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„Völlige Verwirrung und Uneinigkeit“: Offiziere fliehen von der Front

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Von: Stefan Krieger

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Die russischen Truppen müssen im Krieg in der Ukraine immer wieder hohe Verluste hinnehmen. Die Moral der Führungskräfte scheint nicht besonders ausgeprägt zu sein.

Moskau – Immer mehr russische Militäroffiziere fliehen vor den Kämpfen in der Ukraine. Dies behauptet ein Soldat, der im Rahmen des Befehls zur Teilmobilisierung des russischen Präsidenten Wladimir Putin eingezogen wurde, gegenüber dem Nachrichtenportal Verstka.

Der Soldat, der eigenen Angaben zufolge den Beschuss durch ukrainische Truppen in der Nähe von Makiivka in der Region Luhansk überlebt hat, gab an, dass die Kommandeure seiner Einheit am 2. November von der Frontlinie geflohen seien. Dies sei geschehen, während sein gesamtes Bataillon den Befehl erhalten habe, Gräben auszuheben und Verteidigungspositionen zu halten. Oleksiy Agafonov, so der Name des Soldaten, sagte, dass der ukrainische Beschuss an einem einzigen Tag bis zu 500 russische Soldaten getötet haben dürfte.

Ukraine-Krieg: „Völlige Verwirrung und Uneinigkeit“ in der russischen Armee

„Wir wurden an Land geworfen, sie sagten uns, wir sollten uns eingraben, wir hatten drei Schaufeln pro Bataillon … wir gruben uns ein, so gut wir konnten, und am Morgen begann der Beschuss – Artillerie, Mörser, Hubschrauber, wir wurden einfach beschossen“, so Agafonov. „Als es losging, rannten die Offiziere sofort weg. Zwischen dem Beschuss versuchten wir, uns zu verschanzen, aber die Hubschrauber entdeckten uns sofort und schossen einfach auf uns.“

Ein russischer Soldat patrouilliert in einem zerstörten Wohngebiet in der Stadt Sewerodonezk.
Ein russischer Soldat patrouilliert in einem zerstörten Wohngebiet in der Stadt Sewerodonezk. (Archivbild) © Olga Maltseva/afp

Agafonov gab an, dass russische Männer, die im Rahmen von Putins Mobilisierungserlass vom 21. September eingezogen wurden, nicht kämpfen wollen, und dass mobilisierte Menschen aus dem ganzen Land an die Front gebracht werden, um die Lücken in der Verteidigung zu schließen. Seinen Angaben zufolge herrscht innerhalb des russischen Militärs „völlige Verwirrung und Uneinigkeit“.

Erst kürzlich hatte das britische Verteidigungsministerium gemeldet, dass die Offiziere der russischen Einheiten dazu angehalten sind, auf desertierende Soldaten im Ukraine-Krieg zu schießen.

Ukraine-Krieg: Russen erschießen eigene Soldaten

Das britische Verteidigungsministerium erklärte in einer Einschätzung des Konflikts am vergangenen Freitag, dass die russischen Streitkräfte wahrscheinlich damit begonnen haben, „Sperrtruppen“ oder „Blockiereinheiten“ einzusetzen, um gegen eigene Soldaten vorzugehen, die „aufgrund einer niedrigen Moral“ nicht bereit sind zu kämpfen. „Diese Einheiten drohen damit, ihre eigenen, sich zurückziehenden Soldaten zu erschießen. Sie wurden bereits in früheren Konflikten von den russischen Streitkräften eingesetzt“, so das Verteidigungsministerium Großbritanniens.

Der britische Geheimdienst gab an, dass die Taktik, Deserteure zu erschießen, „von der geringen Qualität, der niedrigen Moral und der Disziplinlosigkeit der russischen Streitkräfte zeugt.“ (skr)

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