Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Porträt

Filmheld der Hamas

  • Martin Gehlen
    VonMartin Gehlen
    schließen

Hamaswood statt Hollywood", protzte der palästinensische Innenminister im Gazastreifen, als er das neueste Projekt im Autonomiegebiet vorstellte. An vielen

Hamaswood statt Hollywood", protzte der palästinensische Innenminister im Gazastreifen, als er das neueste Projekt im Autonomiegebiet vorstellte. An vielen Ecken in Gaza-Stadt stößt man dieser Tage auf Plakate, die für den ersten von der Hamas produzierten Spielfilm werben. Sie zeigen einen entschlossen dreinblickenden Helden mit Sturmgewehr, im Hintergrund davonlaufende israelische Soldaten.

Der Regisseur des Films, Maged Jendia, hat in Berlin studiert, und in seinem Herzen ist er Berliner geblieben. Zehn Jahre lang hat der heute 42-Jährige in Moabit gelebt. Das Ingenieurstudium an der Technischen Universität Berlin warf er nach sechs Jahren hin und wechselte an die Hochschule der Künste, wo er bei dem Regisseur und Schauspieler Wolfgang Kroke das Filmhandwerk erlernte. Kroke war Regie-Assistent Volker Schlöndorffs bei der "Blechtrommel", der als erster deutscher Film einen Oskar gewann.

1996 kehrte Filmschüler Jendia schließlich auf Wunsch seiner Familie in den Gazastreifen zurück. "Kein Bier mehr und kein Tanzen, das ist mir sehr schwer gefallen", sagt er heute. Seither hat er den von der Außenwelt abgeschotteten Küstenstreifen nur noch ein einziges Mal verlassen, zum Kurzbesuch eines Fernsehfestivals in Kairo.

Am Samstag kommt sein aktueller Film ins Kino, das heißt ins Kulturzentrum von Gaza-Stadt, dem einzigen Ort, wo Filmvorführungen möglich sind. Umgerechnet zwei Euro muss berappen, wer das 150 Minuten lange Opus sehen will, die Saga von Emad Akel, einem legendären Hamas-Kämpfer aus den frühen neunziger Jahren.

In der Bevölkerung hieß der damals 23-jährige Emad Akel nur "der Geist", weil er in zahllosen Verkleidungen operierte, einmal sogar als jüdischer Siedler mit Kippa. Jahrelang stand Akel ganz oben auf der israelischen Fahndungsliste, weil er an der Ermordung von elf israelischen Soldaten beteiligt gewesen sein soll. 1993 wurde er schließlich bei einem Gefecht im Gazastreifen getötet. Die bei westlichen Helden übliche Romanze entfällt allerdings bei Filmheld Akel. "Bei uns sind Frauen eben nur Schwestern oder Mütter", kommentiert der Hamas-Regisseur achselzuckend.

Maged Jendia denkt oft an Deutschland, selbst 13 Jahre nach seiner Rückkehr in den Gazastreifen. Er vermisst das ferne Land sogar. Während des Gazakriegs habe er immer die Gedächtniskirche als Mahnmal für die Brutalität eines jeden Kriegs vor Augen gehabt. "Zum ersten Mal sind jetzt auch unsere Moscheen bombardiert und zerstört worden", sagt der Regisseur, der zu den Gebetszeiten im Studio Vorbeter ist. "Das hat mich tief verletzt."

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare