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Serbiens Präsident Vucic – Feuerwehrmann für selbst geschürte Brände

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Von: Thomas Roser

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Serbiens Präsident Aleksandar Vucic
Serbiens Präsident Aleksandar Vucic © Ludovic Marin/afp

In den serbischen Medien wird Aleksandar Vucic als „Sieger“ des abgeblasenen Barrikadenkampfs gefeiert. Zu weiteren Lasten seines Ansehens in der EU.

Belgrad – Serbiens Staatschef Aleksandar Vucic kündigte in der Nacht zum Donnerstag (29. Dezember) persönlich das Ende des von Belgrad inszenierten Barrikadenkampfs in Nordkosovo an. „Die Barrikaden werden entfernt, das Misstrauen nicht“, so der Chef der nationalpopulistischen SNS nach einem zweistündigen Treffen mit Vertreter:innen der Kosovo-Serben in Raska. Falls Pristina sich nicht an die von der EU und den USA gegebenen Garantien halten sollte, von einer Verfolgung der Barrikaden-Besetzer abzusehen, „werden die Serben Nordkosovo für immer abschließen“.

An den Grenzübergängen zu Serbien wurden bereits am Donnerstagfrüh nach 19 Tagen der Selbstblockade die ersten LKW-Barrikaden im überwiegend serbisch besiedelten Nordkosovo wieder geräumt. „Sieg!“ titelten derweil in Belgrad die regierungsnahen Boulevardblätter unisono. „Die entführten Serben sind befreit!“, vermeldete freudig der „Informer“. „Dies ist ein großer Sieg – vor allem für das serbische Volk in Kosovo“, versicherte Peter Petkovic, der Chef von Serbiens Kosovo-Kanzlei.

Serbiens Präsident Aleksandar Vucic - weiteren Kredit bei der EU verspielt

Tatsächlich wurde mit der vorläufigen Entlassung von zwei verhafteten Ex-Polizisten der Kosovo-Serben eine der Forderungen der Barrikaden-Besetzer erfüllt. Gleichzeitig konnte Vucic erneut in seiner Lieblingsrolle als Feuerwehrmann für selbst geschürte Brände glänzen. Doch sein vermeintlicher Barrikadentriumph könnte sich auch bald als Pyrrhussieg erweisen.

Mit den von Belgrad inszenierten Kriegsdrohungen und Waffengerassel hat der autoritär gestrickte Strippenzieher in den vergangenen drei Wochen in der EU weiteren Kredit verspielt. Die Zeiten, in denen ausländische Politiker:innen wie Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel das wendige Politchamäleon noch als „Reformator“ priesen und hätschelten, sind längst vorbei.

Serbiens Präsident Aleksandar Vucic - EVP droht seiner Partei mit Rauswurf

Mit ebenso patzigen wie undiplomatischen Ausfällen gegen deutsche Diplomat:innen in Belgrad und Pristina, die Kosovo-Berichterstatterin Viola von Cramon und Außenministerin Annalena Baerbock haben Regierungschefin Ana Brnabic und Vucic ausgerechnet in den Beziehungen zum wichtigsten EU- und Handelspartner Deutschland Porzellan zerschlagen. Deutschland wolle „blinde Hörigkeit“ und „den Balkan völlig dominieren“, wütete Vucic vergangene Woche in einem Interview.

Neben Pressegängelung und den ausbleibenden Fortschritten bei der Schaffung rechtsstaatlicher Verhältnisse lasten ihm aber auch andere EU-Partner vor allem die hartnäckige Verweigerung der EU-Sanktionen gegen Russland und das nicht erfüllte Versprechen eines Ausgleichs mit Kosovo an. Von einem drohenden „Rauswurf“ seiner rechtspopulistischen SNS aus der konservativen Parteienfamilie der EVP berichtet bereits das Webportal „nova.rs“. (Thomas Roser)

Erst vergangenen Sonntag (25. Dezember) hatte Vucic im Zuge der Zuspitzung des Konfliktes den serbischen Armeechef an die Grenze zum Kosovo entsandt.

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