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Finnlands Staatschefin Marin: Ohne die USA wäre Europa „in Schwierigkeiten“

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Von: Sandra Kathe

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Die finnische Regierungschefin Sanna Marin plädiert vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs auf eine Stärkung der europäischen Verteidigungsstrategien.

Sydney/Helsinki – Im Rahmen ihres Australien-Besuchs hat sich die finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin kritisch über die Fähigkeiten Europas geäußert, die Ukraine bei der Verteidigung der russischen Aggressionen zu unterstützen. Dabei betonte sie im Gespräch mit dem australischen Lowy-Institut in Sydney, dass Europa ihrer Ansicht nach ohne die Hilfe der USA „jetzt in Schwierigkeiten“ sei.

So sagte Marin, die russische Invasion in der Ukraine vor über einem dreiviertel Jahr habe sowohl Europas Schwächen als auch strategische Fehler im Umgang mit Moskau offengelegt. So hätten viele europäische Staaten lange Zeit die Strategie verfolgt, „unsere wirtschaftlichen Beziehungen zu stärken, Energie von Russland zu kaufen“ und so geglaubt, einen Krieg zu verhindern. Dieser Ansatz habe sich als „vollkommen falsch“ herausgestellt.

Die finnische Staatschefin Sanna Marin warnt Europa davor, so weiterzumachen wie bisher.
Die finnische Staatschefin Sanna Marin warnt Europa davor, so weiterzumachen wie bisher. © Saeed Khan /AFP

Finnlands Staatschefin Marin: Europa ist bislang „nicht stark genug“

Stattdessen habe sich gezeigt, dass Europa bei der Bereitstellung der nötigen Hilfen gegenüber der Ukraine deutlich auf die Unterstützung der USA angewiesen war, die bei der Versorgung Kiews mit Waffen, Geld und humanitärer Hilfe die entscheidende Rolle gespielt hätte. Europa hingegen hätte sich in Zeiten des Ukraine-Kriegs bislang als „nicht stark genug“ erwiesen.

Das müsse sich nach der Forderung von Marin nun ändern: „Wir müssen sicherstellen, dass wir solche Möglichkeiten im Hinblick auf die europäische Verteidigung sowie die Europäische Verteidigungsindustrie ebenfalls aufbauen“. Das sei nötig, um in Europa auf verschiedenste Situationen reagieren zu können.

Russlands Nachbarland Finnland wird vermehrt Opfer von Cyberangriffen

In Russland unter Machthaber Wladimir Putin sehe Marin auch eine Bedrohung für ihr eigenes Land. Die zeige sich nicht nur in Form der Drohungen, die Russland bereits ausgesprochen hat für den Fall, dass die Nato-Beitrittsgesuche von Schweden und Finnland zu einer Aufnahme führen. Nach Informationen der britischen Zeitung The Guardian sei auch die Zahl der Hackerangriffe auf „kritische Ziele“ in Finnland um rund ein Drittel gestiegen.

Das Land, das eine 1300 Kilometer lange Grenze mit Russland teilt, rechne damit, dass auch im Laufe des Winters vermehrt Cyber-Attacken anstehen. Das kündigte Antti Pelttari, Chef des finnischen Sicherheits- und Nachrichtendiensts Supo, bereits im September an. Dennoch zeigt sich das Land, das in den 1940er Jahren in zwei Kriegen gegen Russland um seine Unabhängigkeit kämpfte, auch für die Ukraine betont optimistisch. Die Geschichte Finnlands zeige, dass man erfolgreich und gestärkt aus einem Krieg mit Russland hervorgehen könnte, betonte Marin: „Wir müssen auch den Ukrainer:innen die Hoffnung geben, dass sie eine Zukunft haben.” (ska mit AFP)

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