US-Wahl 2020

Donald Trump punktet in Florida: Latinos wenden sich von Joe Biden ab

  • Christian Stör
    vonChristian Stör
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Florida ist der Swing State bei der Präsidentschaftswahl. Die Stimmen der Latinos könnten entscheiden, er am Ende das Rennen um das Weiße Haus gewinnt.

Kissimmee – So kannte man Joe Biden bisher noch nicht. Er trat auf die Bühne, ging ans Rednerpult – und machte auf einmal Musik. Zumindest holte er sein Smartphone hervor und ließ den spanischsprachigen Popsong „Despacito“ erklingen, mit dem Luis Fonsi 2017 einen weltweiten Hit gelandet hatte.

„Los geht’s, tanz ein bisschen, Joe. Komm schon“, rief Fonsi, der genauso wie Sänger Ricky Martin und Schauspielerin Eva Longoria vor Ort war. Joe Bidens Vorstellung fiel allerdings ein wenig steif aus, immerhin wippte und schunkelte er ein wenig zur Musik. bevor er das Lied wieder abschaltete und sein Handy in die Tasche steckte.

Joe Biden kämpft in Florida um die Stimmen der Latinos

Der erste Wahlkampfauftritt von Joe Biden im US-Bundesstaat Florida richtete sich vor allem an eine Wählergruppe. Etwa 3,1 Millionen Latinos sind bei der Präsidentschaftswahl am 3. November in Florida stimmberechtigt, das sind knapp 20 Prozent der gesamten Wählerschaft im Sonnenstaat. „Die hispanische Gemeinschaft hält das Schicksal dieses Landes in der Hand“, sagte Biden bei seinem Auftritt in Kissimmee. „Ich bitte um ihre Stimme. Ich werde jeden Tag hart arbeiten, um sie zu bekommen.“

Joe Biden kämpft in Florida um die Stimmen der Latinos.

Tatsächlich steht Joe Biden ein schwerer Kampf bevor. Denn die Zeiten, in denen die Latinos quasi wie automatisch mehrheitlich die Demokraten unterstützen, scheinen vorbei. Eine Umfrage von NBC News/Marist hat jetzt jedenfalls für ein Beben in Florida gesorgt. Während Barack Obama und Hillary Clinton noch eine deutliche Mehrheit sicher hatten, liegt Biden in dieser eminent wichtigen Wählergruppe plötzlich mit vier Punkten im Rückstand. Das ist ein Schock für die Demokraten, denn ohne die Stimmen der Latinos ist ein Erfolg in Florida im Grunde kaum möglich.

So lief die Wahl in Florida 2016

Wahlbeteiligung75 %
KandidatenDonald TrumpHillary Clinton
VizeMike PenceTim Kaine
ParteiRepublikaner Demokraten
Stimmen4.617.8864.504.975
Prozent49,02 %47,82 %

Nun ist Joe Biden zwar nicht unbedingt auf die 29 Wahlstimmen von Florida angewiesen, um ins Weiße Haus einzuziehen, ein Sieg würde den Weg dorthin allerdings deutlich erleichtern. In der Tat schätzen Experten die Wahrscheinlichkeit, dass Biden im Falle eines Sieges in Florida auch ins Weiße Haus einzieht, auf bis zu 96 Prozent. Eine Wende könnte Donald Trump wohl nur dann noch schaffen, wenn für Biden danach alles schiefgeht, was überhaupt nur schiefgehen kann.

Zudem dürfte Florida gerade in diesem Corona-Jahr einer der ersten Staaten sein, der sein Ergebnis am Wahlabend verkündet. Eine Niederlage in Florida würde Trump den Wind aus den Segeln nehmen und es ihm deutlich schwerer machen, sich vor Auszählung aller Stimmen in sämtlichen Bundesstaaten einfach selbst zum Sieger zu erklären.

Latinos in Florida sehen Joe Biden skeptisch

Warum aber tut sich Joe Biden in Florida so schwer mit der Wählergruppe der Latinos? In Colorado, New Mexico, Nevada, Arizona oder Texas ist das ja nicht der Fall. Offenbar ist es Donald Trump in Florida tatsächlich gelungen, Joe Biden als Werkzeug der „Sozialisten“ zu brandmarken. Das dürfte nämlich gerade bei jenen Menschen Eindruck machen, deren Familien vor sozialistischen oder kommunistischen Regimen in Kuba, Nicaragua oder Venezuela geflohen sind.

Zudem sind vor allem diejenigen, die kubanischer Herkunft sind, ohnehin sehr viel eher den Republikanern gewogen. Anders sieht es dagegen bei den Puertoricanern aus, die mehr den Demokraten zuneigen. All diese unterschiedlichen Zielgruppen gleichermaßen anzusprechen, ist aber kaum möglich.

Zweite Umfrage aus Florida macht Joe Biden Mut

Doch es gibt auch gute Nachrichten für Joe Biden. Denn eine Umfrage der Monmouth University zeichnete ein ganz anderes Bild der Situation in Florida. Während demnach 58 Prozent der Latinos ihre Stimme Biden geben wollen, kommt Trump nur auf 32 Prozent. Dieses Ergebnis erinnert schon sehr viel mehr an 2016 als die Umfrage von NBC News/Marist.

Doch trotz ihres Vorsprungs unter den Latinos musste sich Hillary Clinton damals in Florida geschlagen geben. Joe Biden wird also noch ein paar Stimmen gebrauchen können. Ob sein „Despacito“-Auftritt ihm dabei geholfen hat? (Von Christian Stör)

Rubriklistenbild: © afp/JIM WATSON

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