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Männer aus dem Aufnahmelager Lipa bei Bihac verlassen das geschlossene Camp.
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Männer aus dem Aufnahmelager Lipa bei Bihac verlassen das geschlossene Camp.

Migration

Geflüchtete in Bosnien-Herzegowina: Von Europa ignoriert

  • vonAdelheid Wölfl
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Sie hoffen auf eine Weiterreise in die EU. Für die Geflüchteten ist aber schon in Bosnien-Herzegowina Schluss. Dort sind sie sich selbst überlassen.

  • In Bosnien-Herzegowina leben tausende Migrant:innen unter prekären Bedingungen.
  • NGOs fordern eine nachhaltige Lösung, um die Situation der Geflüchteten zu verbessern.
  • Ein Kanton in Bosnien-Herzegowina fühlt sich im Umgang mit den Menschen im Stich gelassen.

Die Männer stapfen im Schnee, frieren. Nachdem das Lager Lipa, etwa 25 Kilometer von der nordwestbosnischen Stadt Bihac entfernt, geschlossen wurde, sind 1400 Migrant:innen ohne jeglichen Schutz der Kälte und Nässe ausgeliefert.

Bosnien-Herzegowina: Migrant:innen protestieren gegen Lagerschließung

Die humanitäre Krise für die Migrant:innen in Bosnien-Herzegowina war absehbar. Aus Frust über die Schließung des Camps vor den Festtagen hatten einige der ehemaligen Bewohner:innen große Massenzelte im geräumten Lager Lipa angezündet. Sie wollten damit offenbar dagegen protestieren, dass es nun überhaupt keine Unterkunft mehr für sie gibt.

Nach der Schließung des Lagers brachen die Menschen in Richtung Bihac auf. Doch die lokale Polizei errichtete vor der Stadt zahlreiche Checkpoints, sodass die meisten der Menschen nicht in die Stadt hineingelangen konnten. Nur etwa 300 Personen konnten die Checkpoints umgehen und hausen jetzt in wilden Lagern oder in Abbruchhäusern, mitten im Dreck, in Räumen, meist ohne Fenster und Türen.

Die anderen etwa 1000 bis 1100 Menschen mussten auf Druck der Polizei zurück ins geschlossene und zudem großteils abgebrannte Lager Lipa zurückkehren. Dort gibt es noch das Essenszelt, das nicht niedergebrannt ist. Es dient jetzt als Schlafplatz.

Kritik am Umgang mit Geflüchteten: „Das Risiko, dass das hier Menschenleben kostet, ist viel zu groß.“

Die Internationale Organisation für Migration (IOM), die sich um das Camo gekümmert hatte, hat sich nach seiner Schließung zurückgezogen. Der Leiter der bosnischen Vertretung der IOM, Peter Van der Auweraert beschreibt die prekäre Situation und die drohende Gefahr für die hunderten Menschen – meist aus Afghanistan und Pakistan. „In dem Lager gibt es noch Generatoren und Diesel. Es besteht die Gefahr, dass die Migranten selbst beginnen, das Zelt aufzuheizen und dass es dann zu einem Feuer kommt. Die zweite große Gefahr ist, dass das Zelt unter der Last des Schnees zusammenbricht.“

Die IOM hatte sich unter anderem deswegen aus Lipa zurückgezogen, weil das Camp nicht winterfest war. „Lipa ist derzeit kein Ort, an dem man erlauben kann, dass sich dort 1000 Leute befinden“, warnt Van der Auweraert. „Das Risiko, dass das hier Menschenleben kostet, ist viel zu groß.“

Der Migrationsfachmann mahnt seit Tagen und Wochen angesichts der verzweifelten Situation eine politische Lösung ein. Doch diese zeichnet sich bisher nicht ab, wie Van der Auweraert bestätigt.

Bosnien-Herzegowina: Nachhaltige Hilfe für Geflüchtete gefordert

In Bosnien-Herzegowina kann es im Winter eisig kalt werden, vor allem, wenn es so viel schneit wie derzeit. Die IOM, der Danish Refugee Council und das Rote Kreuz teilen weiterhin Essen an die Migrant:innen aus. „Wir warten noch immer auf eine nachhaltigere und angemessenere Lösung“, so Van der Auweraert. Die Regierung des Kantons Una-Sana hatte in den vergangenen Jahren viel für Geflüchtete geleistet und fühlt sich überfordert. Es verweigert die Wiedereröffnung der Halle Bira in der Stadt Bihac. Dort könnten die Migrant:innen unterkommen und überwintern.

Die Halle Bira war im Sommer geschlossen worden, weil die lokale Bevölkerung von Bihac schon seit Jahren fordert, dass die Stadt an der Grenze zu Kroatien nicht mehr die Hauptlast der verstärkten Migration tragen sollte. Der Kanton Una-Sana fühlt sich vom Rest von Bosnien-Herzegowina im Stich gelassen.

Migrant:innen: Bosnien-Herzegowina ist Zwischenstation auf dem Weg in die EU

Die meisten Migrantinnen und Migranten wollen nur in den Kanton Una-Sana, weil sie von dort aus zum sogenannten „Game“ aufbrechen. Dabei handelt es sich um den Versuch, die stark gesicherte Grenze nach Kroatien zu überqueren und damit in die EU zu gelangen. Viele von ihnen tauchen dann in Italien unter.

Nur die allerwenigsten dieser Menschen haben eine Chance auf politisches Asyl. Viele werden unter großem Druck der Familien, nach Europa geschickt, um Geld zu verdienen. Die Reise nach Europa wird häufig von Familien oder gar Dorfgemeinschaften finanziert. Eine Rückkehr nach Hause ist Scham-beladen, weil sie damit diejenigen enttäuschen, die in sie Hoffnung auf ein besseres Leben „investiert“ hatten.

Geflüchtete in Bosnien-Herzegowina: 7000 Menschen hoffen auf Hilfe

In Bosnien-Herzegowina befinden sich derzeit etwa 7000 Migrantinnen und Migranten, davon gut 2500 im Kanton Una-Sana. Innerhalb von Bosnien-Herzegowina verweigern manche Kantone Hilfe für Kantone, durch die die Menschen durchkommen. Der Landesteil Republika Srpska lehnt seit Jahren jegliche Unterstützung ab. Und im östlichen Nachbarland Serbien sind die Aufnahmelager ebenfalls voll – mit rund 7000 Migrantinnen und Migranten. (Adelheid Wölfl)

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