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Etwa 50 Asylbewerber campierten am Wochenende im Zentrum Münchens. Sie verweigerten Essen und Trinken.

Asylbewerber Hungerstreik München

Flüchtlingshelfer angefeindet

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Nach Räumung des Münchner Hungerstreik-Camps durch die Polizei hagelt es gegenseitige Vorwürfe. Während die Politik von Rettungsaktion spricht, beklagt die Gegenseite fehlende Verhandlungsbereitschaft.

Nach Räumung des Münchner Hungerstreik-Camps durch die Polizei hagelt es gegenseitige Vorwürfe. Während die Politik von Rettungsaktion spricht, beklagt die Gegenseite fehlende Verhandlungsbereitschaft.

Die Verantwortlichen in München versuchen die Räumung des Flüchtlingscamps auf dem Rindermarkt als Rettungsaktion zu verkaufen: Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) und Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sprachen am Sonntag von akuter Lebensgefahr bei hungerstreikenden Asylbewerbern.

Ein Mensch habe wiederbelebt werden müssen, mehrere hätten schon im Koma gelegen, sagte Ude. Der Sprecher der protestierenden Gruppe, Ashkan Khorasani, habe Ärzten die Behandlung verwehrt. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bezeichnete Khorasani als „radikalen, kompromisslosen Rädelsführer“ und verwies darauf, dass er im Iran als Kommunist verfolgt worden sei.

Hungerstreikt seit knapp einer Woche

Die Version vom Ende des Hungerstreiks mehrerer Dutzend Asylbewerber will Alexander Thal vom Bayerischen Flüchtlingsrat nicht teilen. „Es gab im Camp der Flüchtlinge immer Vertrauensärzte, die sofort reagiert haben, wenn jemand bewusstlos wurde. Sie hatten Kontakt zu Ärzten, die vor dem Camp waren und zogen sie immer hinzu, wenn Hilfe nötig war“, sagte Thal.

Dass der Sprecher der Flüchtlinge angefeindet werde, sei falsch, sagte Thal im Gespräch mit der FR. Seit knapp einer Woche hatten Flüchtlinge unter anderem aus dem Iran, Sierra Leone und Äthiopien für mehr Rechte und bessere Behandlung mit einem Hungerstreik protestiert. Sie beklagten unter anderem die Residenzpflicht, Essenspakete und die katastrophalen Unterkünfte, in denen sie leben. Zuerst nahmen rund 100 Menschen an dem Protest teil. Seit Dienstag verzichtete eine Gruppe auch aufs Trinken.

Thal selbst hatte aber Kontakt zu den Demonstrierenden. Nach seiner Darstellung waren sie bereit, von ihrer Maximalforderung – der sofortigen Anerkennung als Asylberechtigte – abzurücken.
Auch hätten Politiker sowohl aus der SPD wie aus der CSU berichtet, dass durchaus Gesprächsbereitschaft im Krisenstab bestanden habe. Unter anderem soll die Rede davon gewesen sein, dass die obligatorischen Essenspakete für Asylbewerber, die sie statt Geld erhielten, abgeschafft werden sollten.

Vogel und Glück ohne Angebot

Bayerns Innenminister Herrmann ließ den früheren SPD-Politiker Hans-Jochen Vogel und den ehemaligen bayerischen Landtagspräsident Alois Glück (CSU) mit den Flüchtlingen reden – doch offenbar erfolglos. Glück ist heute Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).

Nach seinem Treffen mit den Flüchtlingen sagte er am Samstagabend: „Wir gehen bedrückt weg, weil wir sehen, dass die Gefahren für diese Menschen dadurch wachsen.“

Am Sonntag früh um fünf Uhr rückten Polizeibeamte in das Camp ein.

Die Verantwortung für die gescheiterten Gespräche sieht Thal bei der Politik. „Glück und Vogel haben definitiv nichts angeboten“, sagte er der FR. (mit dpa,epd)

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