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Kanzlerin Angela Merkel mit dem chinesischen Präsidenten Xi.

Besuch

Flüchtlinge sind auch in China das Thema

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Beim Besuch von Kanzlerin Angela Merkel in Peking bietet die chinesische Regierung ihre Hilfe an.

Alles ist sauber, der Himmel über Peking ist blau und blank wie selten, der Steinboden des Ehrenhofs vor der Großen Halle des Volkes wurde nun schon vom sechsten Mann gefegt. Fast vierzig Fahnen wehen im schönsten kommunistischen Rot im frischen Wind. Und unten, auf dem roten Teppich, läuft gelassen, fast im Kontrast zum strengen militärischen Zeremoniell, die deutsche Kanzlerin mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang. Sie reden im Gehen miteinander, Merkels Jackett passt gut zum roten Teppich. Es ist ein heller Tag, ohne Horst Seehofer, ohne die Frage nach Merkels Kanzlerschaft, ein Tag mit Salutschüssen für sie, die über den Platz des Himmlischen Friedens  donnern und lange nachhallen.

Unterschriften im Minutentakt

Und es ist ein Tag mit einer Menge guter Nachrichten, zumindest in Peking, zehn Flugstunden von Berlin und den Flüchtlingskrisen entfernt. Die kleinste gute Nachricht betrifft Berlin, die Stadt, in die Merkel schon am Freitagabend zurückkehren wird. In einer Pressekonferenz mit Premier Li sagt Merkel, man rede mit der chinesischen Regierung darüber, dass der Berliner Zoo ein neues Pandabären-Paar bekomme. Wie schön, aber wegen solcher Nachrichten fährt man nicht mit einer großen Wirtschaftsdelegation nach China.

Da geht es eher um die Momente vor der Pressekonferenz. Unter den Augen von Merkel und Li werden im Minutentakt Abkommen für die deutsche und die europäische Industrie unterzeichnet, für VW, für den Maschinenbauer Voith – und ein überraschend großes Geschäft  für Airbus.  Die chinesische Luftfahrt bekommt bis 2018 nun 130 neue Airbus-Maschinen, der Vertrag hat einen Wert von 17 Milliarden Dollar. Damit konnte man nicht rechnen.

Mit dem Jugendabkommen zwischen China und Deutschland dagegen schon. Schüler aus China werden nun also nach Deutschland und solche aus Deutschland nach China kommen, das ist schön und völkerverbindend. Für mehr Aufsehen sorgt dann aber die ebenfalls am grünen Samttisch besiegelte Kooperation zwischen der Frankfurter und chinesischen Börsen.

Li verspricht Hilfe

So also bewegt sich das deutsch-chinesische Verhandlungsleben zwischen harten Themen wie der schnelleren Vergabe von Visa einerseits und der Entsendung von DFB-Fußballtrainern an chinesische Schulen andererseits. In den meterhohen Sälen der Halle des Volkes klingt alles bedeutend und wichtig und zukunftsgewandt. Irgendwann aber bricht an diesem Morgen auch die Gegenwart in die Pekinger Pracht. Nein, nicht Seehofer, der ist immer noch weit weg, aber die Flüchtlingskrise bahnt sich einen Weg in die Halle des Volkes.

Ministerpräsident Li spricht es als erster an, das deutsche, das europäische Problem, und er wird überraschend deutlich. „Wir sind zutiefst bewegt über die Flüchtlingskrise. Diese Krise hat uns schmerzlich getroffen“, sagt er. Dann verspricht er Hilfen für die Länder in Afrika und im Nahen Osten. China engagiert sich also mit Geld und Gütern. Und politisch? Li sagt, die UN seien der richtige Ansprechpartner für die Lösung der Syrien-Krise. Und darüber hinaus? Wie weit wird Chinas Engagement gehen? So weit, wie manche Deutsche in Berlin es gerne hätten: Dass China Einfluss auf Russland nimmt, um in Syrien etwas anderes als Krieg zu erreichen? So weit, dass China sich in Afghanistan und Pakistan engagiert? Das ist dann doch komplizierter als ein Wirtschaftsabkommen oder die guten Absichten, sich in Zukunft nicht mehr gegenseitig die Wirtschaft auszuspionieren.

Gemeinsamkeiten in Afghanistan

Und doch ist China für Merkel mehr als ein Land der Märkte und der Investitionen. Am Nachmittag in Peking redet sie beim Bergedorfer Gesprächskreis der deutschen Körber-Stiftung, einem Forum für Politiker und Wissenschaftler. Wieder spricht sie über eine Außen- und Sicherheitspolitik, bei der China mehr als hilfreich sein dürfte und die etwas tun könnte gegen die Flüchtlingskrise in Europa. In Afghanistan, sagt Merkel, habe Deutschland ernste Erfahrungen gemacht – in einem Land, das an China grenzt; einem Land, dessen Stabilität sowohl für Deutschland als auch für China wichtig sein dürfte. „Da berühren sich trotz der großen Entfernung die nationalen Interessen“, sagt Merkel.

Weltpolitik konkret: Auch Staatspräsident Xi Jinping ist das ein Anliegen, der ein Abendessen für die Kanzlerin gibt. An diesem Freitag nimmt sich Premier Li dann noch einmal Zeit für den deutschen Gast. Merkel und Li fliegen gemeinsam in dessen Heimatprovinz Hefei im Osten Chinas. Das ist eine Ehre für die Kanzlerin, und es ist ein Tag, an dem sie noch weiter von Horst Seehofer entfernt ist. Für den Moment.

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