1. Startseite
  2. Politik

Vor dem Kriegswinter: Finnland bietet Ukraine Waffen-Training an

Erstellt:

Von: Florian Naumann

Kommentare

Finnlands Präsident Sauli Niinistö bei seinem Besuch in Nordkarelien.
Finnlands Präsident Sauli Niinistö bei seinem Besuch in Nordkarelien. © Jouni Mölsä/Tasavallan presidentin kanslia

Finnland will der Ukraine vor dem Kriegswinter helfen. Politiker im Land erinnern auch an den Winterkrieg gegen die Sowjetunion.

Joensuu/Helsinki – Finnlands Armee trainiert dieser Tage in der Region Nordkarelien den Kampf unter winterlichen Bedingungen. Dabei hat sich Präsident Sauli Niinistö am Dienstag (29. November) selbst im weißen Winter-Tarn gezeigt – und der Armee der Ukraine indirekt Waffenausbildung angeboten.

Dieser Art der Unterstützung stehe nichts entgegen, sagte Niinistö laut einem Bericht des Senders YLE auf eine Journalistenfrage. Training an Waffen sei sinnvoll, besonders an jenen Systemen, die Finnland in den Ukraine-Krieg liefere. „Wir wissen, wie man sie benutzt“, erklärte der konservative Staatschef.

Ukraine: Erinnerungen an Finnlands „Winterkrieg“ – Marin will Land gegen Russland „gewinnen“ sehen

Noch bis zum Freitag läuft die Truppenübung in der an Russland grenzenden Region. Im Winterkrieg in den 1939/1940 hatten Finnland und die Sowjetunion in Karelien gekämpft. Die zahlenmäßig unterlegene finnische Armee stoppte damals den sowjetischen Angriff, musste aber Teile der Region abtreten.

Diese Vorgeschichte war am Dienstag nicht Thema. Im politischen Diskurs spielt sie aber durchaus eine Rolle. „Die Sowjetunion hat Finnland vor 83 Jahren angegriffen. Nach dem Winterkrieg haben wir unsere Unabhängigkeit bewahrt“, twitterte Antti Häkkänen, Vize-Chef der zweitgrößten Oppositionspartei NCP, am Mittwoch. „Aufgrund unserer Historie wissen wir, wie wichtig Freiheit ist. Die Unterstützung der Finnen für die Ukraine ist stark und standhaft.“ Ministerpräsidentin Sanna Marin betonte unterdessen bei einem Besuch in Neuseeland Solidarität. „Wir müssen sicherstellen, dass sie gewinnen werden“, sagte sie laut der Nachrichtenagentur AP.

Klar ist, dass der nahende Winter die Vorzeichen im Ukraine-Krieg verändern wird. Nato-Chef Jens Stoltenberg warnte beim Nato-Außenministertreffen in Bukarest, Wladimir Putin versuche, den Winter als Kriegswaffe einzusetzen und die Ukrainer zu zwingen zu frieren oder zu fliehen. Das Land könne aber auf die Hilfe der Nato zählen. Deutschlands Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) dachte laut über alternative Wege der Stromversorgung für die Ukraine nach.

Finnland kritisiert Erdogan: „Die Lösung liegt im Kopf eines Mannes“

Finnland ist nach wie vor nicht Mitglied der Nato – trotz prinzipieller Einigung fehlt die Zustimmung der Türkei für den Beitritt. Niinistö übte deshalb bei dem Termin in Nordkarelien Kritik am türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan. „Für mich ist recht klar, dass die Lösung im Kopf eines Mannes liegt, in dem von Präsident Erdogan“, erklärte er YLE zufolge. „Das wird beeinflusst von den türkischen Wahlen und der Innenpolitik der Türkei.“ Der Beitritts-Prozess sei zwar schnell vorangeschritten, das finale Ergebnis könne aber noch auf sich warten lassen. Auch Ungarn hat noch kein grünes Licht gegeben. Möglicherweise aufgrund eines EU-internen Streits.

Auch andere Folgen des Ukraine-Kriegs bekommt Finnland indes zu spüren: Nach Behörden-Schätzungen könnten sich derzeit „Tausende“ Russen im Land aufhalten, um der Teilmobilisierung Putins zu entgehen. Aktuell könnte den Männern in Russland eine neue Mobilisierungswelle drohen. (fn)

Auch interessant

Kommentare