige wird ein Betroffener mit dem Bericht zitiert, das Nilwasser sei eines Tages "während des Morgengebets plötzlich stark angestiegen und überflutete mein Haus". Die Fluten seien dermaßen schnell gestiegen, "dass ich nichts mehr retten konnte, weder das Vieh noch die Möbel noch sonstigen Hausrat", fügte der Bauer hinzu: Er habe mit seiner Familie in die Berge fliehen müssen, wo er sich nicht mehr selbst ernähren konnte.

Bei der Überflutung im Jahr 2006 hätten insgesamt 2740 Familien ihre Häuser und Habe verlassen müssen, teilte die Anwältin des Berliner Zentrums, Mirima Saage-Maaß, mit. Von der zweiten Flutung im Jahr 2008 seien ebenfalls rund 2000 Familien betroffen gewesen. Die von der Regierung geplanten Umsiedlungen seien zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollzogen gewesen, will das Berliner Zentrum wissen: Dies hätten die deutschen Ingenieure auch gewusst.

Lahmeyer weißt die Vorwürfe zurück. Die Anwohner seien rechtzeitig gewarnt worden, sagte der für den Staudamm-Bau mitverantwortliche Egon Failer gegenüber Spiegel Online: Berater seien "jahrelang zu Bestandsaufnahmen und Diskussionen in die Dörfer gefahren und haben zur Berechnung der Entschädigung sogar Dattelbäume gezählt." Den umgesiedelten Bauern gehe es heute "wirtschaftlich besser als früher", fügte Failer hinzu: Nur "200 bis 300 Personen" hätten sich zunächst geweigert, ihr Land zu verlassen, um "von der Regierung eine höhere Entschädigung zu erstreiten".

Die weltweit tätige Ingenieurfirma beschäftigt rund 900 Mitarbeiter und beaufsichtigt das 1,8 Milliarden Dollar teure Merowe-Staudammprojekt, das vor allem von chinesischen Bauunternehmen durchgeführt wird. Das größte Staudammprojekt Afrikas soll in drei Jahren fertiggestellt sein. Schon vor vier Jahren warnte die Gesellschaft für bedrohte Völker vor den negativen Auswirkungen auf die Bevölkerung.

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