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Kleines Kind im Flüchtlingslager Moria.

Flüchtlingslager

Europarat rügt Griechenland

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Das Anti-Folter-Komitee kritisiert die „unmenschlichen und entwürdigenden Bedingungen“ in griechischen Flüchtlingslagern. 

Überfüllte Lager, unzureichende ärztliche Versorgung, kein Schutz für Frauen und Minderjährige: Die skandalösen Zustände in den griechischen Flüchtlingscamps sind seit langem bekannt. Trotzdem ändert sich nichts an den Missständen. Jetzt rügt das Anti-Folter-Komitee des Europarats (CPT) Griechenland für den menschenunwürdigen Umgang mit Schutzsuchenden.

Eine Delegation des Komitees hatte im April vergangenen Jahres mehrere Erstaufnahmelager in der nordgriechischen Grenzregion zur Türkei, auf den ostägäischen Inseln und in Athen inspiziert. Sie sahen schmutzige Matratzen, verdreckte und defekte sanitäre Anlagen und Abfallberge. Im Lager Fylakio, in dem Geflüchtete untergebracht sind, die über den Grenzfluss Evros aus der Türkei kamen, waren die Schlafsäle so überfüllt, dass es pro Person kaum mehr als einen Quadratmeter Platz gab, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Bericht. Viele Menschen litten wegen der verheerenden hygienischen Bedingungen an Hautkrankheiten. Alarmierend ist aus Sicht der Inspekteure vor allem die Situation unbegleiteter Minderjähriger, die dem ständigen Risiko sexueller Gewalt ausgesetzt seien.

Die Geflüchteten, unter ihnen schwangere Frauen und Mütter mit kleinen Kindern, seien in den Lagern „unter unmenschlichen und entwürdigenden Bedingungen“ zusammengepfercht, stellt das CPT in dem Bericht fest. Mehrere Flüchtlinge hätten über Polizeibrutalität wie Schläge, Fußtritte und Knüppelhiebe geklagt. Manche Befragte hätten auch Massenzurückweisungen von Migranten über die türkische Grenze geschildert. Die griechische Regierung bestreitet das. Diese sogenannten Push-Backs sind nach europäischem Recht verboten.

Der Delegation des Anti-Folter-Komitees gehörten Strafvollzugsexperten, Ärzte und Psychologen an. Obwohl ihr Besuch fast zehn Monate zurückliegt, hat sich die Situation in den Lagern nach Aussage internationaler Hilfsorganisationen und nach dem Eindruck von Pressevertretern, die regelmäßig die Camps besuchen, seither nicht gebessert, sondern vielerorts sogar verschlechtert.

Nach Regierungsangaben vom Anfang dieser Woche leben in den sogenannten Hotspots, den fünf Erstaufnahmelagern auf den Inseln der östlichen Ägäis, 14 968 Menschen. Die staatlichen Camps haben aber nur eine Kapazität von 6438 Plätzen. Viele Geflüchtete sitzen seit weit über einem Jahr in den Lagern. Sie müssen dort so lange bleiben, bis über ihre Asylanträge entschieden ist. Das kann in Griechenland über ein Jahr dauern. Nach offiziellen Angaben sind derzeit 60 575 Asylanträge anhängig. Bearbeitet wurden im Januar nur 3875 Fälle.

Besonders krass ist die Überfüllung auf der Insel Samos, wo 3664 Personen in einem Lager für 648 Menschen hausen. Anfang dieser Woche schlug die Hilfsorganisation Refugee Support Aegean (RSA) Alarm. Obwohl die Regierung Verbesserungen versprochen habe, verschlechtere sich die Lage ständig. Der einzige Arzt im Lager habe seinen Dienst Anfang Februar quittiert, heißt es in dem Bericht von RSA. Unbegleitete Minderjährige müssten in Schichten schlafen, weil es nicht genug Matratzen für alle gebe.

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