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Hunderte Kriegsflüchtlinge und Armutsmigranten kommen täglich aus der Türkei über die Ägäis nach Griechenland. In diesem Boot sitzen 23 Migranten aus Syrien, dem Irak, Palästina und dem Iran. Doch auch Türken, die politisch verfolgt werden, kommen auf diesem Weg.

Griechenland

Türkische Regimekritiker ertrinken auf der Flucht vor Erdogan

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Fünf Menschen sterben bei der Überfahrt nach Griechenland. Immer mehr Kritiker des türkischen Präsidenten suchen Schutz im Nachbarland.

Vier türkische Familien besteigen an der Ägäisküste ein Boot. Die Dissidenten sind auf der Flucht vor politischer Verfolgung in ihrer Heimat und suchen Schutz in Griechenland. Aber das Boot kentert, sieben Passagiere ertrinken. Die Tragödie wirft ein Schlaglicht auf eine Flüchtlingsbewegung der besonderen Art: Immer mehr türkische Regimekritiker suchen Schutz in Griechenland.

Es sollte ihr Weg in die Freiheit sein. Doch für fünf Kinder und zwei Frauen wurde es eine Reise in den Tod. Am vergangenen Freitagmorgen kurz nach 10 Uhr entdeckte die Besatzung eines Patrouillenboots der EU-Grenzschutzagentur Frontex in der östlichen Ägäis vor der Küste der kleinen Inselgruppe Inousses ein gekentertes Boot. Die Frontex-Grenzschützer konnten zwölf Schiffbrüchige retten. Aber für sieben Menschen kam jede Hilfe zu spät: Zwei Frauen und fünf Kinder, darunter ein Säugling, konnten nur noch tot aus dem Meer geborgen werden. An Bord des Frontex-Bootes wurden die Überlebenden in den Hafen der Insel Chios gebracht. Dort gaben sie sich als türkische Staatsbürger zu erkennen und suchten um Asyl nach.

Zu Hunderten kommen jeden Tag Kriegsflüchtlinge und Armutsmigranten aus der Türkei über die Ägäis zu den griechischen Inseln. Die Zahlen haben sich gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Aber auch immer mehr Türken, die in ihrer Heimat politisch verfolgt werden, suchen Zuflucht in Griechenland. Die griechischen Behörden machen bisher keine Angaben zur Identität der Schiffbrüchigen von Inousses, um die Betroffenen zu schützen. Türkische Medien veröffentlichten dagegen bereits die Namen von einigen. Danach handelt es sich bei den Geflüchteten um vier Familien, darunter einen Jura-Professor der Universität Selcuk und seine Frau, auch sie eine Hochschullehrerin. Sie wurden im Zuge der „Säuberungen“ nach dem Putschversuch vom Juli 2016 als mutmaßliche Anhänger des Predigers Fethullah Gülen entlassen.

Die Entlassung bedeutet für die Betroffenen die Vernichtung ihrer Existenz: Sie verlieren Pensionsansprüche und Krankenversicherung. Sie haben praktisch keine Chance, irgendwo in der Türkei Arbeit zu finden, dürfen aber auch nicht ausreisen, weil ihre Pässe konfisziert werden. Immer mehr versuchen deshalb nach Europa zu fliehen. Während 2016 noch 186 Türken in Griechenland Asyl beantragten, stieg die Zahl in den ersten acht Monaten 2019 auf 2540.

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