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SPD-Wahlkampfmanager Kajo Wasserhövel spricht über das Superwahljahr.

Interview mit Kajo Wasserhövel

"Flotte Sprüche lösen keine Probleme"

SPD-Wahlkampfmanager Kajo Wasserhövel im FR-Interview über den Vertrauensverlust seiner Partei, die Taktik der Bundeskanzlerin und die Lehren aus der Obama-Kampagne.

Herr Wasserhövel, in wenigen Tagen wollen Union und SPD ein milliardenschweres Konjunkturpaket vorlegen. Gleichzeitig werden beide Parteien im Wahljahr aufeinander einprügeln. Ist das nicht schizophren?

Nein. Weder die Union noch wir haben 2005 die große Koalition gesucht. Wir waren durch das Wahlergebnis gezwungen, dieses Bündnis einzugehen. Und wir haben viele gute Sachen auf den Weg gebracht. Natürlich muss die Bundesregierung jetzt das Land gemeinsam in einer schweren wirtschaftlichen Krise wetterfest machen. Wir müssen jetzt anpacken, für unser Land. Die Zeiten eines zugespitzten Wahlkampfes kommen noch früh genug.

Die absehbare Niederlage in Hessen verhagelt Ihnen aber ganz schön den Auftakt des Superwahljahres.

Die Wahl in Hessen ist am 18. Januar. Bis dahin kämpfen Thorsten Schäfer-Gümbel und die hessische SPD mit unserer Unterstützung darum klarzumachen: Es geht bei der Wahl nicht um Haltungsnoten für das vergangene Jahr. Sondern es geht um die Frage, welche Politik in Hessen in den nächsten vier Jahren gemacht wird.

Mehr als 50 Prozent der Hessen wollen Schwarz-Gelb.

Vor allem wollen die Bürgerinnen und Bürger eine moderne und gerechtere Bildungspolitik, sie wollen eine Landesregierung, die in sozialen Fragen an ihrer Seite steht und auch für den Mindestlohn streitet. Diese Fragen müssen wir ins Zentrum stellen. Dann werden wir sehen, wie es am Wahlabend aussehen wird.

Auch bundesweit verharrt die SPD im Umfrageloch.

Generell beeindrucken mich Umfragen wenig. Bis zur Bundestagswahl wird es davon wahrscheinlich noch mehr als hundert geben.

Wann und mit welchen Themen soll der Bundestagswahlkampf denn richtig losgehen?

Die Phase der Zuspitzung wird im Frühsommer beginnen. Ganz zentral wird die Frage der wirtschaftlichen Entwicklung und des Schutzes von Arbeitsplätzen sein.

In der Wirtschaftskrise schauen die Wähler auf die Kanzlerin. Wen interessiert da die SPD?

Die Arbeit von Frau Merkel war in den zurückliegenden Wochen nicht überzeugend. Viel Taktik, keine Linie. Das empfinden offenbar auch die Bürgerinnen und Bürger so, denn ihre persönlichen Zustimmungswerte bröckeln. Die Menschen finden es beruhigend, dass Peer Steinbrück sich um die Finanzmarktkrise kümmert und nicht Michael Glos. Und sie sehen, dass Frank-Walter Steinmeier frühzeitig den Schutzschirm für Arbeitsplätze vorbereitet und durchgesetzt hat.

Die Sympathiewerte für Steinmeier helfen der SPD aber nicht.

Abwarten. Das wird noch kommen. Die Bundestagswahl ist in neun Monaten. Natürlich hat die SPD in den vergangenen Jahren Vertrauen verloren und muss das nun zurückgewinnen. Ich glaube aber, dass wir in diesem Jahr gute Chancen haben, uns durchzusetzen.

Das klingt ja fast wie "Yes, we can!". Aber im Ernst: Was können Sie vom neuen US-Präsidenten Barack Obama lernen?

Dass man mit Klarheit, Beständigkeit und Ausdauer eine Wahl gewinnt.

Sie persönlich galten lange als Schattenmann von Franz Müntefering. Ärgert Sie das?

Ich arbeite sehr gerne mit Franz Müntefering zusammen und habe das nie als schattig empfunden. Ich habe immer meinen eigenen Kopf und meine eigenen Ideen.

Nun kandidieren Sie für den Bundestag. Ist das Ihr politisches Coming-out?

Manche sehen das so. Aber ich bin seit 30 Jahren in der SPD und habe schon lange Politik gemacht. Insofern kann ich über eine solche Einsortierung nur schmunzeln.

Was wollen Sie beweisen, indem Sie in Treptow-Köpenick ausgerechnet Linkspartei-Fraktionschef Gysi herausfordern?

Dass die Zeit dieses flachen Populismus vorbei ist. Flotte Sprüche lösen kein Problem.

Interview: Karl Doemens

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