+
Migranten erreichen in einem spanischen Kutter den Hafen von Málaga. Jetzt, wo das Mittelmeer ruhiger ist, wagen wieder mehr Menschen die gefährliche Überfahrt.

Internierungslager

Flüchtlinge in Libyen erschossen

  • schließen

Etwa 140 Flüchtlinge versuchen, aus einem libyschen Internierungslager zu entkommen. Dabei werden mindestens 15 Menschen getötet.

Die Zustände in Internierungslagern in Libyen sind entsetzlich. Zehntausende von Menschen, vor allem Afrikaner, werden dort teils seit Jahren festgehalten, sie werden misshandelt, gefoltert, vergewaltigt, manche sogar als Sklaven verkauft. Etwa 140 Verzweifelte versuchten laut Vereinten Nationen in der vergangenen Woche, aus einem dieser Geheimgefängnisse in der Nähe der Stadt Bani Walid im Nordwesten des vom Bürgerkrieg zerrütteten Landes zu entkommen. Nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen wurden dabei mindestens 15 Flüchtlinge von Menschenhändlern erschossen. Die Überlebenden des Massakers seien vor allem Teenager aus Eritrea, Äthiopien und Somalia, die teilweise jahrelang festgehalten und schwer gefoltert worden seien. Die meisten hofften wohl dennoch, die Flucht über das Mittelmeer antreten zu können.

Wie viele Menschen genau in den Lagern festgehalten werden, ist unbekannt. Libyen ist seit Jahren ein Durchgangsland nach Europa und ein zerfallender Staat. Die schwache Regierung der Nationalen Einheit in Tripolis hat nur über wenige Landesteile die Kontrolle. Zu Lagern und Gefängnissen, die außerhalb ihres Einflussbereichs liegen, haben auch die UN und Hilfsorganisationen keinen Zugang, in diesen Gebieten arbeiten islamistische Milizen und Schleuser Hand in Hand und verdienen Milliarden am Handel mit der Ware Mensch. 
Für viele Flüchtlinge ist es keine Perspektive, in ihre Heimatländer zurückzukehren. Daran hat auch die Kooperation der libyschen und der italienischen Regierung zur Bekämpfung der illegalen Migration nichts geändert. Seither bringt die libysche Küstenwache mit Unterstützung der italienischen Marine verstärkt Bootsflüchtlinge auf das Festland zurück – dort droht ihnen dann erneut die Internierung. 

Macron setzt auf Neuwahlen  

Europa feiert es als Erfolg, dass nun weit weniger Menschen über das Mittelmeer kommen. Nach Zahlen von Hilfsorganisationen und auch der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind bisher in diesem Jahr knapp 11 000 Menschen nach Italien gekommen, das sind fast 80 Prozent weniger als noch vor einem Jahr. 

Jetzt, wo das Mittelmeer ruhiger ist, wagen wieder mehr Menschen die gefährliche Überfahrt. Allein in den vergangenen Tagen wurden rund 1500 Flüchtlinge von europäischen Grenzschützern und Nichtregierungsorganisationen aus Seenot gerettet. Nach Angaben der italienischen Küstenwache nahmen Marineschiffe und Schiffe von NGOs am vergangenen Freitag mehr als 1000 Menschen an Bord. Auch die deutschen Organisationen Sea Eye und Sea Watch waren beteiligt. 

Wie Mitarbeiter der in Regensburg ansässigen Organisation Sea Eye berichteten, trieben die Flüchtlingsboote teilweise manövrierunfähig auf dem Meer, in ein Boot drang bereits Wasser ein. An Bord waren mehr als 40 Frauen und acht Kleinkinder. Weil die sogenannte Mittelmeerroute aber so viel schwerer zu überwinden ist, versuchen nun wieder mehr Menschen, auch syrische Flüchtlinge, über die Türkei nach Griechenland zu gelangen. Aber auch nach Spanien kommen deutlich mehr Flüchtlinge als in den vergangenen Jahren. 

Europa setzt nach wie vor auf eine stärkere Kontrolle der Außengrenzen und will die gemeinsame Grenzschutzagentur Frontex stark ausbauen. Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) fordert sogar, Mitarbeiter der Frontex auch außerhalb der EU in sogenannten Drittstaaten einzusetzen. Der französische Präsident Emmanuel Macron unternimmt indes einen neuen diplomatischen Anlauf, um die Dauerkrise in Libyen zu lösen. Unter Schirmherrschaft der UN empfängt er am Dienstag den Chef der Regierung in Tripolis, Fajes al-Sarradsch, und den im Osten herrschenden General Chalifa Haftar sowie Vertreter aus anderen Ländern. Ziel der Gespräche soll sein, Neuwahlen zu organisieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion