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François Fillon bevorzugt einen konservativen Zwirn.

Frankreich

Fillons gefährliche Garderobe

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Der konservative Präsidentschaftskandidat will Frankreich hart sparen lassen - während er sich selbst allen Luxus leistet und obendrein beschenken lässt.

Der französische Präsidentschaftswahlkampf steht vor einer entscheidenden Woche. Der bisherige Spitzenreiter François Fillon, den seine Republikaner-Partei bereits sicher im Elysée-Palast glaubte, hat am Mittwoch einen Termin bei drei Untersuchungsrichtern. Sie könnten gegen ihn ein Strafverfahren wegen Veruntreuung öffentlichen Geldes eröffnen, da Fillon seine Frau Penelope jahrelang und fürstlich als parlamentarische Assistentin entlohnte, ohne dass die was tat.

„Ich mache mir keine Illusionen“, sagte Fillon am Montag zur Frage des Strafverfahrens. Vor einigen Wochen noch hatte er deklamiert, er würde seine Kandidatur im Fall einer Verfahrenseröffnung zurückziehen. Jetzt tritt er an, komme, was da wolle.

Um von seiner Affäre abzulenken, präsentierte Fillon am Montag mit viel Tamtam sein Wirtschaftsprogramm, obwohl dessen Kerninhalt längst bekannt ist. Das Rentenalter soll von 62 auf 65 Jahre steigen, die 35-Stunden-Woche gestrichen und die Arbeitslosenentschädigung gedeckelt werden.

Die radikalen Vorschläge wären eine Zeitenwende für Frankreich. Bloß: Die Schlagzeilen des Tages kümmerten sich nicht um Fillons Austeritätsprogramm, sondern um seine Garderobe. Er soll in den vergangenen fünf Jahren auf eher obskure Weise zu Zwirn im Wert von 48 500 Euro gekommen sein. „Ein Freund“ habe ihm im Februar zwei Anzüge der Pariser Nobelschneider Arnys für 13 000 Euro bezahlt, berichtete „Le Journal du Dimanche“. Der Scheck kam offenbar von der Bank Monte dei Paschi di Siena, wo laut Medien viel russisches Geld durchfließt – Fillon gilt als Freund Russlands. Blazer, Maßhosen und Parkas im Umfang von 35 500 Euro soll er größtenteils in bar geregelt haben.

Fillon bezeichnete die Ausgaben am Montag als Teil seines „Privatlebens“ und bockte: „Ein Freund hat mir Anzüge geschenkt – na und?“ Wieder werde er auf alle Arten attackiert, weil er Frankreich radikale Reformen verpassen wolle. Vergangene Woche hatte „Le Canard Enchaîné“ berichtet, Fillon habe einen Kredit über 50 000 Euro, den er von einem reichen Geschäftsfreund erhalten habe, den Steuerbehörden nicht deklariert.

Nicht diese einzelnen Details, sondern der Gesamteindruck erinnert viele Franzosen an die „Bling-bling“-Amtszeit von Expräsident Nicolas Sarkozy. Sein langjähriger Premierminister steht nicht so sehr auf Glitzer und Glamour: Fillon mag eher konservative Klasse, wie sein schlossähnliches Landgut bei Le Mans beweist. Die Zeitung „Le Monde“ meinte allerdings, hinter dem gutbürgerlich-rechtschaffenen Erscheinungsbild des diskreten Katholiken scheine eher ein „misanthroper Taktiker und Verheimlicher“ durch.

Auch wenn die jüngsten Angaben zu seinem Finanzgebaren ohne Rechtsfolgen bleiben dürften, sind sie für den Betroffenen wahlpolitisch verheerend – und für Marine Le Pen ein gefundenes Fressen. Die Rechtspopulistin fragte am Montag, ob jemand für den höchsten Posten im Staat charakterlich geeignet sei, wenn er „das Geld so liebt“.

In den Umfragen verliert Fillon zunehmend an Boden: Mit 19 Prozent liegt er immer klarer hinter Le Pen und Emmanuel Macron mit jeweils rund 25 Prozent. Die Presse fragt, ob Le Pen bald nur noch ein Konkurrent verbleibe. Was, wenn der unerfahrene Wahlkämpfer Macron in den nächsten sechs Wochen auch noch strauchelt? In dem Fall würde ein Sieg Le Pens real möglich.

Die Republikaner wissen jedenfalls nicht mehr ein noch aus. Der einflussreiche Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi, hatte vorige Woche schon gewarnt: „Fillon kann nicht mehr gewinnen.“ Verzweifelte Republikaner sammeln nun in aller Diskretion Unterschriften für Fillons gemäßigten Parteifreund Alain Juppé – obwohl der eine Ersatzkandidatur offen ablehnt. Bis Freitag müssen die Bewerber für ihre Kandidatur 500 gewählte Politiker als Paten vorweisen. Der Nichtkandidat Juppé kommt schon auf fast 300.

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